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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Hofgut Maxau

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Knielingen

Hofgut Maxau, Leinpfad 24

Ehemaliges Verwalterwohnhaus, 1840

Ehemaliges Verwalterwohnhaus, 1840

Das markgräf­lich badische Hofgut Maxau liegt westlich von Knielingen direkt am Rhein und verdankt seinen Namen dem Markgrafen Maximilian von Baden, der um 1835 die Rhein­in­seln Abtsgrün­del, Langen­grund und Katers­grund kaufte. Seine Entstehung aber verdankt das Hofgut der Rhein­re­gu­lie­rung durch den Ingenieur Tulla, denn die drei ehemals pfälzi­schen Inseln kamen erst durch die Rhein­re­gu­lie­rung nach Baden.

Markgraf Maximilian von Baden wurde 1796 als letzter Sohn des Markgrafen und späteren Großher­zogs Karl Friedrich geboren. Neben seiner militä­ri­schen Karriere hatte Maximilian auch Interesse an Landwirt­schaft und Pferde­zucht, was ihn vermutlich dazu bewog, sich am Rhein nieder­zu­las­sen. Der Markgraf ließ sein erworbenes Gelände urbar machen und verband die drei Inseln mitein­an­der. Im Langen­grund entstand Ackerland, auf dem Katers­grund legte man einen Entenfang an, den es heute noch gibt. Auf der Insel Abtsgrün­del stand 1835 der Abtsgrund­hof. Der Markgraf gab dem Gutshof und dem im gleichen Jahr gegrün­de­ten Ort seinen Namen Maximi­lians-Au. Er wurde etwa 1860 in Maxau abgekürzt.

Das eigent­li­che Hofgut entstand 1840 und hat bis heute seine ursprüng­li­che Hufei­sen­form beibe­hal­ten, obgleich die Scheune und Stallungen 1915 abbrannten und das Hofgut im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört wurde. 1950 wurde daher der nördliche Flügel auf den Funda­men­ten des Vorgän­ger­baus als Wohnhaus des Verwalters wieder­auf­ge­baut. Das ehemalige Verwal­ter­haus, in dem wohl seit den 1930er Jahren eine Gaststätte betrieben wurde, ist das älteste, noch aus der Gründungs­zeit des Hofgutes stammende Gebäude. Es ist einge­schos­sig, fünf Fenster­ach­sen lang und hat ein Krüppel­walm­dach. Auf der südlichen Giebel- und östlichen Traufseite befinden sich zwei Sandstein­por­tale. Es wurde 1967 für die Erwei­te­rung der Gaststätte in enger gestal­te­ri­scher Anlehnung an den Ursprungs­bau um vier Fenster­ach­sen nach Norden verlängert. Zur Zeit ist das Lokal leider geschlos­sen.

Zum Hofgut Maxau, dessen Eigentümer Markgraf Max von Baden-Salem ist, gehören 25 Hektar Ackerland, 70 Hektar Knielinger See und 61 Hektar Auenwald. Die Felder bzw. Gewanne des Hofguts waren nach Mitglie­dern des damaligen badischen Fürsten­hau­ses benannt z. B. Karls Flur, Amalien Flur, Friedrichs Flur. Während in der Vergan­gen­heit zunächst Schafe gehalten und Pferde gezüchtet wurden, lag der Schwer­punkt später bei der Hühner- und Schwei­ne­hal­tung. Seit über 30 Jahren wird das Hofgut jedoch ohne Vieh und mit modernen Maschinen als reiner Acker­bau­be­trieb bewirt­schaf­tet. Schwer­punkt­mä­ßig werden Zucker­rü­ben, Körnermais, Saatmais, Winter­wei­zen und Hanf angebaut. Seit 27 Jahren wird der landwirt­schaft­li­che Betrieb von Thomas und Ute Müller­schön in Eigenregie bewirt­schaf­tet.

Auf dem Areal des Hofguts Maxau lag seit 1838 in der Nähe des 1853 errich­te­ten Tulla-Denkmals ein Lustsch­löss­chen, das die markgräf­li­che Familie kurz nach dem Tod von Maximi­lian 1883 abbrechen ließ, so dass man heute nicht mehr weiß, wie es aussah. Seit 1992 hat der Knielinger Museums­ver­ein im Hofgut Maxau sein Domizil gefunden. Aus einem ehema­li­gen Hühner­stall hat sich ein liebens­wer­tes Museum entwickelt, das inzwischen über eine Ausstel­lungs­flä­che von nahezu 1000 Quadrat­me­tern verfügt. Das Knielinger Museum ist Mitglied des PAMINA-Rheinparks und bildet den nördlichen Eingang zu diesem Landschaftspark.

