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Karlsruhe: Stadtgeschichte

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"Der Verlauf des Landgrabens im Stadtgrundriss"

Fahrradtour Innenstadt

Karlsruhe, Ende des 18. Jahrhunderts

Karlsruhe, Ende des 18. Jahrhunderts

Der Landgraben ist Karlsruhes ältestes Gewässer. Er existierte schon über 100 Jahre vor der Stadt­grün­dung. 1588 wurde er zusammen mit anderen Gräben künstlich angelegt, um die sumpfigen Wiesen zwischen dem Kloster Gottesaue und Mühlburg zu entwässern. Zum Zeitpunkt der Stadt­grün­dung 1715 war sein Verlauf bereits festgelegt. Er lag damals südlich der neuen Stadt, die in den folgenden Jahrzehn­ten bis an ihn heran wuchs, und war Karlsruhes einziges Fließ­ge­wäs­ser, da die Alb weit außerhalb des ersten Stadt­ge­bie­tes lag.

Sein im Gegensatz zum Stadt­grund­riss nicht symme­tri­scher Verlauf hatte entschei­dende Auswir­kun­gen auf die Gestal­tung der ersten Stadt­er­wei­te­rung südlich der Langen Straße (heute Kaiser­stra­ße). So resultiert die Dreiecks­form des Spital­plat­zes (heute Lidell­platz) ebenso aus dem Landgra­ben­ver­lauf wie die des Ludwig­s­plat­zes. Das Dörfle wuchs bis an den Landgraben, auf dem später die Kapel­len­straße angelegt wurde.

Die äußere Kubatur des Rathauses sowie der Verlauf der Hebel­straße mussten auf den Landgraben Rücksicht nehmen, und die heutigen sogenann­ten Lieferhöfe Bankhof, Südlicher Herrenhof und Erbprin­zen­hof verdanken ihre Existenz der Tatsache, dass es bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhun­derts bautech­nisch proble­ma­tisch und außerdem kostspie­lig war, den ca. 6 m breiten offenen Kanal mit Funda­men­ten und Gebäuden zu überbauen. Dieser Tatsache ist es auch zu verdanken, dass die Häuser in der Durlacher Allee über Vorgärten verfügen und dass die Sophien­straße so großzügig zweispurig angelegt ist.

1768 wurde der Landgraben entlang der heutigen Durlacher Allee als sogenann­ter "Stein­schiff­ka­nal" bis nach Durlach verlängert und an die Pfinz angeschlos­sen. Auf ihm wurden Steine und Holz als Bauma­te­rial nach Karlsruhe trans­por­tiert. Von dieser Funktion zeugt noch der Name der Stein­straße, längs derer der Kanal am ehema­li­gen Fried­rich­stor (heute Mendels­sohn­platz) in die Stadt einfloss. Nach der dortigen Überwöl­bung in den 1870er Jahren verläuft er heute unter der Straße.

Alle Schlacht­häu­ser, die Karlsruhe hatte und hat, wurden jeweils am Landgraben errichtet, um die Abfälle direkt einleiten zu können. Bereits Ende des 18. Jahrhun­derts war der Landgraben durch Schmutz­was­se­rein­lei­tung (außer Fäkalien) zum Abwas­ser­ka­nal geworden, was entspre­chen­de Geruchs­be­läs­ti­gun­gen mit sich brachte. Seine Überwöl­bung war einhundert Jahre lang ein Politikum, zumal die Eigen­tü­mer der anlie­gen­den Grund­stücke sie aus eigener Tasche bezahlen mussten, dafür jedoch den gewonnenen Baugrund übereig­net bekamen. Sie begann 1815 am Lidell­platz, der bis dahin eine Garten­flä­che gewesen war, und erfolgte mit weiterem Stadt­wachs­tum sukzessive bis ins 20. Jahrhun­dert hinein.

Das heutige Stadt­ge­biet wird vom Landgraben praktisch gänzlich von Ost nach West durch­flos­sen. Er ist Teil der modernen Kanali­sa­tion. Den Weg des Landgra­bens durch die Stadt kann man aufgrund seines Einflusses auf den Stadt­grund­riss oberir­disch gut nachvoll­zie­hen.

Text: Miriam Kühnel