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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Der Renaissance-Garten in der niederländischen Malerei - Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Hans-Thoma-Straße 2, Innenstadt


Zum Tag des offenen Denkmals veran­stal­tet die Staat­li­che Kunsthalle Karlsruhe eine Führung, in deren Mittel­punkt die Darstel­lung der Garten­kunst in der nieder­län­di­schen Malerei steht, wie sie das um 1560/70 entstan­dene Gemälde "Bath­se­ba" eines anonymen südnie­der­län­di­schen Meisters beispiel­haft vorführt.

Gleich einer Figur aus Marmor steht Bathseba im Vorder­grund des Gemäldes eines unbekann­ten südnie­der­län­di­schen Meisters. Sie ist gerade dabei, mit dem linken Arm in ein hemdar­ti­ges Unter­ge­wand zu gleiten, das ihr eine ältere Dienerin von hinten anzulegen hilft. Aus diesem Grund hat sie ihren Kopf nach rechts geneigt, so dass sich ihr Gesicht im Profil gegen den Baum abzeichnet, in dessen Schutz sie steht. Sie schaut auf eine nackte Beglei­te­rin, die neben ihr sitzt und beim Kämmen zu ihr aufblickt. Zu Füßen dieser Dreier­grup­pe liegen Geschmeide, Teile eines Toilet­ten­ser­vices, eine Schmuck­scha­tulle und ein modisches Kleid aus goldbe­stick­tem rotem Samt. Auf ihm spielen ein nackter Knabe und ein Hund.
Einge­bet­tet ist die Szenerie in einen kunstvoll angeleg­ten Renaissance­gar­ten, in dem sich vornehme Damen und Herren aufhalten. Seine Torbauten, Säulen, Balus­tra­den und Beete zeugen von der Vertraut­heit des Malers mit der seiner­zeit modernen Garten­bau­kunst. Auf der linken Seite befindet sich ein Badebecken, dem die zwei nackten Frauen entstiegen zu sein scheinen, die sich am Geländer des Beckens stehend gerade abtrocknen und in Tücher kleiden. Begrenzt wird dieser Teil des Parks von einem Laubengang, hinter dem ein Renaissance­pa­last aufragt. Die rechte Seite des Gemäldes öffnet sich zu wirkungs­voll arran­gier­ten Beeten, zwischen denen Damen in langen Röcken lustwan­deln. Im Hinter­grund erhebt sich eine Burg. Im Vergleich zu dieser wehrhaf­ten mittel­al­ter­li­chen Bastion erscheint der Palast auf der Gegenseite wie eine nach allen Seiten offene und von Leben erfüllte Archi­tek­tur.

Die mit großer Liebe zum Detail wieder­ge­ge­bene Anlage des Gartens und die ebenso realis­tisch darge­stell­ten Dinge im Vorder­grund machen das Gemälde zu einem kultur­his­to­ri­schen Dokument.



Text: Sonja Mißfeldt, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Abbildung: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Südniederländischer Meister: Bathseba, um 1560/70

Südniederländischer Meister: Bathseba, um 1560/70