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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats April bis Juni 2013

Gablonzer Vase

Die hier gezeigte Vase war eines der wenigen Besitz­tü­mer eines sudeten­deut­schen Mädchens, das Ende November 1948 mit einem Vertrie­benen­trans­port aus Gablonz Karlsruhe erreichte. Die Vase ist ein typisches Beispiel für ein Produkt der Gablonzer Industrie, die in den Bereichen Glas- und Schmuck­her­stel­lung seit dem 19. Jahrhun­dert inter­na­tio­nale Bedeutung hatte.

Die Stadt heißt heute Jablonec und liegt im Norden der Tsche­chi­schen Republik. Die Bevöl­ke­rung bestand zum größten Teil aus Deutschen und Öster­rei­chern. Fast alle von ihnen mussten in der Folge des Krieges die Stadt verlassen. Viele der Vertrie­be­nen hatten in der Glas- und Bijou­te­rie­in­dus­trie gearbeitet, was die Neugrün­dung von Firmen in Deutsch­land und Öster­reich begüns­tigte.

Auch die etwa 1000 Gablonzer, die in Karlsruhe Aufnahme fanden, gingen schnell daran, neue Betriebe aufzubauen. Als Dachver­band fungierte die zum 1. Dezember 1947 unter Betei­li­gung der Stadt gegründete "Arbeits­ge­mein­schaft der Gablonzer Industrie in Karlsruhe". Zwischen Mühlburg und Knielingen entstand dann seit Anfang der 1950er-Jahre sogar eine kleine Gablonzer Indus­trie­sied­lung.

19 Betriebe siedelten sich damals auf von der Stadt zur Verfügung gestellten Grund­stücken im Bereich der Gablonzer-, Daimler- und Bosch­straße an. Zahlrei­che weitere Betriebe mit Gablonzer Wurzeln produ­zier­ten in den Gebäuden der früheren Artil­le­rie­ka­serne in der Moltke­straße.

Durch den Mangel an Fachkräf­ten und die Konkur­renz billiger Schmuck­wa­ren aus dem Ostblock kam es aber bereits in den 1960er-Jahren zu einer Krise der Gablonzer Industrie in Karlsruhe, in deren Folge die Hälfte der bis dahin beste­hen­den 38 Firmen verschwand. Der Anteil von Schmuck­wa­ren an der Produktion der Gablonzer Betriebe in Karlsruhe betrug damals nur noch etwa 30%. Die meisten Firmen waren inzwischen in der Metall- und Kunst­stoff­ver­ar­bei­tung angesie­delt.

Aus Mangel an Mitglie­dern löste sich dann 1979 auch die "Arbeits­ge­mein­schaft der Gablonzer Industrie in Karlsruhe" auf. Heute gibt es im Nordwesten der Stadt und im Umland nurmehr eine Hand voll Betriebe mit Gablonzer Ursprüngen, wie etwa Bergmann & Hillebrand, Kreisel oder Dressler & Zimmer­hackl.

Meinrad Welker M.A.

 

Erläu­te­run­gen zum Objekt des Monats

Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes ­Ex­po­nat vorge­stellt.

Dauerleihgabe

Dauerleihgabe


 
 

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