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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Flakstellung

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Die Flakstellung der Luftverteidigungszone-West auf dem Knittelberg in Grötzingen

1939


Schon während der Weimarer Republik errichtete die Reichswehr gegen Ende der Zwanziger Jahre Befes­ti­gungs­an­la­gen entlang der Grenze zu Polen. Unter den Natio­nal­so­zia­lis­ten wurde das Befes­ti­gungs­pro­gramm um ein Vielfaches ausge­wei­tet. Im Westen Deutsch­lands begann man 1935 mit dem Bau von Befes­ti­gun­gen aus Beton, denen aber von der politi­schen Führung zuerst wenig Beachtung geschenkt wurde.

Das änderte sich radikal im Mai 1938, als Hitler den Bau beschleu­ni­gen ließ, um im Herbst über eine zumindest propa­gan­dis­tisch wirksame Rücken­de­ckung im Westen zu verfügen. So wollte er während der von ihm provo­zier­ten Sudeten­krise Frankreich von einem Angriff abhalten. Mit diesen geänderten Vorgaben entstand der Westwall. Parallel dazu baute die Luftwaffe die Luftver­tei­di­gungs­zone West (LVZ-West). Sie sollte nicht nur Luftan­griffe auf das Reichs­ge­biet verhindern, sondern auch eine zusätz­li­che Befes­ti­gungs­zone zur Abwehr von Boden­an­grif­fen bilden.

Grundriss eines „MG-Schartenstandes Typ B“, der auf dem Knittelberg noch dreimal vorhanden ist. Die Luftwaffe entwickelte eigene Bunkertypen („Regelbauten“) auf Basis von im Westwall verwendeten Typen.

Grundriss eines „MG-Schartenstandes Typ B“, der auf dem Knittelberg noch dreimal vorhanden ist. Die Luftwaffe entwickelte eigene Bunkertypen („Regelbauten“) auf Basis von im Westwall verwendeten Typen.

Die Luftver­tei­di­gungs­zone West wurde ab Sommer 1938 konzipiert, um franzö­si­sche Flieger­ver­bände, die weit in den deutschen Luftraum vorstoßen wollten, hinter dem Westwall abzufangen. Dazu wurden Flakbat­te­rien in vorbe­rei­te­te Stellungen auf Höhen aufge­stellt. Auf dem Knittel­berg bei Grötzingen befand sich wahrschein­lich eine solche Stellung für Flugzeug­ab­wehr­ka­no­nen, die die wichtigen Strassen der Umgebung sichern sollte.

Zu ihr gehörten auch einige Bunker. Heute finden sich von den Aufstel­lungs­or­ten der Geschütze, den Flakbet­tun­gen, kaum noch Spuren. Einige der umlie­gen­den Bunker sind dagegen vorhanden. Gezeigt werden die Standorte von verschüt­te­ten Flakbet­tun­gen und die Ruinen von Bunkern für Boden­trup­pen sowie ein so genannter Wasser­bun­ker. Vor Ort wird die Funktion dieser Anlagen erläutert. Ein weiteres Thema ist die aktuelle Diskussion über den Denkmal- und Natur­schutz­wert von Befes­ti­gungs­an­la­gen aus dem Zweiten Weltkrieg. So geht es um die Frage, warum Baden-Württem­berg das letzte Bundesland ist, in dem solche Gebäude abgeris­sen werden, während sie anderswo als Mahnmale einer schreck­li­chen Zeit und als Zeugen der Wehrtech­nik gelten und zudem als Refugium für bedrohte Tier- und Pflan­zen­ar­ten anerkannt werden.

Text: Patrice Wijnands, Klaus Backes, Georg Barth
Zeichnung: Patrice Wijnands, Bild: Michael Bastian