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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Südweststadt

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Der Stadtgarten

Die Anfänge des Stadt­gar­tens reichen bis in das 18.Jahrhun­dert zurück. In der 2.Hälfte des 18. Jahrhun­derts entstand die Natur­be­we­gung und die Bürger der Stadt entdeckten das Spazie­ren­ge­hen an den Sonn- und Feiertagen. Da ihnen der Zutritt in die herrschaft­li­chen Gärten und nördlichen Wälder verwehrt war, suchten sie nach Möglich­kei­ten im Süden. In einer Waldlich­tung zwischen "Hardt­win­kel- und Auacker­wald" lag ein kleiner Tümpel, das "Saubad", das ab 1799 einer der ersten Ausflugs­ziele der Karlsruher Bürger war. 1815 wurde die Lustanlage am Weiher und der nördlich angren­zende Wald in "Sallen­wäld­chen" umbenannt und 1823 von dem großher­zog­li­chen Garten­in­spek­tor Hartweg als Landschaftspark angelegt. Einzelne Waldpar­ti­en wurden gerodet, Lichtungen und Wege angelegt und Bänke aufge­stellt. Das "Saubad" wurde mit neuen Uferformen und einer Insel umgestal­tet, vergrößert und in "Ludwig­see" umbenannt. 1840 wurde im Sallen­wäld­chen ein Turnplatz für das Lyceum gebaut, um dort den Turnun­ter­richt abzuhalten. Ab 1856 hat der Karlsruher Turnverein diesen Platz ebenfalls genutzt.

In den 1860er Jahren erlebte Karlsruhe einen wirtschaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Aufschwung. Es entstanden viele Vereine - so auch der "Badische Verein für Geflü­gel­zucht".1865 pachtete der Verein eine über 10 Morgen große Fläche rund um den Ludwigsee zur Errichtung eines Tiergar­tens. Während die Umgestal­tung des "Sallen­wäld­chens" zu einem "Engli­schen Landschaftspark" vom großher­zog­li­chen Staat getragen wurde, entstand der Tiergarten aus bürger­li­cher Initiative auf Kosten privater Geldgeber und der Stadt. Der eintritts­pflich­tige Tiergarten war eine gemein­nüt­zige Insti­tu­tion zur Unter­hal­tung und Bildung wie sie damals nur wenige deutsche Städte hatten.

Das Sallen­wäld­chen außerhalb des Tiergar­tens wurde 1871 direkt nach Ende des Deutsch-franzö­si­schen Krieges von der Stadt gepachtet. Der großher­zog­li­chen Garten­in­spek­tor Mayer veran­lasste, dass das Wegenetz enger gezogen, weitere Lichtungen angelegt, die Vielfalt der Pflanzen erhöht und ein großer Kinder­spiel­platz gebaut wurden.

Architekt Durm errichtete im städti­schen Auftrag 1873 das Vierordt­bad und 1877 die Festhalle. Mit dem Bau der Festhalle entstand auch der Stadt­gar­ten­see durch Entnahme von Auffüll­ma­te­rial für den Bau. Ab 1877 - mit dem Bau der Festhalle - werden Tiergarten, das nördlich angren­zen­de Sallen­wäld­chen und die anschlie­ßen­den Grünflä­chen bis zur Festhalle zusam­men­ge­legt zu einem eintritts­pflich­ti­gen Park und offiziell als "Stadt­gar­ten" benannt.

Einige Jahre später kam es zu weiteren entschei­den­den Vergrö­ße­run­gen des Stadt­gar­tens: 1887 wurde zur Steige­rung der Leistungs­fä­hig­keit des Karlsruher Wasser­werks ein Hochre­ser­voir in einem künst­li­chen Hügel südlich des Stadt­gar­tens angelegt und im Juni 1893 in Betrieb genommen. Der Wasser­be­häl­ter speiste noch bis November 1967 die Karlsruher Trink­was­ser­lei­tung. Heute ist er nicht mehr in Funktion. Aus statischen Gründen musste er 1977 mit Leicht­be­ton­masse ausge­schäumt werden.

