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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Die Skulpturen des Hofbildhauers Ignaz Lengelacher auf dem Schlossplatz

Anonym: Die ursprüngliche Aufstellung mythologischer Bildwerke auf dem Schlossplatz,  Zeichnung, um 1790

Anonym: Die ursprüngliche Aufstellung mythologischer Bildwerke auf dem Schlossplatz, Zeichnung, um 1790


Der bayrische Bildhauer Ignaz Lenge­la­cher (1698-1780) stand in den Jahren 1758 - 1764 als Hoffi­gu­rist im Dienst des Markgrafen Karl Friedrich von Baden. Er schuf den größten Teil des Skulp­tu­ren­schmuckes am Karlsruher Schloss, vor allem die Attika­fi­gu­ren und die Trophäen auf den Wachhäus­chen. Ergänzend fertigte er ab 1760 zwölf Stand­fi­gu­ren in rotem und zwei Figuren­grup­pen in gelbem Sandstein.

Lenge­la­chers Kunstwerke wurden nicht sofort nach ihrer Vollendung im Jahre 1764, als er die Stadt wieder verließ, aufge­stellt. Erst als 1782 der spätere Zar Paul I. mit seiner zweiten Gemahlin Maria Feodorowna, geborene Prinzessin von Württem­berg-Mömpelgard, in Karlsruhe Station machte, wurden diese an der neuen Zufahrt zum Schloss aufge­stellt.

Die Themen der Bildwerke waren der Mythologie entnommen. Die Darstel­lung von Göttern und Helden gehörte zum Repertoire barocker Ikono­gra­phie und hatte oft antike Werke zum unmit­tel­ba­ren Vorbild. Das gilt auch für die ursprüng­lich zwölf Arbeiten von Lenge­la­cher, von denen noch folgende acht erhalten sind: Der Borghe­si­sche Faun, der das Bacchus-Kind in seinen Armen wiegt; ein jugend­li­cher Flöten­spie­ler, der fälsch­li­cher­weise mit dem leier­spie­len­den Orpheus verwech­selt wird; Bacchus mit Weinlaub und Trauben; Äskulap sowie dessen Tochter Hygieia mit den Zeichen der Heilkünste, Schlange und Salbentopf; der Farne­si­sche Herkules, der sich auf seine mächtige Säule stützt; die Venus Kallipygos, die "mit dem schönen Hintern" oder auch die aus dem Bade steigt, und Pan.

Die Skulpturen Hebe und Diana sind verloren und wurden von dem Bildhauer Emil Sutor um 1966/67 in barocker Manier nachemp­fun­den und aus Betonguss herge­stellt. Die beiden Figuren­grup­pen stellen zwei verschie­dene Männer­ge­stal­ten im Kampf dar. Es sind Herkules im Kampf mit dem Drachen und Simson mit dem Löwen. Von beiden Figuren­grup­pen wurden 1979 Epoxyd-harz-Kopien aufge­stellt, nachdem die 1966 gefer­tig­ten Mineros-Kopien sich für die Aufstel­lung auf dem Schloss­platz als nicht dauerhaft erwiesen.

Die Figuren wechselten in den vergan­ge­nen Jahrhun­der­ten mehrfach ihren Standort. 1817 ließ sich Christiane Louise von Baden (1776-1829), Witwe des Prinzen Friedrich von Baden (1756-1817), von Friedrich Weinbren­ner ein Garten­pa­lais bauen. Das Areal lag nördlich der Kriegs­traße zwischen Herren- und Ritter­straße in einem weitläu­fi­gen Landschafts­gar­ten. Hier fanden Lenge­la­chers Figuren wieder Verwendung. Die Stand­fi­gu­ren wurden im Garten, die zwei Figuren­grup­pen auf breiten Torpfosten am Eingang an der Herren­straße, der in der Achse der Amali­en­straße lag, aufge­stellt.

1891 wurde das Weinbren­ner-Gebäude abgerissen, und an seiner Stelle erbaute Josef Durm bis 1897 das Erbgroß­her­zog­li­che Palais, heute Bundes­ge­richts­hof, im prunk­vol­len Stil des Neobarocks. Seitlich des Weges, der das Parterre vor der Nordfront des Gebäudes in der Mitte­lach­se durch­schnitt, fanden die barocken Garten­fi­gu­ren wieder Verwendung. Die Statuen standen indes nur wenige Jahre in der Vertiefung des Rasens; noch vor 1908 wurden sie an die Seiten der Auffahrt unter die Bäume der Zufahrt­sal­lee versetzt. Hier gerieten sie in Verges­sen­heit. Vermoosung und Verwit­te­rung führten zu einem erbärm­li­chen Zustand. Die Überlegung, sie wieder auf dem Schloss­platz aufzu­stel­len, wurde verworfen.

1935 versetzte man die Stand­fi­gu­ren auf die neu angeleg­ten Terrassen hinter dem Schloss. Rechts und links des Schlos­stur­mes standen je vier Werke in einer Reihe. Die Figuren­grup­pen verblieben hingegen im Palais­gar­ten.

Bei dem Luftan­griff im Dezember 1944 auf das Schloss wurden auch die Skulpturen beschädigt. Weitere Beschä­di­gun­gen erfolgten nach Kriegsende durch mutwillige Zerstö­run­gen.

1955-1957 wurde von den Bildhauern Moser, Holzmüller und Schwörer eine gründliche Restau­rie­rung vorge­nom­men, die teilweise einer Neuge­stal­tung gleichkam. Die deutli­chen Eingriffe in die Origi­nal­sub­stanz betrafen vor allem die Oberflä­chen­be­hand­lung und die Gestaltung der ersetzten Teile. Anschlie­ßend waren die acht Werke im Ehrenhof des Schloss­plat­zes aufge­stellt. Zwischen Wachhäus­chen und Portal säumten sie beidseitig den Mittelweg, wobei man sie einige Meter in die angren­zen­den Rasen­flä­chen hinein­ver­setzte.

Die völlige Umgestal­tung des Schloss­plat­zes zur Bundes­gar­ten­schau 1967 war der Anlass, Lenge­la­chers Skulpturen an ihren heutigen Standort zu versetzen, der sich an der ursprüng­li­chen Aufstel­lung im Jahre 1773 orien­tierte. Sie erhielten dabei auch ihren weißen Anstrich zurück, mit dem sie bereits zwischen 1801 und 1896 versehen waren.



Literatur:
Denkmäler, Brunnen und Freiplas­ti­ken in Karlsruhe 1715-1945, Karlsruhe 1989, S. 127-133

Text: Thomas Huber, Vermögen und Bau Baden-Württem­berg, Amt Karlsruhe


Äskulap

Äskulap

Venus Kallipygos

Venus Kallipygos

Pan

Pan