Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt.

Karlsruhe: Stadtgeschichte

Wenn Bauakten langsam zerbröseln

Stadt­ar­chiv auf Rettungs­mis­sion: Histo­ri­sche Dokumente müssen aufwendig restau­riert werden

Von unserem Redak­ti­ons­mit­glied Theo Westermann

Das Karlsruher Stadt­ar­chiv hütet viele Schätze - einer davon droht zu vergammeln. Gemeint sind histo­ri­sche Bauakten, von denen das Stadt­ar­chiv in der Markgra­fen­straße rund 190 laufende Meter Akten verfügt. Das sind etwa 16 000 Einzelak­ten. Da die histo­ri­schen Bauakten seit Mitte der 1860er Jahre in Karlsruhe nahezu komplett erhalten sind, hat die Stadt eine exzel­len­te Quellen­grund­lage für alle möglichen Frage­stel­lun­gen aus Archi­tek­tur, Geschichte oder Stadt­ent­wick­lung. Diese Akten sind allerdings stark in ihrem Bestand gefährdet. Sie sind verschmutzt durch einstmals häufigen Gebrauch oder zeigen Risse. Besonders der hohe Säure­ge­halt im Papier beein­träch­tigt die Pläne und Akten, die praktisch zerbröseln. Teilweise können die Akten schon nicht mehr benutzt werden. "Fast der ganze Bestand ist gefährdet durch Säure­be­fall," resümiert Patrick Sturm.

Ihr Verlust wäre fatal, denn an einer alten Bauakte kann man etwa die Entste­hungs­ge­schichte eines Gebäudes verfolgen. "Wie war beispiels­weise der Zustand eines Hauses 1910, wie wurde es 1930 umgebaut", so Sturm. Der Historiker und wissen­schaft­li­che Archivar ist seit dem vergan­ge­nen Jahr zusammen mit einem Kollegen für den Erhalt der histo­ri­schen Bauakten zuständig. Denn das Stadt­ar­chiv hat 2014 gemeinsam mit dem Bauord­nungs­amt ein Projekt zur Rettung der histo­ri­schen Bauakten gestartet. Was bisher bereits vereinzelt getan wurde, soll nun im größeren Maßstab geschehen. Hinzu kam noch eine Anschub­fi­nan­zie­rung der Koordi­nie­rungs­stelle für den Erhalt schrift­li­chen Kulturguts Berlin. Die Bauakten sollen erhalten werden - und zwar jene im Stadt­ar­chiv wie jene im Bauord­nungs­amt, wenn sie stadt­his­to­risch bedeutsam sind. Im Stadt­ar­chiv befinden sich im Prinzip die histo­ri­schen Akten von Gebäuden, die nicht mehr existieren. Außerdem kamen im vergan­ge­nen Jahr Akten von Gebäuden vor 1945 vom Bauord­nungs­amt in Stadt­ar­chiv. Geplant ist auch, die histo­ri­schen Bauakten Zug um Zug zu digita­li­sie­ren, um künftig eine Benutzung ohne Folge­schä­den sichern zu können. Gleich­zei­tig werden damit digitale Recherchen ermöglicht - ein Prinzip, das das Stadt­ar­chiv auch in seinen anderen Arbeits­be­rei­chen verfolgt. 2014 wurden bereits 600 Pläne teils aufwendig restau­riert. Die Zahl soll in diesem Jahr deutlich erhöht werden. Die Mitar­bei­ter des Archivs legen nach Möglich­keit auch selbst Hand an. "Einige Sachen können wir selber beheben", berichtet Patrick Sturm. In der städti­schen Buchbin­de­rei gibt es zudem eine fachkun­dige Mitar­bei­te­rin, die bei der Restau­ra­tion kompetent mithilft. Viele Akten und Pläne müssen zur Konser­vie­rung und Restau­rie­rung aller­dings an Fachbe­triebe nach außen vergeben werden. Im Stadt­ar­chiv setzt man dafür einen Durch­schnitt­be­trag von rund 50 Euro pro Plan an. Je länger aber der Erhalt aufge­scho­ben wird, desto teurer und aufwen­di­ger wird die Arbeit. Weil der entspre­chende Etat aller­dings begrenzt ist, sucht man beim Stadt­ar­chiv Sponsoren. Inter­es­sierte Bürger, Insti­tu­tio­nen oder Unter­neh­men können die Paten­schaft für eine Bauakte oder einen Bauplan übernehmen und tragen somit zum Erhalt bei. Das Paten­schaftspro­jekt wird in Koope­ra­tion mit dem Förder­ver­ein Stadt­ge­schichte betrieben.

Badische Neueste Nachrich­ten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 13.01.2016

 

FÜR DEN ERHALT der vom Verfall bedrohten Bauakten sind beim Stadtarchiv Patrick Sturm (links) und Eric Wychlacz zuständig. Fotos: jodo

FÜR DEN ERHALT der vom Verfall bedrohten Bauakten sind beim Stadtarchiv Patrick Sturm (links) und Eric Wychlacz zuständig. Fotos: jodo



RUND 190 laufende Meter Bauakten verwaltet das Stadtarchiv.

RUND 190 laufende Meter Bauakten verwaltet das Stadtarchiv.