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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Der Stadtgarten Karlsruhe

Eine Garten­kul­tur kannten schon die Babylonier und Assyrer, und in der Renaissance gewann sie künst­le­ri­sches Profil. Die Verf. Legt in ihrem histo­ri­schen Streifzug den Schwer­punkt auf das 19. Jh., beschreibt dieses kommunale Gegen­ge­wicht zum großher­zog­li­chen Schloss­gar­ten, das ein Bürgerpark werden sollte. Die einzelnen Erwerb­spha­sen des Geländes spiegeln das Wachstum der Stadt, erst die Gemeinde Beiertheim abgerungen, bis diese selbst Teil der Stadt wurde. Während man sich im Sallen­wäld­chen kosten­frei ergehen konnte, verlangte man Eintritt für den engeren Stadtpark, in dem auch eine Menge geboten wurde, von der Burgruine auf dem künst­li­chen Lauterberg, den Boots­fahr­ten auf dem See, den Kletter­ge­rüs­ten auf dem Kinder­spiel­platz bis zur Gaststätte im Schwei­zer­haus. Und dann der Musik­pa­vil­lon, einer der wenigen Orte, wo man in der Stadt ein Orchester erleben konnte. In dieser "Lust­an­la­ge" manifes­tierte sich das neue Selbst­be­wusst­sein des Bürgertums, und auf den geord­ne­ten Wegen erging sich hier die Mittel- und Oberschicht. Drum engagier­ten sich auf zahlreich Spender in Dotationen für spezielle Garten­an­la­gen oder Werke von Bildhauern.

Um 1900 setzte ein Wandel von dem "kontem­pla­ti­ven Natur­ge­nuss" zum Vorbild englischer Parks ein, eines Geländes mit verschie­de­nen Sport­mög­lich­kei­ten. Bei wachsender Mobilität wohnten nun viele Begüterte in Villen­vor­or­ten und überließen den Stadtpark den weniger mobilen Schichten der Innenstadt, von denen viele Bewohner sich nach hartem Arbeit­sall­tag der rasch populären Sport­be­we­gung anschlos­sen. Das Auf und Ab deutscher Geschichte im 20. Jahrhun­dert spiegelt sich auch in diesem Garten: vom Gemüse­an­bau in Kriegs­zei­ten, der Wirtschafts­blüte Ende der 20er Jahre, den Aufmarsch­plät­zen für die SA bei der Festhalle und dem Wieder­auf­bau nach 1945. Die Bundes­gar­ten­schau 1967 wird als prägende Umgestal­tung dieser Anlage ausführ­lich beschrie­ben, die bis heute - mit kleinen Varia­tio­nen - Kultur­denk­mal bestimmt. U. Schmitt bietet noch viele Querver­weise, z. B. zum Wettbewerb der Tierhal­tung mit den fürst­li­chen Gründungen, Finan­zie­rung durch die Kommunen. Eine geschickte Bildaus­wahl, besonders mit histo­ri­schen Fotos aus dem Stadt­ar­chiv, belebt diesen nachdenk­li­chen Parkführer, der auf einer breiten Litera­tur­aus­wer­tung fußt, ist doch der flüssig geschrie­bene Text Teil einer Diplom­ar­beit.

Dr. Leonhard Müller, Historiker
 

Uta Schmitt: Der Stadt­­­gar­ten Karlsruhe, Hrsg. Stadt­­ar­chiv Karlsruhe (Häuser- und Bauge­­schicht­­li­che Reihe Bd. 6), Info Verlag Karlsruhe 2007, 132 S., 111 Abb., € 12,80

Uta Schmitt: Der Stadt­­­gar­ten Karlsruhe, Hrsg. Stadt­­ar­chiv Karlsruhe (Häuser- und Bauge­­schicht­­li­che Reihe Bd. 6), Info Verlag Karlsruhe 2007, 132 S., 111 Abb., € 12,80