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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats Juli bis September 2012

Bronze­büste von Christoph Friedrich Lidell

Der 1720 in Neuenburg bei Pforzheim geborene Kaufmann Christoph Friedrich Lidell hatte durch Holz- und Eisen­han­del ein beträcht­li­ches Vermögen erwirt­schaf­tet. 1786 zog er sich aus dem Geschäfts­le­ben zurück und ließ sich in Karlsruhe nieder, wo er durch sein soziales Engagement - er unter­stützte arme Familien und bedürftige Schul­kan­di­da­ten - zu hohem Ansehen gelangte.

In seinem Testament verfügte Lidell die Einrich­tung einer wohltä­ti­gen Stiftung, die sich aus den Zinsen eines Stiftungs­ver­mö­gens von 100.000 Livres finan­zierte. Diese ermög­lichte seit seinem Tode im Jahr 1792 die unent­gelt­li­che Behandlung bedürf­ti­ger Kranker in dem von Wilhelm Jeremias Müller zwischen 1781 und 1789 errich­te­ten Spital an der Adler­straße. Trotz seiner Verdienste geriet Lidell bei den Karls­ru­hern danach aber in Verges­sen­heit.

Als die Stadt in den 1870er-Jahren auf Ersuchen der Anwohner des 1790 angelegten Spital­plat­zes eine Umgestal­tung des dreie­cki­gen Areals in Angriff nahm, erinnerten sich die Planer Lidells und beauf­trag­ten den Bildhauer Hermann Volz, zu seinen Ehren einen Brunnen zu entwerfen. Der 1824 am Nordende des Platzes von Friedrich Weinbren­ner errichtete Markt­brun­nen fiel dieser Entwick­lung zum Opfer. Das Ansinnen der Stadt war hierbei vermutlich auch, den vermö­gen­den Karls­ru­hern den wohltä­ti­gen Stifter Lidell als positives Beispiel vor Augen zu führen. Der neue Brunnen wurde in der Mitte des Platzes positio­niert und trug auf einer mächtigen Balus­ter­säule eine bronzene Hermen­büste Lidells. Diese entwarf Volz in natura­lis­ti­scher Weise, die den Stifter als älteren Mann in zeitge­nös­si­scher Kleidung darstellt. Anlässlich des einhun­derts­ten Todestages Lidells wurde 1892 dann der gesamte Platz nach ihm benannt.

1889 erfolgte eine Umgestal­tung des Areals zu einer Grünanlage, der Brunnen stand nun unzugäng­lich in der Mitte einer Rasen­flä­che. Mit der Umbenen­nung der Zweiten Evange­li­schen Stadt­schule in der Markgra­fen­straße zur Lidell­schule wurde Lidell im Jahr 1900 eine weitere Ehrung zuteil. Bis Ende der 1970er-Jahre verblieb der Lidell­brun­nen am gleichen Ort, während sich der Platz darum noch mehrmals veränderte. Auf Grund witte­rungs­be­ding­ter Schäden musste der Brunnen 1971 durch einen origi­nal­ge­treuen Nachbau ersetzt werden, wobei ein wider­stands­fä­hi­ge­rer Stein Verwendung fand.

Von 1979 bis 1980 erhielt der Lidell­platz sein heutiges Aussehen, und der Brunnen findet sich seither wieder genau an der Stelle, an der zuerst auch der Weinbren­ner­sche Markt­brun­nen gestanden hatte. Um die Erhaltung der Bronze­büste zu garan­tie­ren, wurde diese dann vor einigen Jahren ebenfalls durch eine Replik ersetzt und in die Sammlung des Stadt­mu­se­ums übernommen.

Meinrad Welker M.A.

 

Erläu­te­run­gen zum Objekt des Monats

Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes ­Ex­po­nat vorge­stellt.


Bronzebüste von Lidell

Bronzebüste von Lidell