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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Evangelische Lutherkirche

Durlacher Allee 23, Oststadt

Blick zur Kanzelwand, Foto: Lutherkirche Karlsruhe, Festschrift, 10.11.1907

Blick zur Kanzelwand, Foto: Lutherkirche Karlsruhe, Festschrift, 10.11.1907

Bauherr:
Evange­li­sche Kirchen­ge­meinde Karlsruhe
Archi­tek­tur­büro:
Curjel & Moser, Karlsruhe
Künst­le­ri­sche Mitar­bei­ter:
Hermann Binz (Kanzel­wand), Oskar Kiefer (Bauplas­tik), Max Laeuger (Fenster), Voit & Söhne (Orgel), Gebrüder Bachert (Glocken), Heinrich Altherr (Mosaik)
Baupro­gramm:
Kirche mit Gemein­de­saal, Pfarrhaus und Garten
Bauge­schichte:
Planung seit 1889
Bauzeit
1905-1907
Einweihung
10.11.1907
Verän­de­run­gen:
Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, weitest­ge­hend origi­nal­ge­treuer Wieder­auf­bau bis 1948
1961 Fenster (Klaus Arnold), 1971 Taufstein (Kurt Wesch), 1983-1984 Innen­raum­re­stau­rie­rung
2001 Orgel (Mönch Orgelbau)

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Wunsch, die Kirche wieder als Gottes­diens­traum zu nutzen, Antrieb aller Wieder­auf­bau­leis­tun­gen dieser Jahre. Dabei standen die Instand­set­zung der Kirche und die Wieder­be­schaf­fung von Glocken und Orgel im Vorder­grund. Deshalb wurde die Kirche im Innern zunächst nur mit einem Akustik­putz versehen und hellgrau gestrichen. Zu dieser Raumfas­sung passend entwarf 1961 Klaus Arnold die ornamen­tale Verglasung der Bogen­fens­ter sowie den Vaterunser-Zyklus der kleinen Fenster unterhalb der Emporen.

Erst 15 Jahre später, Ende 1976, beantrag­ten die Ältes­ten­kreise eine Innen­re­no­vie­rung im "alten Stil" der Kirche zum 75-jährigen Kirchen­ju­bi­läum 1982. 1980 erhielt der Restau­ra­tor Horst Leyen­de­cker aus Grötzingen den Auftrag, in Zusam­men­ar­beit mit dem Landes­denk­mal­amt das "Farbkleid des Innen­rau­mes" möglichst origi­nal­ge­treu wieder­her­zu­stel­len, um "den Eindruck eines einheit­li­chen, harmonisch durch­ge­führ­ten Ganzen, das durch Archi­tek­tur und Farbe bestri­ckend wirkt" (Friedrich Hoepfner, Festschrift, 1907, S. 15), wieder zurück zu gewinnen. Grundlage der Farbgebung aller Malereien und Vergol­dun­gen bildeten die vorhan­de­nen Bilder und die Baube­schrei­bung mit den genauen Farban­ga­ben von Curjel & Moser.

Die Vorbe­rei­tungs­ar­bei­ten zu den eigent­li­chen Restau­rie­rungs­ar­bei­ten gerieten zu einer einzigen Entde­ckungs­tour. Nach vorsich­ti­gem Ablösen der Nachkriegs­farb­schich­ten und des Putzes fand man oftmals einen noch gut erhaltenen Origi­nal­putz und auf ihm Reste der Origi­nal­an­stri­che und -malereien. Unter den Heizkör­pern und den Bänken in den äußeren Ecken der Seitenarme konnte man Reste des ursprüng­li­chen orange­gel­ben Linole­um­bo­dens sichern. Auch das Mosaik­mus­ter im Altar­be­reich wurde nach einer Grund­rei­ni­gung durch Ersetzen der fehlenden Steinchen in der ursprüng­li­chen Form wieder herge­stellt. Nur die Farbgebung der großen Bauplastik an der Kanzelwand ließ sich nicht wieder rekon­stru­ie­ren, da man nach dem Krieg sämtliche Farbe abgestrahlt hatte.

