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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Der Fasanengarten - vom Hofjagdrevier zum Parkwald

"Die hübscheste Sache der Welt" nannte ein Touristen-Führer der Rokoko-Zeit den Fasanen­gar­ten. Heute würde kein Stadt­füh­rer solche Lobesworte mehr finden. Dennoch ist der Parkwald zwischen Univer­si­tät, Schloss­gar­ten, Wildpark­sta­dion und Klosterweg eine liebens- und schüt­zens­werte Grünanlage, deren Ursprung und Entwick­lung untrennbar mit der Stadt­ge­schichte verbunden ist.

Wo sich heute täglich hunderte Menschen aufhalten, erstreckte sich bis vor nahezu 300 Jahren ein zusam­men­hän­gen­des Waldgebiet. Es war das Jagdrevier der Markgrafen von Baden-Durlach. Darin wurden noch vor der Stadt­grün­dung 110 Hektar Wald umzäunt und nach franzö­si­schem Vorbild in einen Fasanen­gar­ten und Wildpark umgestal­tet. Auf der "Bocks­blö­ße", einer Waldlich­tung, entstand 1714 ein Jagdhaus und 1765 dann das Fasanen­sch­löss­chen mit den Feldhüh­ner­häus­chen "à la chinoise". Hier lagen auch die Betriebs­ge­bäude zur Versorgung der vielen Tiere. Die Aufsicht über die Fasanerie hatte der "Fasa­nen­meis­ter", ein Beruf, der von Generation zu Generation vererbt wurde. Der hölzerne Zaun um den Wildpark wurde bald durch eine Mauer aus Sandstei­nen ersetzt, die heute noch teilweise erhalten ist.

Nach 1780 wurden nach englischem Vorbild auslän­di­sche Baum- und Strauch­ar­ten gepflanzt; besonderer Wert wurde dabei auf Perspek­ti­ven, Farbspiel sowie Licht- und Schat­ten­wech­sel gelegt. Der Tiergarten im Norden wurde erweitert, so bezogen z. B. Biber ihr Quartier in der heute noch sicht­ba­ren Biberburg. Um 1850 erlebte die Fasanerie ihren Höhepunkt: mehrere Tausend Tiere bevöl­ker­ten den Fasanen­gar­ten; er brachte dem fürst­li­chen Hof weitrei­chen­des Ansehen!

1866 wurde die Fasanerie aufgelöst, der Unterhalt wurde zu teuer! In den Fasanen­gar­ten kehrte Ruhe ein, er wurde zum Ort der Erholung für die großher­zog­li­che Familie. Noch heute sichtbares Zeichen der Verbun­den­heit mit dem Park ist die großher­zog­li­che Grabka­pelle, die 1896 vollendet wurde. Viele andere Bauak­ti­vi­tä­ten verklei­ner­ten schon früh von Süden her die Fläche; die größten Flächen­ver­luste verur­sachte ab 1825 der Bau und die Entwick­lung der Univer­si­tät.

Seit 1923 wird der Fasanen­gar­ten als Teil des Staats­wal­des von der staat­li­chen Forst­ver­wal­tung betreut. 1967 war er als zentraler Bereich in die Bundes­gar­ten­schau einbezogen. Seit der Verwal­tungs­re­form 2005 ist die Aufgabe der Pflege und Erhaltung an die Untere Forst­be­hörde bei der Stadt Karlsruhe überge­gan­gen. Der stadtnahe und attraktive Parkwald ist äußerst beliebter und intensiv genutzter Erholungs- und Freizeit­raum. Aber auch Ökologen freuen sich über Beson­der­hei­ten, wie z. B. die bis zu 300 Jahre alten Eichen. Diese bieten wertvollen Lebensraum für seltene Insekten wie den Eichen-Heldbock. Von den ursprüng­lich 110 Hektar sind noch 45 Hektar übrig geblieben. An die Vergan­gen­heit als Wildpark und Fasanerie erinnern nur noch die histo­ri­schen Gebäude und die Namen von Wegen und Alleen. Es ist zu hoffen, dass dies noch lange so bleiben wird.

