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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats im Stadtarchiv

"Des Narren-Spiegels zweite Doppel­num­mer, oder Nr. 3 und 4"

1835 wurde in Karlsruhe die "Gesell­schaft Eintracht" gegründet, welche 1841 den ersten Fastnacht­sum­zug organi­sierte. Der erste rich­tige Fastnachts­ver­ein entstand jedoch erst 1843 unter dem Namen "Narren­ver­ein von Pfannenstiel­hau­sen". Der Verein, welcher u. a. aus Handwer­kern, Kaufleuten, Beamten, Literaten und Künst­lern bestand, nutzte die Bezeich­nung "Pfan­nenstiel­hau­sen" ­für die Gesamt­stadt Karlsruhe, obwohl sie ursprüng­lich die Form der Tagelöh­ner­sied­lung "Dörfle" beschrieb, die südöstlich der K­ern­stadt lag. Schon zu dieser Zeit war die Fastnacht mit ihrem ­Ver­eins­we­sen und den daraus hervor­ge­gan­gen Schriften ein Mittel zur Äußerung gesell­schafts­po­li­ti­scher Kritik, auch gegenüber den O­b­rig­kei­ten. Sie ist so Ausdruck des wachsen­den ­Selbst­be­wusst­seins des sich emanzi­pie­ren­den Bürgertums.

Aus der Vereins­grün­dung gingen verschie­dene Fastnacht­schrif­ten her­vor. Die Zeitung "Narren­spie­gel" wurde zum ersten Mal 1843 her­aus­ge­ge­ben und sollte, wie der Name schon sagt, der Ge­sell­schaft einen Spiegel vorhalten. Das Stadt­ar­chiv verfüg­t ­über die jeweils in den Monaten Januar und Februar in mehre­ren ­Num­mern heraus­ge­ge­be­nen Ausgaben des Narren­spie­gels. 1843 und 1844 bildete er sogar eine Beilage des Karlsruher Tagblatts. Der Nar­ren­spie­gel ist eine relevante Quelle für die Erfor­schung der An­fangs­zeit der Karlsruher Fastnacht.

Die Karikatur "Jetzt komm Ich!" auf dem Titelblatt der 3. und 4. Ausgabe der Fastnachts­zei­tung "Narren­spie­gel" von 1845 steht für deren gesell­schafts­kri­ti­schen, energi­schen, humoris­ti­schen und sar­kas­ti­schen Charakter. Die närrischen Angriffe in der Zeitung rich­te­ten sich vor allem gegen das "Spieß­bür­ger­tum", kaum ­ver­wun­der­lich in der durch die Behörden und deren Beamten ­ge­präg­ten Residenz­stadt Karlsruhe. Immer mit einem Schuss Humor, aber doch mit unver­hoh­le­ner Gesell­schafts­kri­tik, gab er die Pro­to­kolle der Narren­sit­zun­gen wieder, nahm die klassi­schen ­Be­stand­teile einer Zeitung aufs Korn, veröf­fent­lichte die Pro­gramme der Umzüge und zitierte aus einzelnen Bütten­re­den. In Form von Karika­tu­ren, Gedichten und Liedern brachten die Schrei­ber und Zeichner, zu denen u. a. Guido Schreiber und Lucian Reich gehörten, ihren Spott zum Ausdruck.

Nachdem sich die wohlge­sinnte Stimmung des Hofes, welcher ­zu­nächst die Fastnachts­fei­er­lich­kei­ten begrüßt hatte, jedoch e­her ins Gegenteil verkehrte und es zudem im Verein innere Strei­tig­kei­ten gab, fand 1845 der letzte Fastnacht­sum­zug in Karls­ruhe vor der Badischen Revolution statt. Die Fast­nachts­zei­tun­gen wurden dennoch fortge­führt, wenn auch ­po­li­tisch harmloser, da man der Zensur entgehen wollte. Der Nar­ren­spie­gel wurde in den Krisen­jah­ren 1846 und 1847 nicht ­ver­öf­fent­licht. Anfang 1849 erschienen nochmals einige Nummern ­des Narren­spie­gels, die auf vielfäl­tige Weise die unruhi­ge ­po­li­ti­sche Situation aufgriffen. Die letzte, im Stadt­ar­chi­v ­be­find­li­che Ausgabe, erschien am 20. Februar 1849.

