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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Der Garten des Prinz-Max-Palais

Karlstraße 10, Innenstadt

Prinz-Max-Palais um 1900

Prinz-Max-Palais um 1900


Dieses Jahr feiert das Prinz-Max-Palais sein 25jäh­ri­ges Bestehen als Kultur­zen­trum. Das Stadt­mu­seum präsen­tiert aus diesem Anlass vom 7. Mai bis zum 10. September eine kleine Ausstel­lung zur Hausge­schichte im Ambiente der ständigen Ausstel­lung zur Stadt­ge­schichte. Sie zeigt histo­ri­sches Bildma­te­rial aus der Zeit der Erbauung des Palais vor 125 Jahren und zu seiner damaligen Innen­aus­stat­tung sowie zur Biographie seines Bauherren, des Bankiers August Schmieder, des Archi­tek­ten Josef Durm, des Bildhauers Adolf Heer und seines späteren Besitzers Prinz Max von Baden. Darstel­lun­gen zur Geschichte des Stadt­mu­se­ums und eine Chronik des Hauses bis zur Gegenwart ergänzen die Präsen­ta­tion. Eine Diaschau zeigt einen Überblick über die Ausstel­lungs­tä­tig­keit des Stadt­mu­se­ums seit 1981. Der Eintritt ist frei.

Zum Tag des offenen Denkmals finden zwei Führungen um 14 und 16 Uhr statt, die mit einem kurzen Überblick zur Bauge­schichte in der Ausstel­lung beginnen und dann die Fassa­den­ge­stal­tung des Hauses und seine Garten­ar­chi­tek­tur vorstellen. Das Gebäude wurde nicht für einen Angehö­ri­gen des badischen Hochadels erbaut, wie sein Name und die mit Skulpturen reich geschmückte Fassade nahelegen könnten, sondern für den Großun­ter­neh­mer August Schmieder (1824 - 1897). Schmieder ließ sich 1882 von dem renom­mier­ten Archi­tek­ten Josef Durm einen prunk­vol­len Alters­ru­he­sitz im Stil italie­ni­scher Palastar­chi­tek­tur errichten. Der Figuren­schmuck mit Atlan­ten­her­men, Nischen­fi­gu­ren und Allegorien auf dem Dachfirst wurde von Bildhauer Adolf Heer geschaffen. Sinnsprü­che von Josef Viktor von Scheffel auf Marmor­ta­feln vermitteln die Bedeutung der Allegorien. Der außen noch fast vollstän­dig erhaltene Baukörper ist ein typisches Beispiel für die Archi­tek­tur der Gründer­zeit und steht unter Denkmal­schutz.

Dazu gehören auch die Garten­an­lage mit Zierbrun­nen, gußei­ser­nen Umfas­sungs­git­tern und -toren sowie eine mit zahlrei­chen Bauele­men­ten des Histo­ris­mus durch­ge­stal­te­te Schauwand an der Westseite des Gartens, die in Karlsruhe ein einzig­ar­ti­ges Beispiel für eine derartige Archi­tek­tur darstellt. Anlässlich seiner Hochzeit mit Maria von Cumberland, Herzogin von Braun­schweig-Lüneburg, erwarb Prinz Max von Baden 1899 das Palais als Wohnsitz für seine Familie, so dass es alsbald seinen Namentrug. Nach dem Zusam­men­bruch der Monarchie 1918 verließ der letzte Kanzler des Kaiser­reichs sein Domizil und überließ es verschie­de­nen Insti­tu­tio­nen und Firmen zur Nutzung für Geschäfts­räume. Von der ursprüng­li­chen Innen­aus­stat­tung blieb daher nichts erhalten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Prinz-Max-Palais schwer beschädigt. Danach wurde es wieder herge­stellt und die Raumauf­tei­lung im Innern verändert. So residierte von 1951 bis 1969 das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt in diesem Gebäude, bevor die Neubauten am Schloss­platz fertig gestellt waren. Seit 1978 wurde das Prinz-Max-Palais auf Beschluss des Stadtrats zum kultu­rel­len Zentrum ausgebaut und 1981 eröffnet.