Die künstliche Aufschüt­tung, die als Aussichts­punkt bei der Bevöl­ke­rung schnell sehr beliebt wurde, bekam nach dem damaligen Oberbür­ger­meis­ter den Namen "Lauter­berg". Neben dem Berg entstand gleich­zei­tig ein See", der damals "Renn­bahn­see" genannt wurde. Seine umlaufende Radrenn­bahn wurde 1896 nach sechs Jahren wieder abgerissen, das umliegende Gelände gärtne­risch angelegt und die streng ovale Form des Sees durch Einbuch­tun­gen naturnäher ausgeformt. Seitdem heißt der See bis heute "Schwa­nen­see".

Es folgten weitere Stadt­gar­te­ner­wei­te­run­gen, als der Haupt­bahn­hof vom Ettlinger Tor 1913 an seine heutige Stelle verlegt wurde.
Zunächst wurde der durch eine private Spende 1897-1899 angelegte erste Rosen­gar­ten verlegt und noch vor dem Ersten Weltkrieg an dieser Stelle ein Japani­scher Garten angelegt. Er war einer der ersten öffentlich zugäng­li­chen japani­schen Gärten außerhalb Japans und damals in Deutsch­land, ja in Europa einmalig. Die Skulpturen und Pflanzen sind Gastge­schenke von japani­schen Persön­lich­kei­ten, die in Karlsruhe weilten und die hiermit ihre Verbun­den­heit mit Karlsruhe zum Ausdruck brachten.

1916 brachte der damalige Stadt­gar­ten­di­rek­tor Friedrich Ries den neuen Rosen­gar­ten zur Vollendung. Er löste sich hierbei von seinem sonst prakti­zier­ten landschaft­li­chen Stil und plante ein zeitge­mä­ßes Rosarium im Jugendstil. Sein Nachfolger, Garten­di­rek­tor Friedrich Scherer, konnte gleich nach dem Krieg die durch Spenden finan­zier­ten archi­tek­to­nisch geformten Sonder­gär­ten der Kaller-Anlage (1919) und der Wolff-Anlage (1920) in den Stadt­gar­ten einfügen. Besonders die durch Hecken gefasste Wolff-Anlage fand in der Bevöl­ke­rung sehr große Zustimmung. Sie war eine Abfolge von Garten­räu­men mit inter­essan­ten Blumen­pflan­zun­gen. Danach folgte eine lange Phase der Stagnation: Inflation, Arbeits­lo­sig­keit und wirtschaft­li­che Depression, Zweiter Weltkrieg und Nachkriegs­zeit.

Erst in den 1960er Jahren änderte sich durch die Bundes­gar­ten­schau alles schlag­ar­tig. Als wichtigs­ter Bestand­teil der Bundes­gar­ten­schau neben dem Schloss­gar­ten wurde der Stadt­gar­ten bis 1967 komplett umgestal­tet. Der landschaft­lich geprägte Park mit einer Vielzahl von unter­schied­lich gestal­te­ten Elementen wurde zu einer Einheit verschmol­zen und zu einer zusam­men­hän­gen­den, trans­pa­ren­ten Parkland­schaft geformt. Alles wurde eckig - meist im 60-Grad-Winkel - auch die Ausformung der Seen, die Seebühne die Blumen­beete und Sitzplätze.

Eine der größten Errun­gen­schaf­ten der Bundes­gar­ten­schau­pla­nung war die Besei­ti­gung der Tiergarten-Straße, die den Stadt­gar­ten zuvor in 2 Hälften geteilt hat. Seitdem sind die beiden Parkhälf­ten zu einer harmo­ni­schen Einheit verbunden.



Text: Michael Schwendl, Garten­bau­amt


Stadtgarteneingang Süd, nach 1919

Stadtgarteneingang Süd, nach 1919

Nördlicher Gondoletta-Anlegesteg, 1967

Nördlicher Gondoletta-Anlegesteg, 1967