Am 1.Advent1984 wurde die Luther­kir­che in einem festli­chen Gottes­dienst wieder geweiht.

Literatur:
Helmut Pilder und Horst Leyen­de­cker: Zurück in den Jugendstil – Die Kirchen­re­stau­rie­rung 1980/84, in: RUNDum LUTHER, Festschrift zum 100. Geburtstag der Luther­kir­che Karlsruhe, Karlsruhe 2007, S. 134 - 144



Chrono­lo­gie


1889
Erste Planungen im Zuge der Oster­wei­te­rung der Stadt Karlsruhe
1. August 1901
Philipp Weidemeier wird der erste Pfarrer der damals noch so genannten Neuost­stadt­ge­meinde. Er bleibt bis September 1933 im Amt.
15. März 1905
Erster Spaten­stich<
31. Mai 1905
Grund­stein­le­gung im Beisein des Großher­zogs ("als Grundstein wird der Haupt­por­tal­pfei­ler links, vielleicht ca. 1,00 m über dem Kirchen­bo­den bezeich­net")
20. September 1906
Stiftung der "Eheju­bi­lä­ums­glocke" anlässlich des 50. Hochzeits­ta­ges des großher­zog­li­chen Paares, wie die 3 weiteren Glocken von der Firma Bachert, Karlsruhe, gegossen
10. November 1907
Einweihung der Kirche an Luthers Geburtstag
1919
Anbringen einer Gedenk­ta­fel für die Gefallenen des Ersten Weltkrie­ges
1920
Teilung der Neuost­stadt­ge­meinde in Luther- und Gottesauer Gemeinde. Die beiden Pfarrer halten abwech­selnd Gottes­dienst in der Luther­kir­che.
20. Juli 1924
Einweihung der "zweiten" Glocken, ebenfalls von Bachert, Karlsruhe, nachdem der erste Satz Glocken im Ersten Weltkrieg zum Einschmel­zen abgegeben worden war.
24./25. April 1944
Erster schwerer Bomben­an­griff: In der Kirche brennt die Westempore aus und alle Fenster von Max Laeuger werden zerstört.
8. September 1944
Zweiter schwerer Bomben­an­griff: Zerstörung des Kirchen­da­ches, des Pfarr­hau­ses und des Konfir­man­den­saals. Die Bausub­stanz der Kirche bleibt erhalten.
März 1946
Beginn der Wieder­auf­bau­ar­bei­ten
24. September 1948
Die Kirche wird zum ersten Mal wieder zum Gottes­dienst benutzt.
Ende 1951
Mit der Errichtung des Daches ist der Wieder­auf­bau der Kirche abgeschlos­sen.
1. Advent 1953
Einweihung der Walcker-Orgel, Ludwigs­burg
April 1956
Nach weiteren 5 Jahren sind auch Pfarrhaus und Konfir­man­den­saal fertig gestellt.
15. April 1956
Einweihung des "dritten" Glocken­sat­zes, wieder von der Firma Bachert, Karlsruhe
10. November 1961
Montage der im Krieg zerstörten Turmuhr
16. Dezember 1961
Der Einbau der Fenster von Klaus Arnold ist abgeschlos­sen.
1971
Die Kirche erhält einen Taufstein.
1983-1984
Innen­re­stau­rie­rung der Kirche nach origi­na­lem Vorbild
4. November 2001
Einbau der neuen Mönch-Orgel, Überlingen
1. September 2004
Fusion der beiden Gemeinden zur Luther­ge­meinde
11.11.2007
Festgot­tes­dienst zum 100. Geburtstag der Kirche

Literatur:
Dany Jacqueline Gotzmann, Jürgen Krüger: Die Luther­kir­che in Karlsruhe, arte factum, Karlsruhe 2007


Text: Dany Jacqueline Gotzmann