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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Rezension: Rainer Gutjahr (Hg.): Eduard Koelle. Drei Tage der Karlsruher Bürgerwehr 1849

Eduard Koelle, Drei Tage der Karlsruher Bürgerwehr 1849, hrsg. von Rainer Gutjahr, Forschun­gen und Quellen zur Stadt­ge­schichte, Schrif­ten­rei­he des Stadt­ar­chivs Karlsruhe, Band 5, Karlsruhe 1999, 154 S., 35 Abb., € 14,80

Buchtitel Eduard Koelle


Der Autor, 1810 in Karlsruhe geboren, ein recht­schaf­fe­ner Kaufmann, war 1848 in der Bürgerwehr bis zum Adjutanten des Oberbe­fehls­ha­bers aufge­stie­gen. Der "konsti­tu­tio­nelle Konser­va­ti­ve" will seine Darstel­lung über den 13./14. Mai, 6./7. und 24./25. Juni 1849 als Recht­fer­ti­gungs­schrift verstanden wissen. Die freiwil­lige Bürger­be­waff­nung sollte zunächst einen befürch­te­ten Franzo­sen­ein­fall abwehren, dann bald angesichts innerer Unruhen die öffent­li­che Ordnung sichern. Besonders bedeutsam wurde dieser Auftrag in den Junitagen, als sich die Revolution dem Ende neigte. Während die Bürgerwehr am 4. 6. noch vor der provi­so­ri­schen Regierung Brentano und Peter defilierte, sah man am 24. 6. die Truppen dieser Regierung als "geschla­ge­nen Tross" vor den Preußen fliehen. "Diesen aufge­lös­ten Horden, die damit begonnen hatten, kein Gesetz mehr zu kennen und nur ihren Lüsten zu folgen, war die gute Stadt Carlsruhe diese Nacht überant­wor­tet." Eine drama­ti­sche Schil­de­rung die Verständ­nis schaffen soll, warum die Bürgerwehr nach dem Einzug des Prinzen Wilhelm in die Stadt von den Siegern geachtet wurde und ihre Waffen behalten durfte, da sie als Ordnungs­ele­ment ein Chaos verhin­dert hatte.

Koelle, vom zurück­keh­ren­den Großherzog Leopold im August geehrt, wollte in seiner Beurtei­lung der Aufstän­di­schen diese aber nicht pauschal verur­tei­len, so sehr er auch deren Ziele verab­scheute. In einer Fülle von wirtschaft­li­chen und politi­schen Aktivi­tä­ten stieg er nachher zu hohen Würden auf, wurde u. a. Mitbe­grün­der der Badischen Bank die Ende der 70er Jahre die Muniti­ons­fa­brik, die späteren IWK finan­zierte. Handels­rich­ter, Präsident des badischen Handels­tags, portu­gie­si­scher Konsul, das waren nur einige seiner Würden.

Die Herausgabe des eindrucks­vol­len Textes durch Rainer Gutjahr ist vorbild­lich. Mit einer ausführ­li­chen Einleitung wird man in die Lage Karlsruhes in diesen Tagen 1849 eingeführt. Urheber­schaft, innere und äußere Merkmale der Quelle und die Editi­ons­prin­zi­pien werden erörtert, schließ­lich neben reich­li­chen Litera­tur­an­ga­ben in 150 Kurzbio­gra­phien die im Text erwähnten Personen aufge­lis­tet. Die farbigen Abbil­dun­gen veran­schau­li­chen diesen besonderen Sektor der revolu­tio­nären Situation, die eben nicht nur den Ruf nach Freiheit kannte, sondern auch manches Leid für Baden brachte.

Dr. Leonhard Müller (Forum für Stadt­ge­schichte und Kultur, Karlsruhe) 1999