(Weitere Infor­ma­tio­nen zum Fasanen­gar­ten unter: Stadt Karlsruhe, VLW-Forst, Weinweg 43, 76131 Karlsruhe)

Das Fasanen­sch­löss­chen

Nordfassade des Fasanen­sch­löss­chens
Der rot gestri­chene Gebäu­de­kom­plex des Fasanen­sch­löss­chens am nördlichen Rand des Univer­si­täts­ge­län­des lag ursprüng­lich idyllisch mitten im Fasanen­gar­ten. Um den Innenhof gruppieren sich das zweige­schos­sige Haupt­ge­bäude und zwei einstö­ckige Seiten­ge­bäude. Das Schlöss­chen wurde 1765 am Rand der Waldlich­tung "Bocks­blö­ße" unter Markgraf Karl Friedrich anstelle eines einfachen 1711 gebauten hölzernen Jagdhauses errichtet. Architekt war der markgräf­li­che Kammer­jun­ker und Baudi­rek­tor Friedrich von Keßlau, der auch das Karlsruher Residenz­schloss erbaut hat.

Im Erdge­schoss des Schlöss­chens befanden sich zunächst die Fasanen­stu­ben, im Oberge­schoss die Wohnung des Fasanen­meis­ters. Schon bald wurden die Fasanen ausquar­tiert, und man baute das Erdge­schoss zu einem reprä­sen­ta­ti­ven Saal aus, der sich heute mit den klassi­zis­ti­schen Elementen und der meergrünen Wandfarbe weitgehend in seiner ursprüng­li­chen Ausstat­tung zeigt. An den Querwänden liegen zwei Kamine aus dunklem Marmor.

Wer sich von der Parkseite auf der Richard-Willstät­ter-Allee dem Schlöss­chen nähert, trifft auf eine reprä­sen­ta­tive Fassade. Über der Mitteltür prangen in Gold die Insignien des Erbauers Markgraf Karl Friedrich. Gegenüber dem Haupt­ge­bäude schließen zwei Pavillons "à la chinoise" die Gesamt­an­lage ab. Der fremd­län­di­sche Stil entsprach in der erwachen­den Romantik der Mode und galt als Zeichen des Luxus.

Anfangs führte von der mittleren Eingangs­tür des Schlöss­chens an der Nordseite eine Baumallee zwischen den Pavillons auf ein am Ende der Allee stehendes Gartenhaus. Dieses war in Verbindung mit der Fasanen­gar­ten­mauer angelegt und auf der Mauer errichtet. Zwei geschwun­gene Treppen führten hinauf in das Mauer­häus­chen. Beides ist verschwun­den: die Baumallee fiel bereits im letzten Jahrhun­dert einem Sturm zum Opfer, das Mauer­häus­chen musste 1953 dem Bau des Wildpark­sta­di­ons weichen.

Nach der Auflösung der Fasanerie 1866 diente der Saal im Schlöss­chen in den Sommer­mo­na­ten als Prinzen­schule, im Krieg 1870/1871 wurde er als Offiziers­la­za­rett genutzt. Die chine­si­schen Pavillons waren kleine Teehäus­chen und später Studier­zim­mer für die Kinder des Fürsten­ho­fes. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abdankung Großherzog Friedrich II. stellte man das Gebäude für kurze Zeit der Techni­schen Hochschule zur Verfügung. Von 1926 bis heute ist es Sitz der Staat­li­chen Forst­schule Karlsruhe, seit 1990 Bildungs­zen­trum der Landes­forst­ver­wal­tung Baden-Württem­berg. Zur Bundes­gar­ten­schau 1967 wurden die Außen­fassa­den origi­nal­ge­treu wieder­her­ge­stellt. 1980 folgte eine grund­le­gende Innen­re­no­vie­rung und in den beiden letzten Jahren wurden die Pavillons renoviert. Somit bildet die Anlage des Fasanen­sch­löss­chens ein bauliches Kleinod am Rande des Univer­si­täts­cam­pus.

(Weitere Infor­ma­tio­nen zum Fasanen­sch­löss­chen unter: Forst­li­ches Bildungs­zen­trum Karlsruhe, Richard-Willstät­ter-Allee 2, 76131 Karlsruhe)


Text: Ulrich Kienzler, Forst­di­rek­tor VLW-Forst

Blick nach Norden in den Fasanengarten mit den Chinesischen Pavillons

Blick nach Norden in den Fasanengarten mit den Chinesischen Pavillons

Nordfassade des Fasanenschlösschens

Nordfassade des Fasanenschlösschens