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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats Januar bis März 2011

Ein Wohnen­sem­ble aus der Zeit des Bieder­mei­er

Das Bieder­mei­er­zim­mer vermittelt einen Eindruck davon, wie es um 1820 in der Wohnstube einer Karlsruher Familie des gehobenen Bürgertums ausge­se­hen haben könnte. Als Bieder­meier wird die Zeit zwischen dem Wiener Kongress im Jahre 1815 und der bürger­li­chen Revolution von 1848 bezeichnet. Typisch für diese Zeit ist der Rückzug des Bürgertums ins Private. Da das häusliche und familiäre Leben nun in den Mittel­punkt der bürger­li­chen Kultur rückte, gewann auch die Gestaltung des Wohnum­fel­des zunehmend an Bedeutung. Die Wohnstube, Urform unseres Wohnzim­mers, entwi­ckelte sich nun zum häuslichen Zentrum, hier spielte sich ein Großteil des familiären Lebens ab. Die Möblierung sollte eine behagliche Atmosphäre schaffen und war meist schlicht gestaltet, wobei einiger Wert auf die handwerk­li­che Qualität der Möbel gelegt wurde. An den Wänden hingen oftmals Portraits der Famili­en­mit­glie­der, in Vitri­nen­schrän­ken präsen­tierte man Porzellan und Dekora­ti­ons­ge­gen­stände. Zuneh­men­de Bedeutung erlangte im Bieder­meier die Hausmusik und wer es sich leisten konnte, stellte sich ein Hammer­kla­vier in die Wohnstube. Daran saßen in der Regel die Frauen, denn es gehörte zum guten Ton, dass Bürger­töch­ter das Klavier­spiel erlernten. Daneben widmeten sich die Frauen vielfach der Handarbeit. Bei der Haushalts­füh­rung wurden sie in der Regel von Dienst­per­so­nal unter­stützt.

In der familiär bestimmten Atmosphäre des Bieder­meier gewannen auch Gesell­schaftss­pie­le an Bedeutung. Das hier gezeigte Karls­ru­her Würfel­spiel wurde beispiels­weise um 1840 in Doerings Spiel­wa­ren­ge­schäft vertrieben. Die Tatsache, dass es damals zu einer Blütezeit des Spiel­wa­ren­han­dels kam, verweist auf die zunehmende Abkehr von der Auffassung, Kinder seien wie kleine Erwachsene zu behandeln. In diesem Zusam­men­hang ist auch die Entstehung des Kinder­zim­mers zu sehen, die ebenso wie die Heraus­bil­dung des Weihnachts­fes­tes, wie wir es heute kennen, in die Zeit des Bieder­mei­er fällt.

Einige Stücke des heutigen Bieder­mei­er­zim­mers gehörten 1911 zur ersten dauer­haf­ten Präsen­ta­tion der stadt­ge­schicht­li­chen Sammlungen. Das Wohnen­sem­ble konnte damals in den Räumlich­kei­ten des Stadt­ar­chivs im alten Wasser­werks­ge­bäude am Archiv­platz besichtigt werden.

Meinrad Welker M.A.

 

Erläu­te­run­gen zum Objekt des Monats

Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes ­Ex­po­nat vorge­stellt.


Foto: Stadtmuseum Karlsruhe

Foto: Stadtmuseum Karlsruhe


 
 

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