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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Die Warenhausszene geprägt

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Noch bis 26. Februar 2017 ist die Ausstel­lung "­Wa­ren.Haus.Geschichte. Die Knopf-Dynastie und Karlsruhe" im Stadt­mu­seum zu sehen. Geöffnet ist dienstags und freitags von 10 bis 18 Uhr, donners­tags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Ergänzend zur Ausstel­lung im zweiten Oberge­schoss des Prinz-Max-Palais in der Karlstra­ße 10 gibt es zahlreiche Führungen.

 

Stadt­mu­seum eröffnet Ausstel­lung über die jüdische ­Kauf­manns­fa­mi­lie Knopf

eki. Das neoklas­si­zis­ti­sche Karstadt-Gebäude in der Kaiser­stra­ße ist seit vielen Jahren ein Wahrzei­chen der Karls­ru­her In­nen­stadt. Selbst die Flieger­an­griffe während des Zweiten Welt­kriegs hat das Kaufhaus weitgehend unbescha­det überstan­den. Nur sehr wenige Karlsruher Bürger können sich allerdings heute noch an die Anfangs­zeit des Kaufhauses erinnern: Gebaut wurde der markante Einkaufstem­pel nämlich zwischen 1912 und 1914 von der jüdischen Kaufmanns­fa­mi­lie Knopf, und bis zur Enteig­nung ­durch die natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Machthaber war die Fä­cher­stadt-Filiale das Zentrum einer Waren­haus­kette mit über 80 Nie­der­las­sun­gen in Deutsch­land und den angren­zen­den Ländern.

Im Stadt­mu­seum erinnert nun die Ausstel­lung "­Wa­ren.Haus.Geschich­te" an das Leben und Wirken der Familie Knopf und die Verfolgung jüdischer Kaufleute nach der Machter­grei­fung durch die Nazis. Auf 40 großfor­ma­ti­gen Tafeln wird die Erfolgs­ge­schichte der weit verzweig­ten Familie an­schau­lich erläutert, und zahlreiche Bilder lassen die Glanz­zeit der Kaufmanns­dy­nas­tie Knopf wieder aufleben. "Die Fa­mi­lie Knopf gehörte zu den ganz Großen", beton­te Aus­stel­lungs­i­ni­tia­tor Bernd Serger am Freitag­abend bei der of­fi­zi­el­len Ausstel­lungs­er­öff­nung mit der Karls­ru­her ­Kul­tu­ramts­lei­te­rin Susanne Asche.

Der ehemalige Leiter der Heimat­re­dak­tion bei der Badischen ­Zei­tung hat die Geschichte der Familie Knopf in jahre­lan­ger ­Ar­beit akribisch recher­chiert und aufge­ar­bei­tet. Für die Aus­stel­lung in der Fächer­stadt wurde die Wander­schau vom Stadt­mu­seum noch mit zahlrei­chen Exponaten und bisher wenig ­be­kann­ten Fakten zu den Knopfs aus Karlsruhe ergänzt.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs hätten Max Knopf und seine drei Brüder Sally, Albert und Moritz die Waren­haus­szene in Süd­deutsch­land beherrscht, so Sergers Fazit. Und während Max mit seiner Schwester Johanna das heutige Karstadt-Gebäu­de ­kon­zi­pierte, bauten Sally in Freiburg, Albert in Zürich und Moritz in Straßburg ihre eigenen Waren­häu­ser. Der Ursprung der kauf­män­ni­schen Karriere der Knopfs lag ebenfalls in Karlsruhe, wo Max Knopf bereits 1881 ein Leinen-, Wäsche- und Weiß­wa­ren­ge­schäft eröffnete. "Karlsruhe wurde damit zum Teil einer inter­na­tio­na­len Entwick­lung", würdigte Asche die Ver­dienste der Familie Knopf. Und durch die "pracht­vol­len ­Neu­beu­ten mit gehobener Archi­tek­tur" konnten die Knopfs auch neue Kunden­kreise erschlie­ßen.

Einen Einblick in die Warenwelt vor gut 100 Jahren liefern bei der Sonder­schau Original-Exponate: Babyaus­stat­tung aus weißer ­Baum­wolle ist ebenso dabei wie ein 18-teiliges Porzel­lan­ser­vice ­mit Blümchen­mus­ter und ein Spiel­zeu­g­auto aus blauen Blech. Eine Re­gis­trier­kasse aus der Jahrhun­dert­wende und die O­ri­gi­nal-Werbe­pro­spekte aus den 1930ern lassen die Zeit der Knopf-Kaufhäuser ebenfalls wieder lebendig werden. Die Idee für die prunk­vol­len Bauten der Knopfs stammte laut ­Stadt­mu­se­ums­di­rek­tor Peter Pretsch übrigens aus Frankreich, wo um 1850 bereits Waren­häu­ser wie die "Galeries Lafayette" ihre P­for­ten öffneten. Zwischen 1938 bis zum Verkauf an Karstadt im Jahr 1953 gehörte das Knopf-Gebäude zur Friedrich Hölscher KG. Das letzte Knopf-Kaufhaus schloss seine Türen 1978 in Basel.

Badische Neueste Nachrich­ten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 19.09.2016
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