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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Brunnenhaus der ehemaligen Karlsruher Wasserversorgung, 1823

Badener Straße 18/Ecke Marstallstraße, Durlach

Brunnenhaus


Seit dem Mittel­al­ter nutzten die Durlacher die natür­li­chen Quellen, die am Fuß des Geigers­bergs unmit­tel­bar an der Landstraße nach Ettlingen entsprin­gen, zur Versorgung ihrer Stadt mit fließen­dem Wasser. Nachweis­lich seit 1468 war eine Quelle baulich gefasst, das Wasser lief über hölzerne Deichel­rohre zu einem Brunnen­turm beim Blumentor, um von hier einige öffent­li­che Brunnen innerhalb der Stadt­mau­ern zu speisen. Später mehrfach erneuert und verbessert, erfüllte diese Leitung bis ins 19. Jahrhun­dert ihren Dienst.

In der 1715 neu gegrün­de­ten Residenz Karlsruhe stand es mit der Wasser­ver­so­gung im 18. Jahrhun­dert dagegen nicht zum Besten. Man konnte zwar das lebens­not­wen­di­ge Nass wegen des hohen Grund­was­ser­stands leicht gewinnen, sodass nahezu jedes Haus einen eigenen Zieh- oder Pumpbrun­nen besaß; die Wasser­qua­li­tät ließ jedoch sehr zu wünschen übrig, nicht zuletzt wegen der vielen Sicker­gru­ben, durch die das Abwasser wieder zurück ins Grund­was­ser gelangte. Wer es sich leisten konnte, ließ deshalb sein Trink­was­ser in Fässern aus Durlach und Umgebung heran­fah­ren.

Der unerfüllte Wunsch nach reinem Wasser führte in Karlsruhe erst nach den napoleo­ni­schen Kriegen zu konkreten Planungen. Der Bürger­meis­ter von Durlach wies 1819 auf die ungenutzte Quelle neben dem alten Durlacher Brunnen­haus und der Bäder­brün­ne­les­quelle hin, deren Wasser bisher in der sumpfigen Niederung der Weiher­gär­ten versi­ckerte. 1821 wurde eine Kommission eingesetzt, die die Möglich­keit der Fassung der Quelle und ihrer Leitung nach Karlsruhe unter­suchte. Ihr gehörten u.a. der wegen seiner Rhein­be­gra­di­gung berühmt gewordene Ingenieur Johann Gottfried Tulla, Baudi­rek­tor Friedrich Weinbren­ner sowie der "Mechanik und Mühlen-Baukunst-Practicus" Joseph Haberstroh aus Ettlingen an. Ihre gemeinsame Planung wurde 1822 vom Großher­zog genehmigt und bis 1824 realisiert.

Über der neu gefaßten Quelle an der heutigen Ecke von Badener und Marstall­straße wurde ein weiteres Brunnen­haus errichtet, das Wasser zum alten Turm Ecke Pfinztal- und Badener Straße geleitet und dort eine neue Pumpme­cha­nik eingebaut. Sie erzeugte den nötigen Druck, das Wasser durch zwei gussei­serne Rohre entlang der Durlacher Allee bis nach Karlsruhe zu fördern, wo mehrere laufende Brunnen, etwa jene auf dem Marktplatz, dem Rondell­platz, dem Lidell­platz und dem Ludwig­s­platz gespeist wurden.

Die Brunnen, die denkma­lar­tig die klassi­zis­ti­schen Platz­an­la­gen schmücken sollten, wurden von Friedrich Weinbren­ner entworfen, und Weinbren­ner war auch verant­wort­lich für den Bau des Durlacher Brunnen­hau­ses. Er löste die ungewöhn­li­che Bauaufgabe auf äußerst anspruchs­volle Weise. Über die reine Funkti­ons­er­fül­lung hinaus und völlig anders als die benach­bar­ten älteren, heute verschwun­de­nen Quell­häu­ser, die schlichte Zweck­bau­ten waren, erhielt der massive Bau eine reprä­sen­ta­tive, gedrungen-monumen­tale Form in antiki­sie­ren­der Formen­spra­che. Das mit mächtigen Sandstein­plat­ten gedeckte Satteldach, die wie im Boden versun­ke­nen Pilaster der Wandglie­de­rung oder die archai­sche Bogen­nis­che der Giebel­seite mit dem Portal sind stilis­tisch deutlich von der franzö­si­schen Revolu­ti­ons­ar­chi­tek­tur beein­flusst. Nicht weniger eindrucks­voll zeigt sich das norma­ler­weise nicht zugäng­li­che Innere des Gebäudes. Eine schwere Tonne überwölbt das recht­e­ckige Quell­be­cken, in dem sich das vom Grund aufstei­gende Wasser sammelt. Ein Umgang ermöglicht es dem Besucher, entlang der Aussen­wände das Becken zu umschrei­ten.

Noch heute erfüllt das Gebäude seine Aufgabe als Quell­fas­sung, wenngleich das Wasser nicht mehr der Versorgung der Bevöl­ke­rung dient, sondern ungenutzt über einen offenen Graben der Weiher­gär­ten in die Kanali­sa­tion abfließt. Bis zur Erbauung des Wasser­werks im Oberwald 1871 versorgte es ganz Karlsruhe. Nach dem Neubau des Durlacher Wasser­werks speiste die Quelle von den 1890er bis in die 1960er Jahre noch die Haushalte in Durlach.

Text: Dr. Gerhard Kabierske, Südwest­deut­sches Archiv für Archi­tek­tur und Ingenieur­bau