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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Kampf gegen Säure und Schimmel

SCHRIFTLICHES KULTURGUT: Eines von 20 restaurierten Durlacher Amtsbüchern präsentierten im Pfinzgaumuseum Ernst Otto Bräunche und Angelika Herkert vom Stadtarchiv. Foto: Müller

SCHRIFTLICHES KULTURGUT: Eines von 20 restaurierten Durlacher Amtsbüchern präsentierten im Pfinzgaumuseum Ernst Otto Bräunche und Angelika Herkert vom Stadtarchiv. Foto: Müller


 

Pfinz­gau­museum zeigt restau­rierte Amtsbücher / Das "­städ­ti­sche Langzeit­ge­dächt­nis" ist bedroht

Von unserem Mitar­bei­ter Klaus Müller

Die Protokolle, Schrift­stücke und Urkunden, die einzeln und zu­meist akribisch genau handschrift­lich auf den Papie­ren ­fest­ge­hal­ten sind, mögen für sich alleine genommen eher all­täg­lich und eigentlich nichts Besonderes sein. In der Summe frei­lich bilden sie mit die Geschichte einer Stadt ab. Von einem "­kul­tu­rel­len Erbe" spricht in diesem Zusam­men­hang Ernst Otto ­Bräun­che, Leiter des Karlsruher Stadt­ar­chivs: Ein kultu­rel­les Erbe, ein schrift­lich nieder­ge­leg­tes Gedächtnis, das einem schlei­chen­den Zerfallspro­zess ausge­lie­fert ist - sodann man nicht recht­zei­tig dagegen etwas unternimmt.
Wie aufwendig und kosten­in­ten­siv solche Erhal­tungs­auf­ga­ben sind, lässt sich noch bis Ende Juli im Pfinz­gau­museum ansatz­wei­se nach­voll­zie­hen. Dort sind vier der 20 restau­rier­ten Durla­cher Amts­bü­cher ausge­stellt. Ihnen drohte nach Auskunft von Angeli­ka Her­kert, im Stadt­ar­chiv zuständig für die Restau­rie­rung von Bü­chern und Schrift­stücken, der Zerfall. Finanziell gesehen ­maß­geb­lich beteiligt an der Restau­ra­tion der Durla­cher Amts­bü­cher war die bundesweit tätige "Koor­di­nie­rungs­stelle für die Erhaltung des schrift­li­chen Kultur­gu­tes" (KEK). Zum wie­der­hol­ten Mal - und das mit Erfolg - beteiligte sich das Stadt­ar­chiv am KEK-Förder­pro­gramm. 2016 stand das Programm (es gilt die Kofinan­zie­rung 50 Prozent Förder­mit­tel / 50 Prozent Ei­gen­be­tei­li­gung), unter dem Motto "Erste Wahl". "Für uns waren die am stärksten beschä­dig­ten Amtsbücher von Durlach - ein ganz wert­vol­ler Bestand - eben die Erste Wahl", berichten Bräun­che und Herkert. 8 200 Euro gab es von der KEK für die Re­stau­rie­rung. Besonders gefährdet sind übrigens (Amts-)Bücher und Schriften auf Papier, das in Massen­pro­duk­tion herge­stell­t wurde. Das bezieht sich laut dem Stadt­ar­chi­var auf die Zeit ab 1830/40. Säure und Schimmel, Alltags­ge­brauch, zuviel Licht und zuviel Feuch­tig­keit setzen den Papieren über die Jahre zu, bis sie irgendwann zerfallen oder einfach nicht mehr lesbar ­sind.
Nebenbei: Etwas unpro­ble­ma­ti­scher und wider­stands­fä­hi­ger, sofern da­mit richtig umgegangen wird, erweist sich handge­schöpf­tes ­Pa­pier. Auch davon künden die Durlacher Amtsbücher, die ihren his­to­risch auswert­ba­ren Anfang um 1530 nahmen. 1 500 dieser Amts­bü­cher gibt es. Das gesamte Karlsruher Stadt­ar­chiv hat nach Aus­kunft von Bräunche eine Länge (so die Maßeinheit der Ar­chi­va­re) von 5,5 Kilometern. Etwa drei Viertel des Bestan­des­ ­sei bedroht, was bedeutet: Schritt um Schritt muss etwas dagegen un­ter­nom­men werden, sonst löst sich die schrift­li­che ­Ver­gan­gen­heit, das städtische Langzeit­ge­dächt­nis, langsam aber ­si­cher auf.
Im Vergleich zu anderen Städten werde in Karlsruhe viel für den Erhalt des Archivs getan, so Bräunche. Jeweils 100 000 Euro in­ves­tiere die Stadt jährlich in die Digita­li­sie­rung und Re­stau­rie­rung ihres Archiv­be­stan­des. Zudem hofft Archiv­che­f ­Bräun­che auf weitere KEK-Förder­mit­tel. Die Chancen stünden gut.

Badische Neueste Nachrich­ten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 16.06.2017

 
 

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