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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats Oktober bis Dezember 2007

Das "Karls­ru­her Richt­schwert" von 1772

Das so genannte "Karls­ru­her Richt­schwert" befindet sich seit 1938 im Besitz der Stadt Karlsruhe. Die Klinge des 1,15 Meter langen Schwertes ist reich verziert und zudem auf beiden Seiten mit Sinnsprü­chen versehen. Wie bei diesen Waffen üblich, läuft die Klinge nicht spitz zu, sondern ist vorne abgerundet. Neueste Forschun­gen haben ergeben, dass das Schwert wohl nie in Karlsruhe zum Einsatz kam. Die Inschrift "Carlsruhe 1772" bezieht sich danach lediglich auf den Herstel­lungs­ort der Waffe. Der Auftrag­ge­ber war der spätere Tübinger Scharf­rich­ter Georg Friedrich Belthle (1757-1828).

Georg Friedrich Belthle stammte aus einer Scharf­rich­ter­fa­mi­lie und bekleidete dieses Amt bereits in der vierten Generation. Aufgrund der mit diesem Beruf verbun­de­nen gesell­schaft­li­chen Randstel­lung war es für die männlichen Nachkommen eines Scharf­rich­ters nahezu unmöglich, einen anderen Beruf zu ergreifen. Da auch die Heirats­mög­lich­kei­ten weitge­hend auf die eigene Berufs­gruppe beschränkt waren, entwi­ckel­ten sich teilweise regel­rech­te Scharf­rich­terdy­nas­tien. In die Ausbildung ging Belthle zunächst bei seinem Vater. Nach dessen Tod beendete er seine Lehrzeit bei seinem Schwager in Eppingen. Zwischen 1772 und 1775 hat er dann wohl mit dem "Karls­ru­her Richt­schwert" in Tübingen sein Meister­stück, also eine fachge­rechte Enthaup­tung, absolviert.

Georg Friedrich Belthle übte sein Amt in Tübingen bis 1820 aus. Nachdem es ihm bei einer Hinrich­tung am 5. Juni diesen Jahres auch nach wieder­hol­ten Versuchen nicht gelang, den Kopf des Raubmör­ders Starkmann vom Rumpf zu trennen, vollendete sein Lehrling Johannes Kratt (1783-1862) aus Reutlingen die Arbeit. Ihm überließ Belthe dann anschei­nend auch sein Schwert. Denn bei Kratts jüngerem Bruder erwarb es im Jahr 1884 der Straß­bur­ger Waffen­samm­ler Rasp. Von ihm kaufte es dann der Karlsruher Ratsherr Huber und machte es der Stadt zum Geschenk, die es in die Städti­schen Sammlungen (heute Stadt­mu­se­um) übergab.

Meinrad Welker M.A.

 

Erläu­te­run­gen zum Objekt des Monats

Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes ­Ex­po­nat vorge­stellt.


Stadtmuseum, Signatur 1960/676

Stadtmuseum, Signatur 1960/676


 
 

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