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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Archiv stemmt sich gegen Zerfall

BIS ENDE JULI sind im Pfinzgaumuseum einige der alten Amtsbücher ausgestellt, die hier Archivleiter Dr. Ernst Otto Bräunche und die verantwortliche Archivarin Angelika Herkert präsentieren. Foto: MMG

BIS ENDE JULI sind im Pfinzgaumuseum einige der alten Amtsbücher ausgestellt, die hier Archivleiter Dr. Ernst Otto Bräunche und die verantwortliche Archivarin Angelika Herkert präsentieren. Foto: MMG


 

Restau­rie­rung von Durlacher Amtsbü­chern / 75 Prozent des Ge­samt­be­stands gefährdet

"Wir tun das Möglichste, um unsere alten Bestände zu sichern." Mitte Juni rückten der Leiter des Stadt­ar­chivs, Ernst Otto ­Bräun­che, und Archivarin Angelika Herkert nach den Akten der Haupt­re­gis­tra­tur und des Baus die Durlacher Amtsbücher in den Fokus. 1584 dieser seit dem Jahr 1509 geführten Aufzeich­nun­gen ­gibt es noch. Relativ komplett, gehören sie zum ältes­ten ­Be­stand.

Doku­men­tiert sind hier etwa Ratspro­to­kolle und -beschlüsse, Verträge, Grund­stücks­über­tra­gun­gen oder Grund­buch­se­rien. Aus hand­ge­schöpf­tem, dem Hadern­pa­pier, sind sie zwar nicht wie säu­re­hal­ti­ges Papier vom Zerfall bedroht, weisen aber teilwei­se ­starke Benut­zungs­spu­ren oder Schimmel auf den Seiten auf, außerdem sind Einbände beschädigt.

Von der bundes­wei­ten Koordi­nie­rungs­stelle für die Erhaltung des schrift­li­chen Kulturguts, die 2016 Projekte unter dem Motto "Erste Wahl" förderte, erhielt die Stadt nun 8200 Euro, die glei­che Summe steuert sie selbst dazu. Das reicht für rund 20 Bände, denn hier handelt es sich um "teure Handarbeit. Vieles er­le­digt eine städtische Restau­ra­to­rin, aber größere Aufträge, die sie nicht schafft, geben wir an externe Anbieter, von denen es vier bis fünf gibt", klärte Bräunche auf.

Von den Amtsbü­chern sind noch 200 weitere gefährdet. Für all seine Schätze hofft der Archiv­lei­ter auf weite­re ­Bun­des­för­de­run­gen, kann aber auch auf eigene Haushalts­mit­tel ­zu­rück­grei­fen. So verfügt das Archiv nach kleinen Anfängen 2003 in­zwi­schen über Haushalt­stöpfe von jeweils 100000 Euro für Re­stau­rie­rung und Digita­li­sie­rung. Die sind bitter notwendig, denn es gilt derzeit stadtweit 5,5 Kilometer weitere Amtsbücher, Urkunden, Akten, Rechnungen und digitale Unterlagen in Schuss zu halten.

Da Karlsruhe erst 1715 gegründet wurde und nach 1830 ­li­gnin­hal­ti­ges, "saures" Papier verwandt wurde, sind 75 Prozent ­der schrift­li­chen Überlie­fe­rung der Fächer­stadt, allen voran ­Zei­tungs­pa­piere von der Zersetzung bedroht. Probleme machen auch ­elek­tro­ni­sche Hinter­las­sen­schaf­ten. Frühe Compu­ter­aus­drucke ­ver­blas­sen schnell, zudem sind Daten wegen des Tech­no­lo­gie­wech­sels oft nicht mehr lesbar. Mit bereits mehr als zwei Millionen Digita­li­sa­ten liegt Karlsruhe bundesweit in der Spit­zen­gruppe. -cal-

Badische Neueste Nachrich­ten | DER KURIER - Karlsruhe | Stadt­Zei­tung | 23.6.2017