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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats im Stadtmuseum

Ein Gänsebauer auf seinem Hundewagen, Unter­satz­platte um 1920

Vor dem Hinter­grund eines verschla­fe­nen elsäs­si­schen Dörfchens ­sitzt ein Bauer auf einem Leiter­wa­gen, der von zwei Hunden ­ge­zo­gen wird. Im Leiter­wa­gen stapeln sich Käfige voller Hühner und Gänse. Das Motiv zeigt eine Szene des elsäs­si­schen ­Land­le­bens um 1900, wie sie der Maler Henri Loux gerne dar­stellte. Seine Malereien, die später auf Keramik gebrannt wur­den, zeigen das bäuerliche Leben im elsäs­si­schen Oberehn­heim, heute Obernai. Der 1873 geborene Künstler wollte ursprüng­lich ­selbst Bauer werden, entschloss sich jedoch unter dem Einfluss ­sei­nes Vaters und seines Zeichen­leh­rers dazu, die neu ein­ge­rich­tete Straß­bur­ger Kunst­ge­wer­be­schule zu besuchen. Zeit ­sei­nes Lebens war das Elsass deutsch. Wie die meisten Künst­ler ­die­ser Region stellte sich Loux nach dem Schul­ab­schluss die Frage, ob er sein Kunst­stu­dium in Paris oder in München ­auf­neh­men sollte. Da die finan­zi­elle Förderung in München besser war, verschlug es den jungen Maler 1893 an die Akademie der Bil­den­den Künste im Königreich Bayern. Jedoch schien er seine Hei­mat vermisst zu haben. Vier Jahre arbeitete er auf sein ­Di­plom hin, um nach dem erfolg­rei­chen Abschluss direkt ins Elsass zurück­zu­keh­ren.
Seine Bilder spiegeln eine Sehnsucht nach dem einfachen, natur­ver­bun­de­nen Leben wider. Gerne malte er einsame Bauernhöfe, Mensch und Tier bei der Landarbeit oder junge Mädchen in der el­säs­si­schen Tracht. Als Hinter­grund für seine ländlichen Szenen wählte er Wälder und Weiden sowie tradi­tio­nelle Fachwerk- und Bau­ern­häu­ser. Loux gelangte zu großer Bekannt­heit, als er der Stein­gut­fa­brik Utzschnei­der & Cie in Saargemünd seine Bilder zur Ver­zie­rung einer Geschirr­se­rie anbot. Saargemünd, das heute Sar­re­gue­mi­nes heißt und in Frankreich unmit­tel­bar an der Grenze zum deutschen Bundesland Saarland liegt, war seinerzeit eine Hoch­burg der Keramik­pro­duk­tion. Noch heute lässt sich die kunst­hand­werk­li­che Vielfalt der Stadt im ansäs­si­gen Ke­ra­mik-Museum und auf der jährlichen Antik-Keramik­mes­se ­be­wun­dern.
Ab 1902 produ­zierte die Manufaktur das von Loux gestal­te­te Ess­ge­schirr. Dazu verwendete Loux bereits vollendete Werke und passte sie an das gewünschte neue Format an. Das als "Kollek­tion O­ber­ehn­heim" bekannt gewordene Set erfreute sich über Jahrzehn­te hin­weg großer Beliebt­heit. Loux verstarb 1907 in Straßburg, doch wurde die von ihm künst­le­risch gestaltete Geschirr­se­rie lange über seinen Tod hinaus weiter produziert. Weitere Objekte dieser ­Se­rie sind ein Stockwerk höher, in der Ausstel­lung "Karls­ru­he und Elsass-Lothringen seit 1871" zu bewundern.

Jacque­line Berl

 

Erläu­te­run­gen zum Objekt des Monats

Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes ­Ex­po­nat vorge­stellt.

Foto: Stadtmuseum

Foto: Stadtmuseum


 
 

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