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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Badische Neueste Nachrichten vom 21.6.2019

Experte mit Elefantengedächtnis

Premiere des BNN-Morgen­ge­sprächs: Stadt­ar­chi­var Bräun­che ­er­klärt Hochs und Tiefs der Spuren­su­che

IM PLAUDERTON erklärt Stadtarchivar Ernst Otto Bräunche (rechts, mit Redaktionsleiter Theo Westermann) den Zuhörern, wie er Karlsruhes Gedächtnis professionell füttert.

IM PLAUDERTON erklärt Stadtarchivar Ernst Otto Bräunche (rechts, mit Redaktionsleiter Theo Westermann) den Zuhörern, wie er Karlsruhes Gedächtnis professionell füttert.



DER GREIF pausiert nur im Grün am Prinz-Max-Palais. Als Zeitzeuge sei er auf dem Europaplatz unverzichtbar, betont der Stadthistoriker Bräunche. Fotos: Sandbiller

DER GREIF pausiert nur im Grün am Prinz-Max-Palais. Als Zeitzeuge sei er auf dem Europaplatz unverzichtbar, betont der Stadthistoriker Bräunche. Fotos: Sandbiller


 

Von unserem Redak­ti­ons­mit­glied Kirsten Etzold
Mitten in der Stadt bewegt sich Ernst Otto Bräunche, wenn er pro­fes­sio­nell Spuren der Vergan­gen­heit sichert und mit der Ge­gen­wart verknüpft. Karlsruhes Stadt­ar­chi­var hat dazu das E­le­fan­ten­ge­dächt­nis, die fachliche Kompetenz, ein quali­fi­zier­tes Team und mit 34 Jahren Tätigkeit im städti­schen Auftrag auch die Er­fah­rung. Im Herzen der Stadt hatte am Mittwoch­mor­gen auch die Ver­an­stal­tungs­reihe "Auf einen Kaffee" der BNN-Stadt­re­dak­tion Pre­miere. Auge in Auge mit den Zuhörern, moderiert vom Re­dak­ti­ons­lei­ter Theo Westermann, skizziert Bräunche als Hüter und Sachwalter der Stadt­ge­schichte die Aufgaben in Karlsruhe. Die gehen weit darüber hinaus, jährlich 100 Regalmeter mit be­deu­ten­den Akten zu füllen.
"Wo könnte sich ein Historiker wohler fühlen als in einer his­to­ri­schen Stadt?", fragt Bräunche. Auch die gelbe Lampe in der Lammstraße vor den Fenstern der neuen Lokal­re­dak­tion ­mar­kiere eine wichtige Stätte von politi­scher Bedeutung für den de­mo­kra­ti­schen Neuanfang nach 1945. Deutliche Zeichen im Stadt­bild schätzt der Stadt­ar­chi­var ohnehin. Der Greif müsse, so Bräun­che, aus seinem Zwischen­quar­tier im Garten des Prinz-Max-Palais unbedingt wieder auf dem Europa­platz landen und dort das Leibgre­na­dier­denk­mal am tradi­tio­nel­len Standort krönen. Im Plauderton erklärt der fachkun­dige Gesprächs­part­ner den Grund­satz, auf Dauer eine "Ausein­an­der­set­zung vor Ort" durch­ ­kom­men­tie­rende Beschil­de­rung zu ermög­li­chen.
Wie der unwie­der­bring­li­che Verlust des Stände­hau­ses schmerzt, die Instal­la­tion des Stadt­ar­chivs in der ehemaligen Pfand­lei­he in der Markgra­fen­straße hingegen das Herz des Histo­ri­ker­s er­freut, verhehlt Bräunche ebenso wenig wie seinen Her­zens­wunsch: Das Stadt­mu­seum möchte er aufsteigen sehen auf das Niveau vergleich­ba­rer Städte. Das kommunale Archiv hinge­gen ­spiele bereits in der Ersten Liga, verrät er. "Dass wir früh ­Mit­tel aus dem Gemein­de­rat bekamen, hat uns inzwischen eine ­füh­rende Position unter den Kommu­nal­ar­chi­ven ermög­licht", erklärt der Mann, der als Mitglied einer Exper­ten­runde auch die Bun­des­re­gie­rung in Berlin zu archi­va­li­schen Angele­gen­hei­ten ­berät. Zur Bestand­ser­hal­tung in Karlsruhe kam vom Bund schon er­heb­li­cher Zuschuss: Auf die Inves­ti­tion der Stadt von 50 000 Euro legte das Minis­te­rium nochmals dieselbe Summe drauf.
Dass im Stadt­ar­chiv auch private Schätze gut aufgehoben sind, spreche sich allmählich herum, beobachtet Bräunche. "Weiter­sa­gen ist wichtig", weiß der Fachmann. Gemeinsam mit den BNN sammeln er und die weiteren rund 15 städti­schen Historiker aktuell ­Mo­tive ein, die Karlsruhe zur Zeit der Weimarer Republi­k ab­bil­den. Eine anspruchs­volle Aufgabe: "Das Foto zu nutzen, setzt ja in der Zeit erst ein." Recht gut belegt sei ledig­lich das Schwimmbad Rappenwört, das in jener Zeit entstand.
Die Fortset­zung der Reihe von Bildbänden mit Karlsruher Motiven ­des langjäh­ri­gen BNN-Fotografen Horst Schlesiger vermisst ein Zu­hö­rer des Morgen­ge­sprächs. "Nur ausnahms­weise veröf­fent­li­chen wir Bildbände", erklärt der Leiter des Stadt­ar­chivs, bei den Schle­si­ger-Bänden war sein Haus nicht im Spiel. Digital hinge­gen ­mischt es mit: Auf unbegrenzte Zeit sichert es Daten jegli­cher Her­kunft bereits seit 2017.