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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Der Alte und Neue Schlossgarten

Schlittschuhläuferin, Zementguss, Ende des 19. Jh.

Schlittschuhläuferin, Zementguss, Ende des 19. Jh.

In den Jahren 1563 bis 1565 ließ Markgraf Carl II. das Schloss Karlsburg erbauen. Von dieser Renaissance-Anlage zeugen noch heute der Prinzes­sin­nen­bau und die Reste des großen Altans im Hinterhof des Gebäudes Pfinz­tal­straße 7. Südöstlich der Karlsburg entstand wohl bereits vor 1600 die erste Renaissance-Garten­an­lage in Durlach.

In einem Reise­be­richt von Samuel Chappuzeau heißt es 1671: Der große Garten­lieb­ha­ber Markgraf Friedrich VII. Magnus habe für seinen Lustgarten seltene Blumen, exotische Gewächse und einen Zypres­sen­hain anlegen lassen, in Form "einer Einsie­de­lei (...), in dem sich das Geflüster der Bäume mit dem Schlagen der Nachti­gal­len und dem Plätschern einer Wasser­kunst mischte (...) Eine bemer­kens­wer­te Gartenzier war der bronzene Herkules, der des Tages Wasser spielte und außerdem beim nächt­li­chen Feuerwerk Flammen speien konnte." Die Anlage war vermutlich von einem langen Spalier umgeben und besaß ein "Lusthaus". Eine nahege­le­gene, dreirei­hige Linden­al­lee spendete Schatten. Monumente, römische Grab- und Gedenk­steine, waren in der Art eines Lapida­ri­ums angeordnet. Auf dem heute noch vorhan­de­nen Garten­ge­lände befand sich der Lustgarten.

Im Norden, jenseits der Karls­burg­straße, folgte der Küchen­gar­ten. Hier wurden Kräuter- und Heilpflan­zen für die Hofküche angebaut. Zur Garten­an­lage gehörten auch der sogenannte Bauhof­gar­ten (zwischen Gymna­si­um­straße und Hengst­platz), eine Reitbahn mit Tribü­nen­ge­bäude und das Ballhaus.

Der Barock hielt im Durlacher Schloss­gar­ten erst nach 1700 seinen Einzug. Etwa zu dieser Zeit wurde vermutlich auch die noch erhaltene Kasta­ni­en­al­lee angelegt. 1711 entstand die Orangerie. Unter Garten­meis­ter Christian Jakob Thran und seinem Nachfolger Karl Friedrich Dressler erfolgte die stückweise barocke Umgestal­tung des Schloss­gar­tens. Auf dem heutigen Areal entstanden lange, recht­e­ckige Beete unter­schied­li­cher Ausge­stal­tung, ein Garten­thea­ter und ein Fischteich.

Bereits nach der Gründung von Karlsruhe 1715 war der Durlacher Schloss­gar­ten für Markgraf Carl Wilhelm zweit­ran­gig geworden, wurde aber - was den eigent­li­chen Lustgarten betraf - weiterhin unter­hal­ten. Am Ende des 18. Jahrhun­derts diente der größte Teil vor allem zur Auf- und Nachzucht von Gewächsen für den Schloss­gar­ten in Karlsruhe. Bis 1824 wurden im Küchen- und Lustgarten die ersten Wegesys­teme und Baumgrup­pen nach Vorbild des Engli­schen Landschafts­gar­tens eingefügt. Die barocke Gestalt des Schloss­gar­tens ging durch den Besatz mit großen Gehölzen jedoch allmählich verloren. Ab 1834 bzw. 1897 wurden die nördlichen Teile aufge­las­sen und zur Bebauung freige­ge­ben. Zu den markan­tes­ten Merkmalen des beste­hen­den Gartens zählen heimische und einge­führte Gehölze, der Rosen­gar­ten und die erhaltene Kasta­ni­en­al­lee.



Text: Mirko Felber, Freun­des­kreis Pfinz­gau­museum - Histo­ri­scher Verein Durlach e.V.