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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Vom Lustgarten des Markgrafen Karl Wilhelm bis zum heutigen Schlossplatz

Johann Matthias Steidlin nach Christian Thran: Plan von Schloss und Stadt, Blick von Norden, Kupferstich, 1739

Johann Matthias Steidlin nach Christian Thran: Plan von Schloss und Stadt, Blick von Norden, Kupferstich, 1739


Auf dem weiten Areal zwischen Schloss und Zirkel blieb die Fläche unmit­tel­bar vor dem Schloss als Auffahrt für die Kutschen frei, den weitaus größeren Teil ließ der Markgraf als Lustgarten im franzö­si­schen Stil anlegen. Maßgebend war der Hof- und Lustgärt­ner Christian Thran. Durch Quer- und Längsach­sen gliederte er die Fläche in verschie­de­ne Bereiche, fasste die einzelnen Abtei­lun­gen durch geschnit­tene Buchs- und Taxus­he­cken ein und betonte die Ecken und Durchgänge mit Kugel­bäum­chen. Das Mittel­par­ter­re wurde in vier als Brode­rie­beete angelegte Teile geteilt. Die Beete waren mit arabes­ken­ar­ti­gen Formen aus Buxus gestaltet, die Flächen mit farbigem Sand, bunten Steinchen, zerbro­che­ner Keramik und Glasab­fäl­len bestreut. Der Mittel­punkt des Parterres wurde durch ein Wasser­bas­sin mit Wasser­strahl besonders hervor­ge­ho­ben.

Der Markgraf, ein großer Liebhaber von Blumen und Pflanzen, kaufte selbst in Holland die damals sehr seltenen und teuren Tulpen­zwie­beln und ließ diese im Lustgarten auspflan­zen. Der gesamte Lustgarten war mit einem üppigen Blumenflor aus Tulpen, Nelken, Hyazinthen u. a. bepflanzt.

Die anderen Abtei­lun­gen bzw. Boskette waren mit Spring­brun­nen oder Teichen für Enten angelegt. Es gab Volieren und sogar eine kleine Menagerie: das sogenannte "14 eckige Gebäu". Im Erdge­schoss waren Vogel­kä­fige, und im ersten Stock war ein großer Salon mit versenk­ba­rem Tisch unter­ge­bracht.
Der gesamte Lustgar­ten­be­reich wurde im Osten durch die Marställe, im Süden von der Zirkel­be­bau­ung und im Westen von den drei Orangerien einge­grenzt.

In der Zeit zwischen 1761 und 1782 wurde der Lustgarten vor dem Schloss völlig geändert. Es entstand ein großer Sandplatz. Die Hauptachse wurde verbrei­tert, nur der Brunnen im Schnitt­punkt der Achsen blieb in geänderter Form erhalten. Fortan bildete diese Süd-Nord-Achse eine reprä­sen­ta­tive Zufahrt zum Schloss. Als 1782 der spätere Zar Paul I. mit seiner zweiten Gemahlin Maria Feodorowna, geborene Prinzessin von Württem­berg-Mömpelgard, in Karlsruhe Station machte, wurden an der neuen Zufahrt die bereits Mitte der 1750er Jahre von Hofbild­hauer Ignaz Lenge­la­cher (1698-1780) geschaf­fe­nen Sandsteins­kulp­tu­ren antiker Götter aufge­stellt.

Im frühen 19. Jahrhun­dert wurde der Außen­be­reich im Süden total verändert. Friedrich Weinbren­ner legte einen Entwurf vor, demzufolge zwischen Ehrenhof und Zirkel beidseits einer breiten Zufahrt große, mit vier Baumreihen umgebene Garten­räume entstehen sollten. Ausgehend von diesem Entwurf nahm der Garten­bau­di­rek­tor Johann Michael Zeyher die Gestaltung des Schloss­plat­zes vor. Die Zufahrt verbrei­ter­te er zu einem großen Sandplatz. Die Götter­fi­gu­ren Lenge­la­chers verschwan­den. In den Südost- und Südwe­ste­cken entstan­den große, segment­för­mige, mit vier Linden­rei­hen einge­fass­te Garten­räume mit runden Wasser­be­cken in der Mitte. Jedes Becken erhielt eine Figuren­gruppe von Aloys Raufer (1794-1856) aus drei Najaden, die eine Wasser­schale über den Häuptern halten. 1844 ließ Großherzog Leopold auf dem bis zur Einfrie­dung des Ehrenhofes reichenden Sandplatz, der dem Abhalten von Paraden und Veran­stal­tun­gen wie etwa der Karlsruher Messe diente, ein Denkmal für Karl Friedrich errichten.

Zwischen 1860 und 1870 beauf­tragte Großherzog Friedrich I. den Archi­tek­ten Karl Philipp Dyckerhoff mit der Umgestal­tung des kahlen, nur mit Sand bestreuten Ehrenhofes vor dem Schloss. Es entstanden Grünflä­chen und Rabatten, bepflanzt mit Stauden, Rosen und niedrigen Büschen. Dazwischen standen Kübel mit exotischen Pflanzen. Rechts und links sollten runde Wasser­bass­ins mit Figuren­grup­pen entstehen. Der Bildhauer Carl Johann Stein­häu­ser (1813-1879) erhielt den Auftrag für die Gruppen "Hermann und Dorothea" und "Orest und Pylades"; beide Themen sind dem Werk Goethes entnommen. Der Plan wurde jedoch verworfen, da die Figuren mit ihren Sockeln die Propor­tio­nen gesprengt hätten. Friedrich I. entschied sich für einfache Brunnen­scha­len auf hohen Sockeln in runden Wasser­be­cken.
Um 1865 legte man im mittleren Schloss­platz vier Rasen­par­ter­res an, baute vier runde Wasser­be­cken sowie ein Wasser­be­cken um das Denkmal von Karl Friedrich und stellte große, gußeiserne Kandelaber auf. Die Rasen­par­ter­res bepflanzte man 1873 mit Blumen und Gehölzen.

1967 wurde im Rahmen der Bundes­gar­ten­schau der Schloss­platz ein weiteres Mal völlig umgestal­tet. Mit dem Bau der Tiefgarage unter dem mittleren Schloss­platz wurde dieser Bereich abgesenkt und damit ein Gedanke aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhun­derts verwirk­licht. Die Wirkung des Schlosses wird dadurch verstärkt. Das Karl-Friedrich-Denkmal wurde nach Süden versetzt und gedreht mit Blick zur Stadt. In den vertieften Parterre waren zwei durch­ge­hende Rasen­flä­chen angelegt und entlang des Mittel­we­ges jeweils fünf quadra­ti­sche Wasser­be­cken aufgereiht.

1990 wurde das Mittel­par­terre in Anlehnung an das Aussehen von 1873 neu gestaltet. Es entstanden vier mit Buchs­he­cken einge­fasste Rasen­flä­chen. Im Mittel­punkt der Wegeach­sen wurde wieder ein rundes Wasser­be­cken mit Fontäne angelegt.



Literatur:
Rosemarie Stratmann-Döhler: Schloss und Schloss­gar­ten Karlsruhe, Führer Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württem­berg, München, Berlin 2000
"Allerley Sorten Orangerie", Schrif­ten­reihe des Arbeits­krei­ses Orangerien in Deutsch­land e.V., Bd. 3, Potsdam 2001

Text: Thomas Huber, Vermögen und Bau Baden-Württem­berg, Amt Karlsruhe