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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Pow-Wow im Palaisgarten

Ausstel­lung "Rund um den India­ner­brun­nen. Rothäute der Südstadt" im Stadt­mu­seum eröffnet

Von unserer Mitar­bei­te­rin Nina Setzler

100 Leute zucken zusammen - ein lauter Schlag unter­bricht jäh ihr Geplauder. Mehrstim­mi­ger Gesang, eine rhyth­mi­sche Trommel, exotische Gestalten bewegen sich wiegenden Schrittes zwischen den Ausstel­lungs­be­su­chern hindurch: Männer mit Fellmützen oder Iroke­sen­fri­sur und mit Kriegs­be­ma­lung, die Frauen tragen bunte Gewänder und lange Holzper­le­nohr­ringe. In ihrer Mitte wogt die riesige Federhaube des Häuptlings. Die Gruppe singt jetzt lauter, wie im Trance, die Sprache klingt geheim­nis­voll. Neben dem Tipi im Garten des Prinz-Max-Palais bilden sie verschwö­re­risch einen Kreis, tanzen, trommeln noch energi­scher.

Seit 1952 pflegen die "Indianer­freunde Karls­ru­he" india­ni­sche Kultur und Brauchtum der westlichen USA des 18. und 19. Jahrhun­derts. Das hat in Karlsruhe Tradition, hier brach 1891 das Wildwest-Fieber aus, als der legendäre Buffalo Bill mit seiner Actionshow vier Tage lang am Schlacht­hof Station machte. Er hatte 85 Indianer dabei, gab täglich zwei Shows vor je 5 000 Zuschauern. Insgesamt 40 000 Menschen bestaunten das Spektakel - die Hälfte der damaligen Stadt­be­völ­ke­rung!

Dank Karl May und den "Leder­strumpf"-Romanen von James Fenimore Cooper war der Cowboy-Indianer-Konflikt damals ohnehin schon populär. Warum dann ausge­rech­net die Südstädter als Indianer bezeichnet wurden, kann man nicht mehr genau sagen. Möglich, dass die hier zuhauf lebenden Bahnar­bei­ter mit ihren rotver­schwitz­ten, rußver­schmier­ten Gesichtern nach Feierabend diesen Spitznamen bekamen. Viele Bewohner der Südstadt fühlten sich als "Indianer" jedoch verun­glimpft, denn die galten in den USA damals als Primi­tiv­linge. Der geplante Bau des India­ner­brun­nens am Werder­platz war deshalb zunächst umstritten, berichtete Erster Bürger­meis­ter Wolfram Jäger bei der Ausstel­lungs­er­öff­nung. "Darum wurde zunächst nur das Brunnen­be­cken gebaut. Erst als Unter­neh­mer Eugen von Steffelin einen kleinen India­ner­brun­nen an sein Wohnhaus in der Baumeis­ter­straße stellen ließ, wurden die Südstäd­ter offener für das Thema", so Jäger. Der große Brunnen am Werder­platz erhielt später doch seine India­ner­köpfe und gilt heute nicht nur als Wahrzei­chen des Viertels, sondern zugleich als einziger India­ner­brun­nen Deutsch­lands.

Neben dem Origi­nalm­odell eines Kopfes und farben­präch­ti­gen Kostümen und Acces­soires der Karls­ru­her India­ner­ver­eine zeigt die Ausstel­lung auch viele Origi­nal­fo­to­gra­fien: Rothäute mit Friedens­pfeife, bei Versamm­lun­gen in der Jägerstube, im Faschings­um­zug.
Sehr schön dokumen­tiert ist auch die Indianer-Begeis­te­rung des früheren Karls­ru­her Oberbür­ger­meis­ters Günther Klotz: Der rauchte gerne mal eine mit den anderen Häupt­lin­gen - in Anzug, Krawatte und Feder­kopf­schmuck.

Badische Neueste Nachrich­ten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 02.05.2016

 

INDIANER im Garten des Prinz-Max-Palais: Das Stadtmuseum widmet sich der Karlsruher Indianer-Tradition. Erster Bürgermeister Wolfram Jäger (Mitte) eröffnete die Ausstellung über die Rothäute in der Südstadt. Foto: jodo

INDIANER im Garten des Prinz-Max-Palais: Das Stadtmuseum widmet sich der Karlsruher Indianer-Tradition. Erster Bürgermeister Wolfram Jäger (Mitte) eröffnete die Ausstellung über die Rothäute in der Südstadt. Foto: jodo


 

Service

Die Ausstel­lung "Rund um den India­ner­brun­nen. Rothäute in der Südstadt" ist bis 28. August im Stadt­mu­seum im Prinz-Max-Palais zu sehen. Geöffnet ist dienstags und freitags von 10 bis 18 Uhr, donners­tags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.