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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Die mittelalterliche Stadtbefestigung

Im 12. und 13. Jahrhun­dert wurden in Mittel­eu­ropa sehr viele neue Städte gegründet. Durlach ist dabei als staufi­sche Gründung in die Geschichte einge­gan­gen. Mögli­cher­weise wurde sie in den Jahren 1191/1192 zur Stadt erhoben, dann aber erstmals 1196 urkund-lich als opidum (Stadt) erwähnt.

Wir können davon ausgehen, dass sehr bald Befes­ti­gungs­an­la­gen erbaut wurden. Noch heute ist der mittel­al­ter­li­che Grundriss (eine Ring- oder Hufei­sen­for­m) erhalten mit den Straßen­na­men Bienlein­stor­straße, Zunftstraße im Norden und Kelter­straße und Amthaus­straße im Süden. Die einzige Achse quer durch den Ring von Ost nach West bildete die heutige Pfinz­tal­straße.

Die Ummauerung gab der Stadt und ihren Bürgern zunächst Schutz vor Feinden, war aber auch Ausdruck und Symbol für die heraus­ra­gende Stellung der Stadt, die einen Friedens- und Rechts­be­reich, Freiheit und privi­le­gierte Lebens­wei­se bot.

Die Stadtmauer selbst bestand aus einer 6 m hohen und 1,50 m starken Steinmauer mit einem Absatz auf halber Höhe, der den Wehrgang bildete. Die darüber aufstei­gen­de Schild­mauer war 0,50 m stark und hatte Schieß­schar­ten. Vor der Stadtmauer lag der etwa 3,50 m breite terras­sen­ar­ti­ge Zwinger, der von der niedrige-ren und schma­le­ren Zwinger­mauer begrenzt wurde. Zum Zwinger gelangte man über Tore mit profi­lier­ten Gewänden, und zwar links und rechts zwischen Torturm und Zugbrücke wie beim Basler Tor. Davor lag der 10 bis 12 m breite Graben, der bei Gefahr geflutet werden konnte. Am äußeren Rand des Grabens gab es als zusätz­li­ches Hindernis für den Feind Verstär­kun­gen durch Palisaden.

Im 15. Jahrhun­dert wurde die Stadt in nordöst­li­cher Richtung um das Endriß­vier­tel erweitert und dieses in den Mauerring einbezogen. Die älteste Anlage hatte drei Tore: das einzig erhaltene Basler Tor im Süden, das Bienlein­stor im Westen, das Blumentor (Grezinger Tor) im Osten. Dieses Tor wurde bei der Stadterwei-terung abgebro­chen und 1468 weiter östlich in Höhe des heutigen alten Wasser­werks verlegt. Aus der Vor-stadt führte nun ein viertes Tor (Pfinz- oder Ochsentor) in nördlicher Richtung in die Durlacher Gemarkung. Alle Tore wurden beim großen Brand von 1689 schwer beschädigt oder ganz zerstört.

Die Stadt selbst war schon sehr früh in Viertel aufgeteilt: das Speicher­vier­tel im Norden, das Gärtner­vier­tel im Süden, das Endriß­vier­tel im Osten und das Burgvier­tel im Südosten. Die Aufteilung in Viertel war sehr wichtig für das städtische Leben. Frondienste und Einsätze bei Feuer- und Hochwas­ser­ge­fahr war die Aufga-be von Viertels­meis­tern.

Ab 1672 entstand im Nordosten des Mauerrings die Blumen­vor­stadt, im achtzehn­ten Jahrhun­dert die Pfinz-vorstadt im Norden.



Text: Gudrun Mittelhamm, Freun­des­kreis Pfinz­gau­museum - Histo­ri­scher Verein Durlach e. V.

Thomas Lefèbvre: Plan von Durlach und der Karlsburg, 1688

Thomas Lefèbvre: Plan von Durlach und der Karlsburg, 1688