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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Evangelische Christuskirche

Kaiserallee 2, Weststadt

Chronologie und Geschichte der Orgeln

Ornamen­tie­rung und Farbge­stal­tung im Innenraum

Die 1900 einge­weihte Chris­tus­kir­che, erbaut von Curjel & Moser, spiegelt in archi­tek­to­ni­scher Detai­l­aus­for­mung und Farbge­stal­tung den Übergang zwischen Histo­ris­mus und Jugendstil wider. Während der Ausar­bei­tung der Entwürfe werden einzelne Details fortlau­fend stilis­tisch verändert, rückbli­ckend schreiben die Archi­tek­ten in der Einwei­hungs­schrift: "Es war nicht beabsich­tigt, die Kirche in einer bestimmten, historisch festge­leg­ten Stilrich­tung durch­zu­füh­ren, sondern dieselbe auf gotischer Grundlage aus dem Innern und der Zweck­mä­ßig­keit heraus zu erbauen, und sie mit frischem Ornament zu schmücken." (Lit. 1, S.22)

Bis auf einzelne gotische Zierformen zeigt die Ornamen­tie­rung des Kirchen­rau­mes durchweg der Natur entnommene Motive, vorwiegend das der Meeralge, in unter­schied­li­cher Ausprägung in Metall, Stein, Holz und als Gewöl­be­ma­le­rei wieder­keh­rend. Die Liebe zum Detail, das sich trotzdem immer der großen Form unter­ord­net, wird beispiels­weise in der Ausge­stal­tung der Türklin­ken erkennbar, die, zu langen Peitschen ausge­schmie­det, bei jeder Tür in anderer Form zum Griff geschlun­gen sind. Die Farbgebung im Kirchen­raum ordnet sich der Wirkung der Archi­tek­tur und der kunst­vol­len Buntglas­fens­ter unter. Die durch helle Fugen betonte Gliederung des Werksteins wird auf den die Fenster umgebenden Wandflä­chen unter den Emporen als Quader­ma­le­rei fortge­führt. Diese imitierte Stein­sich­tig­keit unter­stützt den Eindruck von Stand­fes­tig­keit und ist Gegen­ge­wicht zur Leich­tig­keit der Stern­ge­wölbe, die durch die hellen Decken­flä­chen ohne Ornamen­tie­rung erzeugt wird. Die Konzen­tra­tion der Ausge­stal­tung liegt auf Altarraum, Kanzelwand und Orgelem­pore. Im Kontrast zum hellen Stein der Bildhau­er­ar­bei­ten und dem Glanz der vergol­de­ten Kanzel­ni­sche ist die darüber­lie­gende Empore in dunkleren Farben gehalten: Blau in der durch­ge­hen­den Quaderung der Wandflä­chen und dem Holzsockel der Orgel, Blau- und Grüntöne "teppichar­tig" (Lit.1, S.20) in den Gewöl­be­flä­chen. Der die Orgel umgebende Raum erhält dadurch eine geheim­nis­volle Tiefe. Ähnlich reich ornamen­tiert zeigt sich die Vorhalle mit gemaltem Flecht­werk im Gewölbe und Quader­ma­le­rei im oberen Teil der Wandflä­chen und der Konfir­man­den­saal mit einem wandfül­len­den Fresko von Hellmuth Eichrodt und Kameli­en­ran­ken in den Laibungen der Fenster­ni­schen.

Im Vorlauf und während der aktuellen Renovie­rungs­maß­nah­men findet eine restau­ra­to­ri­sche Unter­su­chung der vorhan­de­nen Malschich­ten statt. Sie dient dazu, Bestand und Beschaf­fen­heit histo­ri­scher Schichten zu erfassen und zeitlich einzu­ord­nen. Es können hierbei Erkennt­nisse über das bauzeit­li­che Farbpro­gramm gewonnen und entspre­chen­de Aussagen in vorhan­de­nen Archi­va­lien überprüft werden. Durch Einbe­zie­hung der Unter­su­chungs­er­geb­nisse ist es bereits bei der Planung eventu­el­ler Umbauten möglich, histo­ri­sche Substanz vor Eingriffen zu bewahren. Darüber hinaus dienen sie als Grundlage für die Erarbei­tung eines Farbkon­zepts bei den anste­hen­den Maler­ar­bei­ten.

Der Kirchen­raum zeigt bis auf einzelne spätere Ausbes­se­run­gen die Farbfas­sung von 1978.

Bei strati­gra­fi­schen Unter­su­chun­gen (schicht­wei­ses Abtragen der vorhan­de­nen Malschich­ten im Makro-Bereich) können insgesamt 7 Zustände in Kirche und Vorhalle festge­stellt werden, die sich durch Auswertung der vorhan­de­nen Archi­va­lien zeitlich bestimmten Verän­de­run­gen im Kirchen­raum zuordnen lassen. Da die erste Malschicht in den meisten Bereichen nur in geringsten Resten erhalten ist, erweist sich bei dieser Unter­su­chung das erhaltene Bildma­te­rial von 1900 als besonders hilfreich zur Vervoll­komm­nung des Gesamt­bil­des einer bauzeit­li­chen Fassung. Beispiels­wei­se ist, angeregt durch ein bauzeit­li­ches Foto mit einem kleinen Ausschnitt der Südempore, nach gezielter Unter­su­chung in diesem Bereich das Vorhan­den­sein einer 1978 nicht wieder aufge­nom­me­nen Quader­ma­le­rei im unteren Wandbe­reich bis zum Gewöl­be­an­satz nachge­wie­sen. In einzelnen vorher nicht zugäng­li­chen Bereichen wie z.B. an den Decken­flä­chen wird die Unter­su­chung mit Fortschrei­ten der Renovie­rungs­maß­nah­men vervoll­stän­digt werden.

Literatur:
1) Chris­tus­kir­che Karlsruhe, 14. Oktober 1900, Karlsruhe 1900

2) 75 Jahre Chris­tus­kir­che,1900-1975, Hrsg. Pfarräm­ter der Chris­tus­kir­che, Eggenstein 1975

3) 1900-1988, Chris­tus­kir­che, Hrsg. Pfarrämter der Chris­tus­kir­che, Eggenstein 1988

4) 100 Jahre Chris­tus­kir­che Karlsruhe, 1900-2000, Karlsruhe 2000

5) Curjel & Moser, Städte­bau­li­che Akzente um 1900 in Karlsruhe, Ausstel­lungs­ka­ta­log Badischer Kunst­ver­ein Karlsruhe 1987

Text: Ute Friederike Schlee, Restau­ra­to­rin

Kanzelwand, Foto von 1900

Kanzelwand, Foto von 1900

Entwurfsskizze Vierungsgewölbe, ETH Zürich

Entwurfsskizze Vierungsgewölbe, ETH Zürich

Entwurfsskizze Eingangsemporengewölbe, ETH Zürich

Entwurfsskizze Eingangsemporengewölbe, ETH Zürich

Vorhalle, Foto von 1900

Vorhalle, Foto von 1900

Emporensäulen und –gewölbe, Foto von 1900

Emporensäulen und –gewölbe, Foto von 1900