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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Auch in der Fächerstadt gab es Proteste

Ausstel­lung "Bewegt euch! 1968 und die Folgen für Karlsruhe" im Stadt­mu­seum eröffnet

DIE WÄNDE gepflastert mit Plakaten: Alexandra Kaiser, Albert Käuflein und Jürgen Schuhladen-Kraemer (von links) in der Ausstellung "Bewegt euch!". Foto: jodo

DIE WÄNDE gepflastert mit Plakaten: Alexandra Kaiser, Albert Käuflein und Jürgen Schuhladen-Kraemer (von links) in der Ausstellung "Bewegt euch!". Foto: jodo


 

Von unserer Mitar­bei­te­rin Theresa Rauff­mann
Was bleibt eigentlich von den 68ern und was sagt uns das heute noch? Dieser Frage geht die Ausstel­lung "Bewegt euch! 1968 und die Folgen für Karlsruhe" im Stadt­mu­seum im Prinz-Max-Palais nach, die anlässlich der Europäi­schen Kulturtage statt­fin­det. Bei der ziemlich gut besuchten Vernissage hob Bürger­meis­ter Al­bert Käuflein hervor, dass eine Ausstel­lung über die 68er auch heute noch ein gewisses Risiko berge. Die Studen­ten­re­volte sei ein umstrit­te­nes und kontrovers debat­tier­tes Thema,. Aber gerade ­des­halb und wegen der Tatsache, dass viele Menschen auch in der Fä­cher­stadt von den 68ern oder ihren Auswir­kun­gen betrof­fen ­wa­ren, sei es wichtig, sich auch museal damit aus­ein­an­der­zu­set­zen, so Käuflein.
Bei den 68ern in Deutsch­land, denke man zunächst an große Städte wie Berlin oder Frankfurt, "aber auch hier gab es Proteste", betont Käuflein. Erfreut zeigte er sich über das breit gemisch­te ­Pu­bli­kum, das zur Vernissage erschien, über die Jüngeren und vor allem über die "68er, die heute 68 sind". Er sähe es gerne, "wenn beide Gruppen zusam­men­fin­den und mitein­an­der ins Gespräch ­kämen": Die Ausstel­lung im Stadt­mu­seum solle nicht einfach nur kon­su­miert werden, sondern zur Diskussion führen. Projekt­lei­te­rin Alexandra Kaiser erläuterte, dass die Aus­stel­lungs­stücke zu einem großen Teil nicht aus dem Stadt­ar­chiv stammen, sondern von Karls­ru­hern, die die Zeit der 68er und auch die kommenden Jahrzehnte miterlebt und von denen ei­nige sogar selbst aktiv waren, zusam­men­ge­tra­gen wurden.
Einige von ihnen hätten auf die Idee einer Ausstel­lung zunächst et­was bedrückt reagiert, die Erinnerung sei nun also "­be­we­gungs­los, verstaubt, mausetot, dass sie jetzt schon ins Museum kommt". Dieses Bild will Kaiser aber nicht abgeben.
Für sie ist ein Museum keine "Rumpel­kam­mer, mit Sachen, die nie­man­den inter­es­sie­ren", sondern vielmehr ein Ort, an dem Spuren bis heute nachver­folgt werden können.
So hängen neben Plakaten der Frauen­rechts­be­we­gung auch welche zum Thema Wagenburg oder dem Handels­ab­kom­men TTIP. Auf die Pro­teste in den 68ern gegen eine als missliebig empfun­de­ne ­Kom­men­tie­rung und Bericht­er­stat­tung der BNN wird ebenso auf­merk­sam gemacht, wie auf die Probleme der Wohnungs­not in Karls­ruhe während der 90er. Statt Plakate und Flugblät­ter hinter glä­ser­nen Rahmen auszu­stel­len, sind die Wände geradezu damit ­ge­pflas­tert und wirken zum Anfassen nahe. Zahlrei­che ­Bild­do­ku­mente stammen auch vom einstigen Fotografen der BNN, Horst Schlesiger.
Die Ausstel­lung ist in drei Bereiche unterteilt, im ersten geht es um die Zeit der 68er bis zur Auflösung der APO, im zweiten um die neuen sozialen Bewegungen, die in Folge der Revol­te ent­stan­den sind, und im dritten Raum haben Besucher die Mög­lich­keit, sich Interviews mit Zeitzeugen anzuschauen. Für einen ersten Eindruck, kann man sich im Raum auf eine Bank ­set­zen und die plakat­be­häng­ten Wände betrachten, für mehr ­In­for­ma­tio­nen dienen die aushän­gen­den Info-Tafeln, und wer sich tief­ge­hend mit der Thematik befassen will, kann im Leseraum ­aus­gie­big in damaliger Literatur schmökern. "Bewegt euch! Die 68er und ihre Folgen" hat zudem ein umfas­sen­des ­Be­gleit­pro­gramm.

Badische Neueste Nachrich­ten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 28.04.2018

 

Öffnungs­zei­ten
Dienstags und freitags von 10 bis 18 Uhr, donners­tags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr.