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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Die evangelische Kirche Grünwettersbach

Am Steinhäusle 10, Grünwettersbach

J. Naeher: Kirche, Zeichnung 1883

J. Naeher: Kirche, Zeichnung 1883

Von der ursprüng­li­chen Kirche, die, so darf angenom­men werden, keine Vorgän­ge­rin gehabt hat, steht jetzt nur noch der Turm, der, wie das heutige und das im 18. Jahrhun­dert abgebro­chene Langhaus, aus heimi­schem rotem und gelbem Sandstein erbaut ist.

In welcher Gestalt die Kirche in Grünwet­ters­bach im 12. Jahrhun­dert oder noch etwas weiter zurück erbaut wurde, ist nicht sicher bekannt. Berufene Fachleute sprechen davon, dass der Turm vermutlich frei stand, da die vier Seiten des schlanken Bauwerkes den Ansatz eines Kirchen­schif­fes nicht erkennen lassen.
Die vor Jahren aufge­fun­de­nen Grundrisse der 1781 abgebro­che­nen Kirche zeigen das Langhaus jedoch an den Turm angebaut, was im Hinblick auf das Vorer­wähnte bedeuten würde, dass bereits vor diesem Bauwerk ein Gottes­haus bestanden hat.

Die gedrungene und schlichte Bauweise dieser Kirche – sie erinnert an die um 1071 erbaute Aureli­us­kir­che in Hirsau -, die Massigkeit des Baukörpers, die kleinen Fenster­öff­nun­gen und die schweren Säulen deuten auf romani­schen Baustil hin, wie er im 11. und 12. Jahrhun­dert beim Bau christ­li­cher Kirchen angewandt wurde.
Die 1781 abgebro­chene Kirche war dreischif­fig und wurde getragen von acht in zwei Reihen angeord­ne­ten Säulen. Das Mittel­schiff des Langhauses und auch die Seiten­schif­fe endeten im Osten mit Apsiden. Genau in der Mittel­sachse des Chores war vorne der Taufstein, in der Mitte der Altar und dahinter, erhöht, die Kanzel angebracht. Während der kleinere Chorraum an der Südost­seite das Gestühl für die Würden­trä­ger, Pfarr­an­ge­hö­ri­gen und Kirchen­ge­mein­de­rat­s­mit­glie­der aufnahm, war im Chor auf der Nordseite die fenster­lose Sakristei unter­ge­bracht. Die kleinen Fenster­öff­nun­gen ließen nur wenig Licht in das Kirchen­in­nere dringen. Die Empore war über eine Treppe an der inneren Giebel­seite zum Turm zu erreichen und reichte mittschiffs beidseitig halbrund auslaufend, bis fast unmit­tel­bar zum Chorraum. In der Mitte der nach hinten das Haupt­schiff überde­cken­den Empore stand die Orgel. Der gedrungene Baukörper der Kirche ließ eine natür­li­che Belichtung der Empore nicht zu, so dass für die in der Empore sitzenden Kirchen­be­su­cher das in den unteren Kirchen­raum einflie­ßende Licht ausreichen musste.

In welchem Ausmaß im Laufe der Jahrhun­derte Repara­tu­ren an der Kirche vorge­nom­men werden mussten, ist nicht bekannt. Waren solche erfor­der­lich, so hatten die zur Mutter­kir­che Grünwet­ters­bach gehörenden Dörfer Dürren­wet­ters­bach, Stupferich, Langen­stein­bach, Etzenrot, Spielberg, Busenbach und Mutschel­bach nach einer Bestimmung durch Markgraf Bernhard I. von Baden aus dem Jahre 1395 zum Bau der Kirche und des Glock­en­tur­mes Fuhren zu leisten. In den Zeiten des Dreißig­jäh­ri­gen Krieges (1618-1648) und des Pfälzer (Orléanss­chen) Krieges (1688-1697), als die Kirche, wie aus Berichten aus damaliger Zeit hervorgeht, als Wachthaus und Pferde­stall dienen musste, sind dem Gotteshaus nicht geringe Schäden zugefügt worden.
Literatur
Günther Löffler: "Bauge­schichte von Gotteshaus und Glock­en­turm", in: "Evan­ge­li­sche Kirche Grünwet­ters­bach", Festschrift anlässlich der Wieder­ein­wei­hung der Kirche nach der Renovie­rung, 1986 (gekürzte Fassung)

Benutzte Quellen
Akten und Urkunden im Generallan­des­ar­chiv in Karlsruhe; Akten im Archiv des Evang. Oberkir­chen­rats Karlsruhe;
Archiv der ehem. Gemeinde Grünwet­ters­bach ; Julius Specht: "Grün­wet­ters­bach – ein Beitrag zur Heimat­kun­de", 1887"; Wilhelm Spengel, Heinz-Thilo Krahl: Wetters­ba­cher Heimatbuch, Karlsruhe, o. J. (1972); Wilhelm Spengel: Die Kirche zu Grünwet­ters­bach. In: "Badische Heimat", 49. Jg., 1969, H. 4, S. 441 - 465; Rolf Gustav Haebler: Badische Geschichte, Karlsruhe 1951
Die Grünwet­ters­ba­cher Belange vertretend schreibt Pfarrer M. Johann Linsenmann aus Wildbad am 24. Juli 1695: "Der Grenzfleck Grünwet­ters­bach ist in Wahrheit so verarmt, dass es den noch übrigen weinigen Inwohnern ohnmöglich (ist), ihre Kirche aus aigenen Mitteln in besseren Stand zu setzen, sondern müssten selbige in der Abmangel wider Willen gänzlich in onwider­bring­li­chen Ruin geraten."

Im Beisein von Pfarrer Magister Johann Daniel Beza, Schultheiß Zacharias Löffler, Bürger­meis­ter Cammerer und dem Heili­gen­pfle­ger wurde 1740 ein Bauüber­schlag darüber erstellt, was an der Kirche zu reparieren als aller­nö­tigst befunden wurde.

In baulosem Zustand befand sich auch das Dach der Kirche und der Chorhaube. Weil aber auch das Gestühl und der Holzboden im Inneren der Kirche verfault und abgetreten war, mussten sich die Kirch­gän­ger zu jener Zeit immer wieder einen Platz suchen, an dem sie wenigstens stehend dem Pfarrer zuhören konnten.
Aus diesem von Magister Beza geschrie­be­nen Bericht erfahren wir auch, "dass es im Winter, weil unter dem Gestühl der Boden völlig verfault, für die Weiber gar zu kalt, im Sommer aber wegen (sich bildender) großer Feuchte an die Kirche inwendig vertieft ist und zudem dann auch noch viele Tote darinten begraben liegen, allzu ungesund und ohnluftig ist."

Der drohende und kein Verweilen mehr duldende Einsturz des Kirch­tur­mes veranlasst die "Commun" Grünwet­ters­bach im Jahre 1776 dazu, erneut eine Resolution an die herzog­li­che Landes­re­gie­rung zu Württem­berg zu verfassen, die dann offenbar auch auf wohlwol­len­des Gehör stieß.

Der Bauüber­schlag wurde am 10. Juni 1777 in Stuttgart ratifi­ziert und dem zustän­di­gen Oberamt Neuenbürg zu weiterer Besorgung übertragen. Im Frühsommer 1777 wurde der baufällige Teil des Turmes abgetragen und anschlie­ßend wurden die Instand­set­zungs­ar­bei­ten vorge­nom­men.

Obwohl die Reparatur des Turmes der Gemeinde große Opfer auferlegt hatte, entschloss sie sich bald darauf, auch die Wieder­her­stel­lung des Langhauses vorzu­neh­men. Die treibende Kraft bei diesem Vorhaben scheint der 1777 nach Grünwet­ters­bach gekommenen Vikar M. Hintrager gewesen zu sein. Er unternahm bald Schritte in Stuttgart bei dem dortigen Kirchen­rate und der Regierung wegen der Erneue­rung des Langhauses.

Etzel: Grundriss der alten Kirche, 1778

Etzel: Grundriss der alten Kirche, 1778

Bereits am 29. Juni 1778 war eine Resolution abgefasst worden, die aber wider allem Vermuten abgelehnt worden war, weil, wie begründet wurde, in den bei Herrenalb vorhan­de­nen Amtsrech­nun­gen über den Zeitraum von beinahe einein­halb Jahrhun­der­ten nicht die mindeste Spur vorge­fun­den worden sei, aus der hervorgehe, dass je einmal das Kloster Herrenalb auch nur einen Heller zu dem Kirchen­bau­we­sen in Grünwet­ters­bach hergegeben habe.

Der energische Vicarius Magister Johann Christian Hintrager wurde offenbar damit beauftragt, dieses Schrift­stück nach Stuttgart zu verbringen, und nutzte dort die Gelegen­heit, bei den Herren Dr. Batz und Reg.-Rat Ruff vorzu­spre­chen und sich Rat zu holen. Bei dem herzog­li­chen Advokaten König zu Herrenalb ließ Hintrager daraufhin ein "Memo­rial" verfer­ti­gen, mit dem man dann endlich, und nachdem Reg.-Rat Ruff die Sache in die Hand genommen hat, an entschei­den­der Stelle durch­ge­drun­gen ist. "Auf das hin, so schreibt Vikar Hintrager, habe der Herzog­li­che Kirchenrat sich's bequemt 2/8 der Kosten für das Langhaus zu übernehmen."

Aus einem Bau-Überschlag, der von dem damaligen "Land-Bau-Contro­le­ur" Etzel am 16. Februar 1778 auf Bestellung von Schultheiß Andreas Bodamer gefertigt wurde und zu dem auch zwei Riss- und Schnitt­zeich­nun­gen gehörten, erfahren wir etwas über das Aussehen der alten Kirche sowohl im Inneren wie auch außen.
In der Mitte standen 2 Reihen Säulen und auf dieser ihrer Fläche eine dicke Mauer, auf welcher der Dachstuhl ruhte. Dieser machte, dass die Kirche immer ringsum finster gewesen. Nach diesen 3 Rissen sollte nichts Haupt­säch­li­ches verändert werden, außer dem Dach, das gebrochen gezeich­net wurde.

Nach seinen Aufzeich­nun­gen waren die Fundamente auf der langen Seite der Kirche gegen "Mittag" (Südseite) 99 Schuh lang, 7 Schuh tief und 5 Schuh breit; gegen "Mitter­nacht" (Nord­sei­te) 99 Schuh lang, 7 ¼ Schuh tief und 5 Schuh breit. An der oberen (west­li­chen) Giebelwand waren die Funda­men­te einerseits vom Turm 20 Schuh lang, 7 Schuh tief und 5 Schuh breit und anderer­seits ebenfalls 20 Schuh lang, 7 ¼ Schuh tief und 5 Schuh breit. Die Fundamente unter den Posta­men­ten der Säulen waren 6 Schuh tief.

Vikar Hintrager vermerkt dazu: "Dieser Bauüber­schlag supponiert (setzt voraus), dass der große mittlere und die zwei kleinen Chöre hätten stehen bleiben sollen; die aber bei der Unter­su­chung ebenso baufällig (waren) als das Langhaus erfunden wurde.

Mit Datum vom 16. Januar 1781 wurde dieser Bau-Überschlag vom Herzog­li­chen Kirchenrat genehmigt und zur weiteren Veran­las­sung dem Oberamt Neuenbürg übertragen.

Am 13. August 1781 wurde mit dem gefahr­vol­len Abbruch der alten Kirche begonnen und im Frühjahr 1782 der Neubau in Angriff genommen.
Am 11. Juli 1782 wurde der Grundstein zum neuen Langhaus gelegt.

Auf Martini (11. November) 1783 wurde das Kirchen­lang­haus fertig­ge­stellt und am 16. November, dem 22. Sonntag nach Trinitatis, eingeweiht.

Im Oktober 1973 stieß man bei Ausschach­tungs­ar­bei­ten für die neue Beheizung im Inneren der 1782 erbauten Kirche in ca. 80 Zenti­me­tern Tiefe auf sauber gemauerte Funda­ments­reste, die, so darf mit Sicherheit angenommen werden, als Posta­men­te bez. Unterbau der Mittschiffs der alten Kirche stehenden Säulen dienten.


Text: Günther Löffler