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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Die ehemalige Grenadierkaserne: Sitz der fachlichen Denkmalpflege in Nordbaden

Moltkestraße 74, Weststadt

Ehemalige Grenadierkaserne


Vom Kasernendrill zum Verwaltungszentrum

Die Grena­dier­ka­serne wurde 1893-1897 nach Plänen des Garnisons-Baubeamten Jannasch und der Bauleitung der könig­li­chen Regierungs-Baumeister Buschen­ha­gen und Kaiser errichtet. Das Grundstück der Kaserne ist etwa fünf Hektar groß, und die Gebäude gruppieren sich um einen großen zentralen Exerzier­platz. Auf drei Seiten stehen sechs große Mannschafts­ge­bäude, die jeweils zwei Kompanien aufnehmen konnten. Zwischen den Mannschafts­häu­sern wurden drei kleinere Wirtschafts­ge­bäude mit Wasch- und Speise­funk­tion einge­stellt.

In den Ersten Weltkrieg war das Leibgre­na­dier­re­gi­ment 1914 mit 3000 Soldaten nach Frankreich ausgezogen. Von den insgesamt 25.000 Männern der immer wieder verstärk­ten Truppe, die in den mörde­ri­schen Graben­kämp­fen um Verdun kämpfte, kehrten 3 500 nicht mehr nach Hause zurück. Nach der Auflösung des Leibgre­na­dier­re­gi­ments 1919, es hatte seit 1803 bestanden, wurde das Kaser­nen­ge­lände zum Gewer­be­ge­biet und beher­bergte - wie auch heute wieder - zivile Behörden, unter anderen die Landes­po­li­zei­schule.

Nach Besetzung der entmi­li­ta­ri­sier­ten Zone durch die Reichswehr quartierte sich 1936 das Infan­te­rie­re­gi­ment 109 in der Kaserne ein, nun unter natio­nal­so­zia­lis­ti­schem Oberkom­mando. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Militär­ge­bäude für einige Jahre zur provi­so­ri­schen Unterkunft für Heimat­ver­trie­bene. Erst 1952, nach Aufhebung der starren Militär­zo­nen­auf­tei­lung, bezog die franzö­si­sche Armee die Grena­dier­ka­serne und nannte sie "Quartier General Pagezy". Die franzö­si­schen Soldaten verließen die Kaserne 1991.

Das Haus Moltke­straße 74 ist eines der zunächst jeweils etwa 250 Soldaten beher­ber­gen­den Mannschafts-gebäude. Im Jahre 1918 kamen pro Mannschafts­ge­bäude noch einmal sechs Schlafsäle mit jeweils 20 Mann hinzu, damals entfernte man das dritte und mittlere Treppen­haus und ersetzte es durch einen mächtigen Risalitbau. Die Mannschafts­räume wurden mit eisernen Kanonen­ö­fen beheizt, in den übrigen Zimmern standen Kachelöfen. Bei Dunkelheit wurden die Mannschafts­ge­bäude mit Petro­le­um­lam­pen erhellt. In den Kompanie- und Wirtschafts­ge­bäu­den gab es damals noch keine Aborte. Vier einge­schos­sige Latri­nen­ge­bäude befanden sich einst, jeweils etwa 10 Meter von den Mannschafts­ge­bäu­den entfernt, bei den Eckpunkten des Exerzier­plat­zes.
In den vorsprin­gen­den Flügel­bau­ten der Kompa­nie­ge­bäu­de befanden sich Wohnungen für ledige Offiziere und Unter­of­fi­ziere, Ärzte und die Revier­kran­ken­stu­ben. Verhei­ra­tete Unter­of­fi­ziere wohnten in den drei Famili­en­häu­sern der Kaserne, die auch von der Straße aus zugänglich waren und den Komfort von internen Latrinen und Wasser­an­schlüs­sen genossen.

Text: Dr. Clemens Kieser, Referat 25 für Denkmal­pflege im Regie­rungs­prä­si­dium Karlsruhe

Ausstel­lung zur histo­ri­schen Baufor­schung

Im Regie­rungs­prä­si­dium Karlsruhe werden Ergeb­nis­se histo­ri­scher Baufor­schung aus dem Bereich des Regie­rungs­be­zir­kes in einer kleinen Ausstel­lung gezeigt.

Baufor­schung ist kein Selbst­zweck:
Durch die Kenntnis der Entste­hungs- und Verän­de­rungs­ge­schichte eines Hauses können Sanie­run­gen einerseits zielge­rich­te­ter und effektiver vorge­nom­men werden. Anderer­seits kann bereits im Vorfeld der Sanierung festge­stellt werden, welche Beson­der­hei­ten ein Haus hat. Deren Erhaltung kann dann in der Planung viel besser berück­sich­tigt werden.

