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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Die mühsame Rekonstruktion der "Köln-Flocken"

Beim "Tag der offenen Tür" des Stadt­ar­chivs galt das Haupt­au­gen­merk dem zerstörten Kölner Stadt­ar­chiv

hgk. "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastro­phen" lautete das Motto für den "Tag der offenen Tür" am Samstag beim Stadt­ar­chiv. Anlass dafür war zum einen der bundesweit begangene "Tag der Archive". Zum anderen aber galt das Haupt­au­gen­merk dem Kölner Stadt­ar­chiv, das vor genau drei Jahren einstürzte; dieser aktuelle Bezug war sicher auch ein Grund für den großen Besuche­randrang am Samstag.

Ernst Otto Bräunche, der Leiter des Stadt­ar­chivs, beschrieb in seinem thema­ti­schen Beitrag noch einmal das Ausmaß der Schäden und den aktuellen Stand des Wieder­auf­baus. Da es sich in Köln um eines der größten deutschen Archive handelt, müssen geschätzte 25 Kilometer geborgene Akten, Urkunden und sonstige Quellen wieder herge­stellt werden. Der Grad der Beschä­di­gung ist unter­schied­lich, so Bräunche: "Am schlimms­ten ist natürlich die Rekon­struk­tion der zerfetzten Dokumente, für diese Reste haben die Kölner Kollegen mit rheini­schem Humor die Bezeich­nung 'Köln-Flocken' gefunden."

Diese Herku­les­ar­beit wird bundesweit unter­stützt. Die geretteten Bestände wurden in 25 "Asylar­chi­ve" im ganzen Land verteilt, zudem wurde ein 20köpfiger "Fach­bei­rat für den Wieder­auf­bau" gegründet, dem auch Bräunche angehört: "Wir versuchen, die Maßnahmen zu koordi­nie­ren und fachlich zu begleiten. Aber bis alles fertig ist, braucht man sehr viel Zeit und noch mehr Geld." Die derzeitige Finanz­schät­zung liegt bei 350 Millionen Euro. Dafür wurde eine Stiftung gegründet, aber auch kleine Beträge sind willkommen: Der Erlös des Bücher­ti­sches wird nach Köln gehen.

Auch die anderen thema­ti­schen Beiträge beschäf­tig­ten sich mit Schäden. So zeigte Lisa Hauser vom Stadt­ar­chiv, welche Gefahren durch Nässe drohen. Nun ist in Karlsruhe mit Hochwasser nicht zu rechnen, aber die Luftfeuch­tig­keit, eine defekte Wasser­lei­tung oder die notwen­di­gen Klima­ge­räte können wertvolle Dokumente beschä­di­gen, erläutert Lisa Hauser: "Das Papier quillt auf, die Farbe kann ausbluten und Schimmel droht." Da heißt es schnell zu reagieren: "Man muss das Objekt sofort einwickeln, einfrieren und dann gefrier­trock­nen, dann kann man die Schim­mel­bil­dung verhindern." Das diese Methode funktio­niert, demons­trierte die Referentin bei ihrer Archiv­füh­rung mit einigen "geret­te­ten" Werken.

Am Rande der Veran­stal­tung konnte Ernst Otto Bräunche noch eine frohe Botschaft verkünden. Dass sein Haus nicht bei den "Asylar­chi­ven" für Köln auftaucht, hat einen simplen Grund: Es ist überhaupt kein Platz mehr vorhanden. Dieser Zustand soll sich nun ändern. Das Dach des Gebäudes in der Markgra­fen­straße wird aufge­stockt, so dass dort die Büroräume Platz finden. Dafür ist dann im Haus Raum für einen zusätz­li­chen Magazin­raum. Und damit es wirklich keine Nässe gibt, werden Wasser­mel­der instal­liert und alle Klima­ge­räte, die zum Teil 20 Jahre alt sind, ausge­tauscht.

Badische Neueste Nachrich­ten vom 5. März 2012

 

NÄSSE kann wertvolle Dokumente beschädigen. Wie man sie davor bewahren kann, zeigt Lisa Hauser vom Karlsruher Stadtarchiv bei einer Führung durch die Magazine. Foto: jodo

NÄSSE kann wertvolle Dokumente beschädigen. Wie man sie davor bewahren kann, zeigt Lisa Hauser vom Karlsruher Stadtarchiv bei einer Führung durch die Magazine. Foto: jodo