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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats April bis Juni 2009

Die Juris­ten­ro­be

Vor 60 Jahren, am 8. Mai 1949, einigte sich der Parla­men­ta­ri­sche Rat - bestehend aus gewählten Mitglie­dern der elf Landes­par­la­mente - nach monate­lan­gen Beratungen auf eine von den Alliier­ten angemahnte Verfassung. Um ein nochma­li­ges Scheitern der Demokratie zu verhindern, wurde vor allem großer Wert auf die Veran­ke­rung der Menschrechte in dieser Verfas­sung gelegt. Nach der Unter­su­chung am 23. Mai trat das Grund­ge­setz am 24. Mai 1949 in Kraft. Damit war auch die Bundes­re­pu­blik Deutsch­land entstanden - ein freier, demokra­ti­scher Staat mit seinen eigenen Rechten und Gesetzen, gleich­be­rech­tigt für Mann und Frau.

Seit seiner Gründung im Jahr 1951 wacht das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt über die Einhaltung dieses Grund­ge­set­zes. Es hatte bis 1967 seinen Sitz im Prinz-Max-Palais. Damals wurde auch die Amtstracht der Richter festgelegt.

Fast jeder hat sie schon gesehen, die berühmten purpur­ro­ten Roben mit der langen weißen Halsbinde, dem so genannten 'Jabot'. Als Kopfbe­de­ckung ist hier eine ganz bestimmte Form des Baretts, in Farbe und Stoffart der Robe gleich, vorge­schrie­ben. Dieser besondere Robentyp wurde 1950 speziell für das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt von einem Münchner Kostüm­bild­ner entworfen. Als Vorlage diente die Tracht, die von den Richtern im Florenz des 15. Jahrhun­derts getragen wurde.

In früheren Zeiten waren die Amtstrach­ten der Richter oder anderer juris­ti­scher Personen sehr verschie­den und von deren Ausstat­tung konnte man Rückschlüsse auf die Bedeutung des jeweiligen Herrschafts­ge­bie­tes ziehen.

Im Jahr 1726 verfügte König Wilhelm I. von Preußen innerhalb seines Terri­to­ri­ums die Einführung einer einheit­li­chen Juris­ten­tracht in den Gerichten: "Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, daß die Advokaten wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennt."

Diese 'Robe' wurde im Laufe des 18. und 19. Jahrhun­derts in gleicher oder ähnlicher Form von anderen deutschen Terri­to­rien übernommen. Nach der Reichs­grün­dung 1871 setzte sich die Preußische Robe als einheit­lich deutsche Juris­ten­tracht durch.
Vom Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt wurde 1970 das Tragen der Robe vor Landge­rich­ten und höheren Gerichten verpflich­tend vorge­schrie­ben. Die Robe gilt somit als Standes­tracht der Juristen, d. h. als Sinnbild gericht­li­cher Würde. Die Ausführung der Robe ist je nach Bundesland, Gericht und juris­ti­sche Zugehö­rig­keit per Verordnung oder Erlass geregelt.

Sigrun Bertram

 

Erläu­te­run­gen zum Objekt des Monats

Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes ­Ex­po­nat vorge­stellt.


Die Juristenrobe

Die Juristenrobe


 
 

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