Der Architekt Josef Durm (1837-1919), seit 1862 in Karlsruhe baukünst­le­risch tätig, war seit 1868 Professor für Archi­tek­tur an der TH, 1877 Oberbaurat, später Oberbau­di­rek­tor. Er ist der Haupt­ver­tre­ter des Histo­ris­mus in Baden. Stilis­tisch knüpfte Durm vor allem an die italie­ni­sche Hochre­naissance-Archi­tek­tur an, die er mit anderen Elementen mischte. In Karlsruhe plante er u. a. das Vierordt­bad (1873), die kriegs­zer­störte Festhalle (seit 1873), den verändert wieder­auf­ge­bau­ten Aulabau der Univer­si­tät (1892), die heutige Akademie der Bildenden Künste (1898-1901) und das Erbgroß­her­zog­li­che Palais, den heutigen Bundes­ge­richts­hof (1893-1897). Seit 1880 plante er die Villa Schmieder.

Wie bei anderen Unter­neh­mun­gen versorgte er einen Stamm von Künstlern mit Aufträgen, so etwa den Bildhauer Adolf Heer für den Figuren­schmuck an der Fassade. Adolf Heer (1849-1898) ist in Karlsruhe vor allem als Schöpfer des Kaiser-Wilhelm-Denkmals bekannt geworden. Er studierte Bildhaue­rei in Nürnberg, Berlin und Karlsruhe. 1881 wurde er Professor an der damaligen Kunst­ge­wer­be­schule. Die Bauplastik am Palais Schmieder gehörte zu seinen ersten großen Aufträgen. Später schuf er u. a. den Fassa­den­schmuck am Erbgroß­her­zog­li­chen Palais, am Erwei­te­rungs­bau der Kunsthalle in der Waldstraße und am Bezirksamts­ge­bäude am Marktplatz, alles Bauten, die sein Mentor Josef Durm geplant hatte.

Den Haupt­schmuck am Prinz-Max-Palais bilden weibliche Nischen­fi­gu­ren, die häusliche Tugenden verkörpern, sowie die Atlan­ten­her­men an der Karlstra­ßen­seite. Aber auch den Dachauf­satz des Gebäudes bevölkern zahlreiche Figuren, die Handel und Industrie, Gesetz und Stärke sowie Traum und Schlaf versinn­bild­li­chen sollen. Der Vorgarten des Prinz-Max-Palais hebt das Bauwerk aus seiner monoton bebauten Umgebung heraus und ersetzt den für Gebäude dieser Größen­ord­nung eigentlich dazuge­hö­ri­gen Park, auf den wegen der beengten Grund­stücks­ver­hält­nis­sen im Stadtraum verzichtet werden musste. Die ursprüng­li­che Garten­ge­stal­tung wurde mit dem Umbau des Prinz-Max-Palais zum Sitz des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt 1950 und zum Kultur­zen­trum 1980 verändert, orientiert sich aber mit ihren gewundenen Wegen und auch in der maleri­schen Bepflan­zung noch an der Planung Durms, zumal auch der große Schalen­brun­nen im Zentrum der Anlage noch von diesem Archi­tek­ten entworfen wurde. Zu den Relikten aus dieser Zeit gehört auch ein Wandbrun­nen im Garten hinter dem Gebäude. Der sogenannte "Rich­ter­bau" zwischen den beiden Garten­an­la­gen ersetzte 1950 den dort vorhan­de­nen Winter­gar­ten und beherbergt seit drei Jahren ein Café mit Außen­be­wirt­schaf­tung, die es ermöglicht, das geschil­derte Ambiente auch bei einem entspre­chen­den gastro­no­mi­schen Angebot zu genießen.

Text: Dr. Peter Pretsch, Leiter des Stadt­mu­se­ums im Prinz-Max-Palais