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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Südliche Oststadt

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"Grabesruhe und Kanonendonner" - im "Gleichschritt" durch die südliche Oststadt

Feldpostkarte, 1. Weltkrieg

Feldpostkarte, 1. Weltkrieg

Die Genese des zwischen dem Rüppurrer Tor und Schloss Gottesaue gelegenen südlichen Teils der Oststadt wurde wesentlich von Begräb­nisplät­zen und Militär­ein­rich­tun­gen geprägt. Den Auftakt zur Erschlie­ßung des nahezu unbesie­del­ten Areals an der östlichen Peripherie Karls­ru­hes markierte die Anlage eines Häusleins zur Verwahrung des Herrschaft­li­chen Pulvers. Das von J. H. Arnold und J. W. Müller 1759 geplante Pulver­ge­wölbe war eine aus dem absolu­tis­ti­schen Festungs­bau­we­sen entlehnte Kasemat­ten­kon­struk­tion in Massiv­bau­weise. Zwanzig Jahre später wurde per markgräf­li­chem Dekret in dessen direkter Nachbar­schaft ein zentraler Friedhof vor unsere hiesige Fürstliche Residenz angelegt.

Preußendenkmal, Stadtarchiv 8/ PBS XIVb 352

Preußendenkmal, Stadtarchiv 8/ PBS XIVb 352

Um den Heeres­ver­meh­run­gen Rechnung zu tragen, ließ das Badische Kriegs­mi­nis­te­rium in den darauf folgenden Dekaden, vor allem während und nach der Rhein­bund­zeit, weitere Bauwerke auf dem "Lohfeld" errichten. Zu diesen zählten neben weiteren Pulver­la­ger­stät­ten eine Militär­wasch­an­stalt am Landgraben und ein Requi­si­ten­ma­ga­zin. Mit Umwandlung der ehemaligen Benedik­ti­ne­r­ab­tei Gottesaue in eine Artil­le­rie­ka­serne im Jahr 1818 wurde indes ein elemen­ta­rer Schritt in Richtung Militär­quar­tier vollzogen. Denn gleich­zei­tig ließ Großherzog Ludwig neben dem städti­schen Friedhof einen Artil­le­rie­übungs­platz und ein Muniti­ons­la­bo­ra­to­rium errichten. Obendrein fiel kurz darauf die Entschei­dung zur Verlegung der Großher­zog­li­chen Geschütz­gie­ße­rei von Mannheim in die Haupt- und Residenz­stadt.
Mit dem Anwachsen der Bevöl­ke­rung und durch Schlie­ßung zahlrei­cher kleinerer inner­städ­ti­scher Friedhöfe erhöhte sich die Anzahl der Bestat­tun­gen auf dem Haupt­fried­hof. Aus diesem Grunde erfolgte mehrfach eine Erwei­te­rung der Fried­hofs­flä­che Richtung Osten, weswegen Mitte der 1840er Jahre auch der Artil­le­rie­übungs­platz versetzt werden musste. In ebendiese Zeit fiel auch die Errichtung der kleinen Fried­hofs­ka­pelle sowie der Gruften­halle, gefolgt vom monumen­ta­len Preußen­denk­mal für die Sieger der Revolu­ti­ons­kämpfe von 1848/ 49.

Munitionsanstalt, Stadtarchiv 8/Alben 3 Bd.1 III/3a

Munitionsanstalt, Stadtarchiv 8/Alben 3 Bd.1 III/3a

Den Stempel des Militär­be­zirks drückte nach 1871 letzt­end­lich die preußische Militär­ver­wal­tung der südlichen Oststadt auf. Sukzessiv entwi­ckelte sich der Bereich entlang der Gottesauer Straße zu einem rein militä­ri­schen Areal, bis Ende des 19. Jahrhun­derts die zivile Erschlie­ßung einsetzte. Zur gleichen Zeit erfuhr das Militär­quar­tier auch seine größte Ausdehnung und allmählich füllten sich die brach­lie­gen­den Flächen zwischen den einzelnen Einrich­tun­gen mit Wohnge­bäu­den.

Das jähe Aus für den ganzen Stadtteil kam mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und des Deutschen Kaiser­reichs: Karlsruhe wurde zur entmi­li­ta­ri­sier­ten Zone erklärt, sämtliche Kaser­nen­bau­ten wurden dem badischen Staat übergeben und fortan für zivile Zwecke genutzt. Die Flächen­bom­bar­de­ments des darauf folgenden Weltkriegs brachten hingegen auf physische Weise das Ende nahezu aller Militärbau-Artefakte: schwer getroffen wurden diese nach Kriegsende abgetragen, und in den meisten Fällen ersetzten anspruchs­lo­se Zweck­bau­ten die alte Bausub­stanz, von Schloß Gottesaue einmal abgesehen.

Text: Tobias Schröder, statt­rei­sen Karlsruhe e.V.