Modell der Eisenbahn-Schiffsbrücke Maxau

Modell der Eisenbahn-Schiffsbrücke Maxau

Das großflä­chige Museum verfügt über eine Vielzahl sehens­wer­ter Exponate – wie z. B.:

Modell der Eisenbahn-Schiffs­brücke Maxau

Das Modell stellt auf der Grundlage der Origi­nal­pläne eine getreue Wiedergabe (M 1: 87) dieser seinerzeit in Europa einzig­ar­ti­gen Ingenieur­leis­tung dar, die auf mehreren Weltaus­stel­lun­gen gewürdigt wurde. Sie wurde seit 1863 geplant und erbaut und am 8. Mai 1865 in Betrieb genommen. Das Modell stellt auf Pfälzer Seite den baulichen Zustand von 1906 und auf Badischer Seite von 1925 dar. Über die Brücke rollte 73 Jahre die Eisenbahn, bis sie 1938 durch eine modernere Brücke ersetzt wurde.

Modell des Maxauer Rheinbads

Zu den ebenfalls von Markgraf Maximilian ins Leben gerufenen Einrich­tun­gen von Maxau zählte auch das 1859 eröffnete Rheinbad mit einem dreistö­cki­gen Gasthaus, das in der Nähe der Rhein­brücke stand. Das Rheinbad war bei den Karls­ru­hern sehr beliebt, musste aber 1937 leider weichen, als die erste feste Brücke über den Rhein gebaut wurde.

Goldwä­sche­rei

1675 wurde in Knielingen auf markgräf­li­chen Befehl die Goldwä­sche­rei aufge­nom­men, und sie blieb auch bis 1746 unter der Kontrolle des Markgrafen. Seit 1719 musste ein eigens einge­setz­ter Goldwä­sche­rei­in­spek­tor die Arbeit kontrol­lie­ren. Selbst ein Pfarrer diente einmal als Inspektor. Die Goldwä­sche­rei von Knielingen bis Rußheim war zeitweise auch an verschie­dene Knielinger Goldwä­scher verpachtet. Das Goldwa­schen war eine harte Arbeit, musste man doch bei jedem Wetter im Wasser stehen. Um 1720 gab es etwa 10 Goldwä­scher in Knielingen. 1745 begann in Knielin­gen der Niedergang der Goldwä­sche­rei, sodass die Knielin­ger Goldwä­scher ihr Auskommen im Ausland suchen mussten. Als letzter Knielinger Goldwä­scher ist Gottlieb Friedrich Herrmann bekannt, der noch 1910 über die Knielin­ger Wasch­tech­nik berichtete.

Schuh­ma­cher­werk­statt

Die Schuh­ma­cher­werk­statt von August Stieber (28.11.1903-22.01.1985) stammt aus der Knielin­ger Rhein­berg­straße 20. Nachdem im Zuge der Straßen­bahn­ver­län­ge­rung nach Wörth das Stieber­sche Haus im Oktober/No­vem­ber 1995 weichen musste, stellte Familie Stieber die Schuh­ma­che­rei dem Knielinger Museums­ver­ein als Leihgabe zur Verfügung. August Stieber wurde in Wörth geboren, erlernte das Schuh­ma­cher­hand­werk in Neuburg, arbeitete anschlie­ßend auch in Neuburg und später in Knielingen. Der Stieber Gust, wie man ihn in Knielin­gen nannte, kaufte sich nach und nach seine eigene Werkstatt zusammen, meist waren es schon gebrauchte Geräte. Er arbeitete allerdings nie als selbstän­di­ger Schuh­ma­cher, sondern ging zur Eisenbahn, wo sicheres Geld verdient wurde.

Literatur: 1200 Jahre Knielingen 786 – 1986. Hrsg. v. Bürger­ver­ein Knielingen e. V. Karlsruhe 1985 Ludwig Stumpf: Die Maxau, ihre Entstehung, ihre Brücken, ihre Geschichte. Karlsruhe 1974

Text: Ute Müller­schön, Förder­ver­ein Knielinger Museum e.V.