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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats Juli bis September 2009

Der Heinkel-Motor­rol­ler 103 A1

Dauer­leih­gabe des Fahrzeug­mu­se­ums Marxzell

Die Firma Heinkel war zuerst als renom­mier­tes Flugzeug­bau­un­ter­neh­men in Mecklen­burg bekannt. Bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrie­ges waren hier in sieben Haupt­wer­ken und 27 Zweig- und Verla­ge­rungs­be­trie­ben über 50.000 Mitar­bei­ter beschäf­tigt.

Nach Kriegsende verlor Heinkel fast seinen gesamten Besitz. Neben einem Werk in Berlin-Reini­cken­dorf und einem Verla­ge­rungs­be­trieb blieb ihm nur noch die Zweignie­der­las­sung in Stuttgart-Zuffen­hau­sen, wo dann der Aufstieg der neuen Heinkel-Produkte seinen Ursprung hatte. Da die Konstruk­tion und der Bau von Flugzeugen in Deutsch­land bis 1955 verboten waren, beschäf­tigte sich Heinkel nun u. a. mit der Planung des Urtyps des Heinkel-Rollers.

Auch in Karlsruhe entstand 1954 eine Produk­ti­ons­stät­te der Ernst Heinkel Motorenbau GmbH. Errichtet war das Werk auf dem Gelände am alten Karlsruher Flugplatz, da hier ursprüng­lich Flugzeuge gebaut werden sollten, was ab 1955 in Deutsch­land wieder erlaubt war. Der Bau von Flugzeu­gen wurde dann aber letzt­end­lich in Speyer realisiert. Das Karlsruher Werk ging 1980 in Konkurs. Einige erinnern sich vielleicht noch an die Halte­stelle "Hein­kel­werk" an der Erzber­ger­straße, die bis zum Jahr 2006 von der Buslinie in die Nordwest­stadt angefahren wurde.

Die Serien­pro­duk­tion des Heinkel-Rollers begann bereits im Jahr 1953 mit dem Typ 101 A0 mit luftge­kühl­tem Einzy­lin­der-Viertakt­mo­tor. Der Hubraum betrug anfänglich 149 ccm und 7,2 PS, fahrbereit war die Maschine per Kickstar­ter. Der Verbrauch lag bei 3 Liter Benzin auf 100 km. Es folgte 1954 das Modell 102 A1 mit erhöhtem Hubraum und somit auch eine stärkere PS- Leistung - 9,2 bei 5500/min. Außerdem wurde der Roller jetzt per Elektro­star­ter gezündet. 1955 ging der 103 A0 in Produktion, der erstmals über ein Viergang-Klauen­ge­triebe mit Handschal­tung angetrie­ben wurde, und eine Geschwin­dig­keit von 95 km/h erreichte.

Im September 1957 produ­zierte die Firma erstmals das hier gezeigte Modell 103 A1. Der Motor behielt die gleiche Leistung bei, ebenso blieb der Verbrauch bei weniger als drei Liter auf 100 km. Die wichtigste techni­sche Verbes­se­rung war die Lagerung des Motors in Gummi­la­gern, die einen besseren Fahrkom­fort ermög­lichte. Die größte äußerliche Verän­de­rung zu den Vorgän­ger­mo­del­len war der Profil­len­ker mit integrier­tem Tachometer. Alle Heinkel-Roller waren serien­mä­ßig mit einem Bugge­päck­trä­ger über dem Schein­wer­fer und einem Heckge­päck­trä­ger über dem Reserverad ausge­rüs­tet und somit dank seiner hohen Zuladungs­ka­pa­zi­tät auch für Urlaubs­fahr­ten geeignet. Durch seine Belast­bar­keit und Zuver­läs­sig­keit bot sich hier ein echter Autoersatz für alle diejenigen, die sich in den Jahren des frühen deutschen Wirtschafts­wun­ders noch kein Auto leisten konnten.

Noch heute ist der Heinkel-Roller ein begehrter Oldtimer unter den Sammlern und Motor­rad­lieb­ha­bern. Der Heinkel-Club Deutsch­land e. V. ist mit über 4.200 Mitglie­dern der größte marken­ge­bun­dene Oldti­mer­club in Europa. Er besitzt für die Versorgung mit Ersatz­tei­len der Fahrzeuge seiner Mitglieder eine eigene Vertriebs­ge­sell­schaft.

Sigrun Bertram

 

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Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes ­Ex­po­nat vorge­stellt.


Der Heinkel-Motorroller 103 A1 im Stadtmuseum

Der Heinkel-Motorroller 103 A1 im Stadtmuseum


 
 

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