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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats Juli bis September 2013

"Buffalo Bill's Wild West-Journal" - Buffalo Bill in Karlsruhe

William Frederick Cody, genannt Buffalo Bill, hatte mit seiner Show "Buffalo Bill's Wild West" seit der ersten Aufführung 1883 schon viele Erfolge in den USA und Europa gefeiert, als er auf seiner zweiten Europa-Tournee am 23. April 1891 in einem langen Sonderzug von Straßburg kommend auch in Karlsruhe Station machte. Ein Tross von 200 Indianern, Cowboys, Scharf­schüt­zen und Reitern ließ sich auf der Festwiese an der Durlacher Allee nieder, die Tiere kamen in Stallungen des angren­zen­den Schlacht­hau­ses oder in eigens aufge­bau­ten Verschlä­gen unter. Soldaten halfen bei der Errichtung der Zelte, der Arena und der Zuschau­er­tri­bü­nen.

Anschlag­zet­tel und Anzeigen in den Karlsruher Zeitungen rührten in den Tagen zuvor die Werbe­trom­mel für die Show. Das Herzstück der Reklame war aber ein eigens dafür gedrucktes großfor­ma­ti­ges, viersei­ti­ges "Journal" mit einer Auflage von 25.000 Exemplaren. Es beschreibt zunächst den geogra­phi­schen und histo­ri­schen Hinter­grund der Wild West-Show, den "400jäh­ri­gen Krieg zwischen den Rothäuten und den Weißen" und "den Erfolg der Civili­sa­tion auf dem großen Kontinent" und widmet sich dann ausführ­lich der teils recht legen­den­haft aufbe­rei­te­ten Biographie William Codys als Wagon Master, Depeschen-Kurier, Bisonjäger oder Scout in den India­ner­krie­gen. Dazwischen finden sich Lobes­hym­nen auf Codys Heldenmut und Beschei­den­heit, auslän­di­sche
Presse­be­richte über die Vorstel­lun­gen und Zeich­nun­gen mit Szenen aus der Show.

Diese war ein durch­schla­gen­der Erfolg. Zu sehen bekamen die Leute Bison­jag­den, Postkut­schen­über­fälle, India­ner­kämpfe, Schüt­zen­kunst­stücke, Cowboys auf bockenden Pferden, Wettrennen, Lasso­wer­fen, India­ner­tänze und als großes Finale den Kampf zwischen Indianern und Cowboys um ein Siedler-Blockhaus.

Zu Tausenden strömten Menschen aus Karlsruhe und Umgebung in die Vorstel­lun­gen, die Dampf- und Pferde­bah­nen machten Extrafahr­ten. Und auch die Presse berich­te­te höchst angetan von der "wild-roman­ti­schen Schönheit" der Veran­stal­tung, wobei man natürlich vor allem faszi­niert war von der Fremd­ar­tig­keit der teilneh­men­den Sioux-Indianer mit ihren buntfar­bi­gen Trachten und bemalten Gesichtern. Betont wird die Authen­ti­zi­tät und "über­zeu­gende Natür­lich­keit" der Show, die im Gegensatz zu einem Zirkus ein getreues Bild des Lebens in den Prärien Amerikas biete. Tatsäch­lich hat Buffalo Bill aber mit seiner romanhaft verklärten Version vom "Wilden Westen" die Grundlage für einen langle­bi­gen Mythos geschaffen.

Ariane Rahm

 

Erläu­te­run­gen zum Objekt des Monats

Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes Exponat vorge­stellt.

Dieses Objekt wird im jeweiligen Haus präsen­tiert und kann vor Ort angeschaut werden.

StadtAK 7/Nl 2/Vd 142,1

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StadtAK 7/Nl 2/Vd 142,2

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