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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Willy Brandts Charme lebt in Karikaturen weiter

Schau zum 100. Geburtstag des Ex-Kanzlers eröffnet

kdm. Der etwas andere Blick auf Willy Brandt und sein Wirken beginnt mit einer Karikatur von Peter Leger aus dem Jahr 1957. Zu sehen ist Brandt als starker Politiker, der nach seiner Wahl zum Regie­ren­den Berliner Bürger­meis­ter im sport­li­chen Dress einfach so mal das Branden­bur­ger Tor stemmt. Nach einer langen Reihe von weiteren "Bild­nis­sen" schließt der Blick mit einer 1992 aus der Feder von Ernst Maria Lang stammenden Karikatur. Sie zeigt, wie Gevatter Tod Willy Brandt bei der Hand nimmt, und ihn mit dem Satz, "da geht's in die Geschichte, Willy", durchs Brand­bur­ger Tor führt. Da schließt sich der Kreis.

Keine Frage, die Stärke der im Stadt­mu­se­um (Prinz-Max-Palais) eröffneten Wanderaus­stel­lung über 100 Willy-Brandt-Karika­tu­ren liegt nicht nur in ihrer Vielfalt, sondern auch in der Anordnung der "zeich­ne­risch überspitz­ten Darstel­lun­gen". Die Arbeiten von über 40 Karika­tu­ris­ten sind chrono­lo­gisch aufgereiht und beleuchten so den politi­schen Werdegang des ersten SPD-Bundes­kanz­lers. "Er ist einer der angese­hens­ten und bedeu­tends­ten Politiker im Nachkriegs­deutsch­land", bemerkte bei der Ausstel­lungs­er­öff­nung - musika­lisch begleitet von einem Gitar­ren­quar­tett des Badischen Konser­va­to­ri­ums - Oberbür­ger­meis­ter Frank Mentrup.

Für ihn als Sozial­de­mo­krat sei es eine besondere Freude, diese Ausstel­lung zu eröffnen, betonte Mentrup - zumal in dem Jahr, in dem Willy Brandt 100 Jahre geworden wäre. Es gehe in der Ausstel­lung um die Karikatur als Kunstform, verstanden als die "Zuspit­zung in einem Bild", und um den Politiker Brandt, sagte der OB. Karika­tu­ren müssten nicht in jedem Fall böse sein, befand Klaus-Henning Rosen, der von 1976 bis 1989 das persön­li­che Büro des Brandts leitete. Die Karika­tu­ren seien teilweise liebevoll gezeichnet, hätten sogar etwas Gewin­nen­des.

Rosen zeichnete auch ein privates Bild Brandts, das den "Reiz an seiner Person" noch reizvoller machte. Willy Brandt habe geangelt, erzählte Rosen. Brandt sei ein Mann mit einer starken Wertver­an­ke­rung gewesen, im Gegensatz zu vielen heutigen Politikern, die mehr den "Real­ge­schäf­ten" nachgehen würden, meinte er. All das gibt der Untertitel der Ausstel­lung trefflich wieder: "Man hat sich bemüht." Einmal gefragt, was auf seinem Grabstein stehen solle, gab Willy Brandt dies zur Antwort. Die Ausstel­lung ist bis 15. Dezember zu sehen.

Badische Neueste Nachrich­ten vom 18. November 2013

 

100 KARIKATUREN von Willy Brandt sind jetzt im Stadtmuseum zu sehen. Foto: kdm

100 KARIKATUREN von Willy Brandt sind jetzt im Stadtmuseum zu sehen. Foto: kdm