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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Zur Ruhe gebettet - verträumte Pfade in die Vergangenheit auf dem Hauptfriedhof

Haid-und-Neu-Straße 35 - 39, Oststadt

Der Karlsruher Haupt­fried­hof wurde 1874 als erster kommunaler Parkfried­hof Deutsch­lands eröffnet. Der Architekt Josef Durm plante die Anlage nach dem Vorbild der engli­schen Garten­ge­stal­tung des 18. Jahrhun­derts. Dazu ließ er auf dem Areal, das zuvor den Rintheimer Bauern als Ackerland diente, brezel­för­mige, gewundene Wege anlegen. Gesäumt von Platanen sollten sie dem Besucher wie Spazier­gän­ger den Blick hinter die nächste Biegung verwehren, um so das Erleben der Natur und der Überra­schung zu verstärken. Die gerad­li­ni­gen, symme­tri­schen Achsen des Barock mit ihren Points de vue sollten ersetzt werden durch Pfade, die zum Lustwan­deln einladen. Durch die weichen, fließenden Formen erhielten die einzelnen Felder gerundete Begren­zun­gen, die schon zur Planungs­zeit als Ehren­fel­der für heraus­ra­gende Bürger der Stadt dienten. Künstlich aufge­schüt­tete Hügel, wie im Feld 20, variieren die Thematik und bereichern bis heute das Gelände. Von Durm war geplant, den Friedhof in den umgebenden Hardtwald übergehen zu lassen, um die Grenzen zwischen der gestal­te­ten und der natür­li­chen Landschaft zu verwischen. Um den Bauern aber das lebens­not­wen­dige Land zur Bewirt­schaf­tung zu geben, wurden angren­zende Gebiete gerodet und als Ackerland urbar gemacht.

Ähnlich dieser ersten Ansätze der Karls­ru­her Fried­hofs­pla­nung, wurde in den vergan­ge­nen Jahren am äußersten nordöst­li­chen Ende ein Feld mit dem Titel "Mein letzter Garten" angelegt. Dort knüpft man in gewissem Sinn an die Gestal­tungs­ideen Josef Durms und seiner engli­schen Vorbilder wieder an mit einer model­lier­ten Landschaft, vielsei­ti­gen Vegetation und parkar­ti­gen Struktur.

Letztlich wurde auch der Eingangs­be­reich mit den beiden kleinen Torhäusern, dem Ehrenhof und der 1876 einge­weih­ten Kapelle nach den Plänen Durms erbaut. Er orien­tierte sich dabei an den Bauten der Frühre­naissance in Italien, wie z. B. dem Findelhaus in Florenz oder der Kapelle San Bernadino in Perugia.

Text: Simone Dietz, statt­rei­sen Karlsruhe e.V.

Lageplan der ersten Anlage des Karlsruher Hauptfriedhofs, 1874

Lageplan der ersten Anlage des Karlsruher Hauptfriedhofs, 1874