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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Ausgestellt und Vorgestellt - Blick ins Archiv

Banner Ausgestellt und Vorgestellt


Wie war das Leben in Karlsruhe vor 100 Jahren? Wie sah die Stadt­ da­mals aus? Woher wissen wir das eigentlich und wie findet ­Ge­schichte ihren Weg ins Stadt­ar­chi­v?

Ein näheres Hinschauen lohnt sich und gibt Antworten auf diese und viele weitere Fragen. Das Stadt­ar­chiv Karlsruhe zeigt an dieser Stelle sonst in den Magazinen verborgene Schätze, gibt Ein­bli­cke hinter die Kulissen der einzelnen Aufga­ben­be­rei­che o­der präsen­tiert Dokumente, Fotogra­fien und Objekte im Rahmen der wechseln­den Foyeraus­stel­lun­gen.

 

Das störende "Telefong" – Vom Alltag einer Karlsruher Buchhalterin

Tiefe Einblicke in das persön­li­che Leben von Karls­ru­her ­Bür­ge­rin­nen und Bürgern geben Dokumente der Stadt­ge­schicht­li­chen ­Samm­lung des Stadt­ar­chivs Karlsruhe. Im Jahr 2019 gelangte das Ta­ge­buch von Anna Sauer (1895-1976), einer Buchhal­te­rin beim tra­di­ti­ons­rei­chen Haushalts- und Eisen­wa­ren­ge­schäft "Hammer & Helbling", als Schenkung in die Bestände des Archivs. Hieraus las­sen sich die Sorgen und Nöte zur Zeit des 1. Weltkriegs, aber auch der damalige Zeitgeist ablesen.

Zwei Monate lang, vom 8. August 1917 bis 8. Oktober 1917, führte die 22-jährige Buchhal­te­rin Anna Sauer ein persön­li­ches Tagebuch ­über ihre Erlebnisse und Erfah­run­gen bei der Firma "Hammer & Helbling", damals noch ansässig in der Kaiser­straße 157. Gerade auch vor dem Hinter­grund der allge­gen­wär­ti­gen Knappheit von Roh­stof­fen während des Krieges mahnt sie zu sparsamem Umgang mit Res­sour­cen und akkuratem Arbeiten: "Das hätten Sie auch auf eine Seite kopieren können; man muß sparen eben, wo man kann. Papier wird teuer und rar." Und weiter: "Wenn es sich um Geldbe­trä­ge han­delt, muß alles korrekt sein." Als Buchhal­te­rin weiß sie nur zu gut: "Der Kaufmann muß immer denken über alles, was er macht, sonst wird man kein rechter Kaufmann." Die Ernäh­rungs­si­tua­tion im Jahr 1917 kommen­tiert sie mit Ironie. "Ja wissen Sie, das Magern schadet nichts. Vor 200 Jahren war einmal eine große Hun­gers­not. Im Essen muß man immer denken, was man ißt. Nicht zu wenig und nicht zuviel." Außerdem seien die Er­näh­rungs­ver­hält­nisse günstig und vegeta­ri­sche Kost gesünder. "Das ist festge­stellt von vielen ärztlichen Autori­tä­ten."

An anderer Stelle beklagt sich Anna Sauer über den Einzug "neuer ­Me­dien" im Büroalltag, die auch sicherlich heute noch von dem ein oder anderen in einem Großraum­büro als störend empfun­den wer­den: "Wissen Sie, was früher gemütlich war? Daß es keinen Te­le­fong gegeben hat. Ich tät den Telefong rausschmei­ßen. Das ist ja ekelhaft mit der Telefo­nie­re­rei den ganzen Tag. Das kann man nicht haben. Da gehört ein extra Zimmer dazu, fortwäh­ren­d ­die Störung mit dem Telefong." Anstoß nimmt sie auch an dem Vor­läu­fer unserer heutigen Computer: "Mit den Schreib­ma­schi­nen, das ist auch ein Unfug. Die Zahlen sind oft so schlecht. Ein Unfug mit den Schreib­ma­schi­nen, die sollen doch die Rechnun­gen so schreiben. Das ist aber schon miserabel mit den Schreib­ma­schi­nen, das ist doch keine Art das."

In den Sammlungen des Stadt­ar­chivs finden sich viele weite­re Un­ter­la­gen zur Geschichte der Firma "Hammer & Helbling" wie Chro­ni­ken, Fotogra­fien oder ein Schulheft von Bärbl Neumann, einer Auszu­bil­den­den zur Verkäu­fe­rin.

Angelika Sauer