Vera Breit­haupt

 

Erläu­te­run­gen zum Objekt des Monats

Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes Exponat vorge­stellt.

Dieses Objekt wird im jeweiligen Haus präsen­tiert und kann vor Ort angeschaut werden.

 

Stadtarchiv Karlsruhe 8/StS 2/7_3

Stadtarchiv Karlsruhe 8/StS 2/7_3

Die Ausgabe ist digital im Lesesaal des Stadt­ar­chivs einsehbar.


Die komplette Ausgabe ist digital im Lesesaal des Stadt­ar­chivs ein­seh­bar.

 





Exponate, die bisher vorge­stellt wurden:

„Des Narren-Spiegels zweite Doppelnummer, oder Nr. 3 und 4“

Kriegs­er­leb­nisse eines Vizefeld­we­bels im Deutsch - Franzö­si­schen Krieg 1870 - 1871

"Mehr Sein als Schein" - Überreste von Handschrif­ten als Ein­bände von Verwal­tungs­schrift­gut

Ein Elefant kommt geflogen …

Das Sonnenbad - ein neues Bad für Karlsruhe

Deutsch-japani­sche Völker­ver­stän­di­gung

Briefe der franzö­si­schen Ballon­fah­­rer Eugène Godard und Eugène Poitevin

Brief des Hofkapellmeisters Fritz Cortolezis an den Chefredakteur der Badischen Presse Albert Herzog

Das Kochbuch der Klara Kachel

Heimatkunde in der 3. Klasse

Korban Netanel: Das erste in Karlsruhe gedruckte hebräische Buch

"Buffalo Bill's Wild West-Journal" - Buffalo Bill in Karlsruhe

Die Kicker des Badischen Staatstheaters Karlsruhe

Album des Scheffeltisches im "Rodensteiner"

Das Vereinsarchiv des 1. Mandolinenorchesters Edelweiß 1922 Durlach

Narben als Zierde - Das Corps Saxonia und das Fechten

Klassen­ta­­ge­­buch der Klasse VIII, 13 aus der Volks­­­schule Beiertheim

Vom Erfinder des Laufrades

Ansichts­­kar­ten­­sam­m­­lung der Familie Schwein­­furth

Schuhmann & Sohn. Eine Fotografen-Dynastie in Karlsruhe

Der KSC im Karlsruher Sportarchiv

Die letzte Ruhestätte des Karls­ru­her Stadt­grün­ders

Taschenkalender der Firma Wolff & Sohn

Die Personenstandsbücher

Freundschaftsalbum von Friedrich Weinbrenner

Jugendstil im Stadtarchiv

Fotopostkarte der Schweizer Malerin und Grafikerin Bertha Züricher

Glasplatten des Fotoateliers Schmeiser

Arrangierbuch von Herrn Ballettmeister und Hoftanzlehrer Uetz

Kalenderblatt aus dem Archiv des C. F. Müller-Verlags

Lithographie "Maschinenlandschaft" von Wilhelm Schnarrenberger

Glückwunsch- und Ergebenheitsadresse an Dr. Robert Sinner

Gruppenbild des Lehrerinnenseminars, 1911

Karlsruher Briganten

Historische Aufnahmen der 1907 eingemeindeten Vororte

Poesiealbum der Schülerin Erna

80. Geburtstag Friedrich I. und Goldene Hochzeit des Großherzogpaares sowie Silberhochzeit des schwedischen Kronprinzenpaares vor 100 Jahren

Die Hagsfelder Kirchweih 1871

Ansichtskarte aus der Plan- und Bildersammlung des Stadtarchivs

Die Tagebücher der Anna Hunkele im Stadtarchiv Karlsruhe

Historischer Stadtplan aus dem Bestand der Plan- und Bildersammlung

Berichte über die Karlsruher Straßenbahn

Vereinsschrift "Turnseppel" des MTV Karlsruhe aus dem Jahr 1929

Ehrenadresse der Stadt Durlach vom 19. März 1897 für Ratsschreiber Karl Siegrist