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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Grünwettersbach

Evangelische Kirche, Am Steinhäusle 10

Die Geschichte der Kirche beginnt wohl im 12. Jahrhun­dert; sie wurde 1278 erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich ist sie wie das Dorf eine Gründung von Zister­zi­en­ser­mön­chen. Das ehemals katho­li­sche Dorf hatte schon 1534 den ersten evange­li­schen Pfarrer, wurde aber im Zuge der Auflösung des Klosters Herrenalb, trotz des Wider­stan­des der badischen Markgrafen, württem­ber­gisch. Erst 1549 wurden Kirche und Dorf aufgrund des Bekennt­nis­wech­sels des württem­ber­gi­schen Herzogs Ulrich lutherisch. Bis 1806 blieb das Dorf württem­ber­gisch, wohl auch wegen der strate­gisch guten Lage oberhalb der Handels­s­traße zwischen Basel und Frankfurt.

Wenn man die Kirche von außen betrachtet, dann fällt zunächst der schlanke Turm in seiner wohlge­form­ten Einfach­heit auf. Er wurde im Stil der Romanik in Anlehnung an Bauformen der Hirsauer Bauschule erbaut und ist somit der älteste Teil der Kirche und das älteste Bauwerk der Gemeinde Grünwet­ters­bach.

Paul Maier-Pfau beschreibt das Aussehen des Turms 1951 folgen­der­ma­ßen: "Umlau­fende Gesimse gliedern rhyth­misch seine Höhe. Die geschlos­sene Baumasse wird belebt durch vertiefte Wandflä­chen, die im 3. Oberge­schoß mit Bogen­frie­sen abschlie­ßen und an den Turmkanten lisenen­ar­ti­ge Wandstrei­fen entstehen lassen. Der Zahnfries unter dem 2. Gesims ist schönes, dekora­ti­ves Beiwerk.

An dämonen­ban­nende Mächte aus alten Glaubens­vor­stel­lun­gen erinnern die darüber sitzenden Stein­mas­ken, deren Plastik bis zur Unkennt­lich­keit abgeschlif­fen ist. Die wertvolls­ten Teile dieser Archi­tek­tur sind jedoch die Zwillings­fens­ter (der oberen Geschosse), deren Bogen durch eine gemein­sa­me Mittel­säule gestützt werden." ("Soweit der Turmberg grüßt", 3. Jg., Nr. 1, 20.01.1951, S. 3)

Unter dem Fenster an der Südseite des Turms befindet sich eine Sandstein­platte mit einer Sonnenuhr aus dem 16. Jahrhun­dert. Das hölzerne Glocken­ge­schoss des Turmes wurde wegen Baufäl­lig­keit 1777 abgetragen und bis 1779 erneuert.

Das heutige an den Turm anschlie­ßen­de Kirchen­schiff aus unver­putz­tem Quader­mau­er­werk wurde 1782/83 in spätba­ro­cker Form errichtet. Das romanische dreischif­fige Langhaus, das auf acht steinernen Säulen stand, wurde 1781 wegen Baufäl­lig­keit abgebro­chen. Wie es mit dem Turm, der vier Schau­sei­ten aufweist, verbunden war, ist ungeklärt. Vermutlich hatte die ursprüng­li­che Kirche keinen Vorgän­ger­bau. Die heutige recht­e­ckige Saalkirche mit dreisei­ti­gem Chorschluss und Emporen wurde nach Entwürfen des Baumeis­ters und Kirchen­ra­tes Wilhelm Friedrich Goetz aus Ludwigs­burg erbaut.

Der achteckige Taufstein mit Abfluss steht auf einem gedrun­ge­nen achte­cki­gen Schaft über einem quadra­ti­schen Boden und stammt laut Becken­auf­schrift in gotischen Ziffern aus dem Jahr 1491.
Die hölzerne Kanzel aus der Zeit um 1780 besteht aus einem Korb, der mit Rocaillen verziert ist. Der Schall­de­ckel in Muschel­form ist samt Kanzel 1911 im Zuge von Renovie­rungs­ar­bei­ten an den heutigen Platz versetzt worden. Aus dieser Zeit stammt auch der Kanzel­auf­gang.

Im Zuge dieser Renovie­rungs­ar­bei­ten an der Kirche wurde der aus Steinen gemauerte Altar durch einen Altar aus Holz ersetzt.
Die hundert­jäh­ri­gen, schad­haf­ten Sprossen-Fenster wurden 1889 durch bleiver­glaste Fenster ersetzt. Ein Chorfens­ter stellte die Bergpre­digt dar, während die anderen mit rhomben­för­mi­gen Mustern ausge­stal­tet waren. Bei einem Flieger­an­griff 1944 wurden diese zerstört. Der Grünwet­ters­ba­cher Künstler Heinz Barth stiftete in den 50iger Jahren ein neues Chorfens­ter mit einer Darstel­lung des aufer­stan­de­nen Christus, das 1996 im Zuge einer Neuge­stal­tung des Kirchen­in­ne­ren am Treppen­auf­gang zur Empore Platz fand. Die heutigen Fenster wurden von Michael Munzer, Gerlingen, in symbo­li­scher Farbgebung gestaltet.



Literatur:
Paul Maier-Pfau: Der Glock­en­turm in Grünwet­ters­bach. In: "Soweit der Turmberg grüßt", 3. Jg., Nr. 1, 20.01.1951, S. 3
Wilhelm Spengel: Die Kirche zu Grünwet­ters­bach. In: Badische Heimat. 49. Jg., 1969, H. 4, S. 441-465
Wilhelm Spengel und Heinz-Thilo Krahl: Wetters­ba­cher Heimatbuch. Hrg. von der Ortsver­wal­tung Wetters­bach. Karlsruhe, o. J. (1972), S. 162-175

Text: Otto Gruschwitz, Mitglied des Kirchen­ge­mein­de­rats


Evangelische Kirche, Am Steinhäusle 10, Grünwettersbach

Evangelische Kirche, Am Steinhäusle 10, Grünwettersbach

Zwillingsfenster am Turm

Zwillingsfenster am Turm

Steinmaske am Turm

Steinmaske am Turm