Überdies ergeben sich durch die Baufor­schung wichtige Erkennt­nisse zur Geschichte eines Hauses; in der Zusam­men­schau der Forschun­gen auch zur Stadt- und Regio­nal­ge­schichte.

Ein Teil der Baufor­schung sind restau­ra­to­ri­sche Unter­su­chun­gen, beispiels­weise von Anstrichen. Bei einem Neuverputz eines Gebäudes gehen die bauzeit­li­chen Farbfas­sun­gen verloren. Eine Bestand­ser­fas­sung stellt dann sicher, dass das Wissen um die Fassungen aus der Bauzeit, aber auch um Verän­de­run­gen, nicht verloren geht. Auch Archi­vre­cher­chen oder Analysen von histo­ri­schen Fotogra­fien sind Teil der Baufor­schung.

Der Schwer­punkt der Ausstel­lung liegt auf Ergeb­nis­sen aus Karlsruhe.

Erläutert werden u. a. die für die Karls­ru­her Stadt­ge­schichte spekta­ku­lä­ren Ergebnisse der jüngsten Baufor­schung in der Waldstraße, demnach haben hier heute noch drei Häuser aus den ersten 3 Jahren der Stadt „überlebt“. Anhand der Ergebnisse aus der Waldstra­ße 17 und dem unwesent­lich jüngeren „Seiler­häus­chen“ in der Kaiser­straße wird deutlich, wie, vor allem aber mit welchen Umbau­maß­nah­men der Hausbe­sit­zer, die Stadt seit den 1750er Jahren ihr Gesicht veränderte. Zu sehen sind aber auch Ergebnisse aus Durlach sowie verschie­dene „kleine“ Analy­se­er­geb­nisse aus dem Stadt­ge­biet und weitere Forschungs­er­geb­nisse aus dem Regie­rungs­be­zirk.

Text: Christoph Schwarz­kopf, Referat 25 für Denkmal­pflege im Regie­rungs­prä­si­dium Karlsruhe

Ausstel­lung zu Methoden und Ergeb­nis­sen der archäo­lo­gi­schen Denkmal­pflege

Archäo­lo­gi­sche Denkmal­pflege umfasst weit mehr als das Freilegen und Dokumen­tie­ren von im Boden verbor­ge­nen Mauer­res­ten und Gräbern. Die archäo­lo­gi­sche Ausgrabung ist zwar nach wie vor ein wichtiges Instrument - aber sie ist oft die letzte denkmal­pfle­ge­ri­sche Konsequenz um ein wichtiges Kultur­zeug­nis vor der drohenden Zerstörung zu dokumen­tie­ren und so weit wie möglich zu bergen. Das vorrangige Ziel sind aber der Schutz und die Erhaltung archäo­lo­gi­scher Denkmäler im Boden - was sich im Detail oft nicht einfach gestaltet.

Archäo­lo­gi­sche Denkmäler sind meistens oberfläch­lich kaum sichtbar - ihre genaue Ausdehnung und ihre Qualität bzw. der Erhal­tungs­grad lassen sich nur durch gezielte Unter­su­chun­gen feststel­len. Deshalb kommt dem Bereich der Prospek­tion und Inven­ta­ri­sa­tion hier immer größere Bedeutung zu. Die Luftbild­ar­chäo­lo­gie z.B. macht verborgene Strukturen im Boden anhand von Bewuchs oder Verfärbung sichtbar. Die syste­ma­ti­sche Erfassung neu entdeckter archäo­lo­gi­scher Denkmäler ist auch eine wichtige Voraus­set­zung um die Belange der archäo­lo­gi­schen Denkmal­pflege recht­zei­tig in Planungs­ver­fah­ren einbringen zu können.

Am Tag des offenen Denkmals werden Beispiele aus der aktuellen Arbeit der archäo­lo­gi­schen Denkmal­pflege im Regie­rungs­be­zirk Karlsruhe vorge­stellt, etwa neu entdeckte keltische Eisen­pro­duk­ti­ons­stät­ten im Nordschwarz­wald, die zu den ältesten Belegen für Eisen­pro­duk­tion in Mittel­eu­ro­pa gehören. Auch Origi­nal­funde aus keltischen und frühmit­tel­al­ter­li­chen Gräbern können im Rahmen der Führungen besichtigt werden.

Text: Dr. Günther Wieland, Referat 25 für Denkmal­pflege im Regie­rungs­prä­si­dium Karlsruhe