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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Das ehemalige Krematorium auf dem Karlsruher Hauptfriedhof

Haid-und-Neu- Straße 35-39, Oststadt

Der historische Ursprung der Kleinen Kapelle als Krematorium

Die Kleine Kapelle auf dem Hauptfriedhof


In den Jahren 1903-04 entstand im Südwesten des Haupt­fried­hofs an erhöhter Stelle eines der ersten Krema­to­rien Deutsch­lands nach den Plänen des Archi­tek­ten August Stürzen­acker (1871-1943(1)).

Das von Stürzen­acker errichtete Bauwerk ist ein frühes Beispiel einer an christ­li­cher Baukunst orien­tier­ten Krema­to­rien-Archi­tek­tur. Das an eine romanische Kapelle erinnernde Gebäude gilt, mit seinen stilis­ti­schen Merkmalen der Neoromanik sowie den Jugend­stil­ele­men­ten des Innenraums, als wichtiger Eckstein der deutschen Bauge­schichte. Beach­tens­wert ist die Innen­ge­stal­tung. Der Kunstmaler Josef Asal schuf an der Kanzelwand ein Gemälde, das die Verschie­den­heit der mensch­li­chen Schicksale darstellt. Es ist eben ein "Kultur­denk­mal von besonderer Bedeutung".

August Stürzenacker: Entwurf zur Erweiterung des Krematoriums, 1907

August Stürzenacker: Entwurf zur Erweiterung des Krematoriums, 1907

Planungsgedanken über eine Gebäudeerweiterung

Sehr früh schon muss sich gezeigt haben, dass die vorhan­de­nen Räumlich­kei­ten nicht ausrei­chend waren. Stürzen­acker reagierte schon 1905 mit einem Entwurf zum Anbau einer Sänge­rem­pore. Zwei Jahre später, 1907, legte er einen "Entwurf zur Erwei­te­rung des Krema­to­ri­ums Karls­ru­he" vor, mit beidsei­ti­ger Erwei­te­rung der Kapelle zu einem Versamm­lungs­raum auf fast die doppelte Größe. Keiner dieser Entwürfe wurde jedoch ausgeführt.

Im Jahre 1992 wurden dann wieder Erwei­te­rungs­plä­ne erarbeitet. An der nördlichen Giebel­seite sollte ein pavil­lon­ar­ti­ger Ergän­zungs­bau errichtet werden, durch einen Glaszwi­schen­be­reich mit dem Hauptbau verbunden. Aber auch diese Planung wurde verworfen. Das Gebäude ist somit fast ein ganzes Jahrhun­dert ohne Verän­de­rung geblieben.

Die Umnutzung des ehemaligen Krematoriums zur Kleinen Kapelle

Die Kleine Kapelle auf dem Hauptfriedhof


Seit Inbetrieb­nahme des neuen Krema­to­ri­ums beim Haupt­fried­hof im Jahre 1998 stand das histo­ri­sche Krema­to­rium leer. Neue Nutzungs­über­le­gun­gen sahen den Umbau zu einer konfes­si­ons­neu­tra­len Ausseg­nungs­halle alter­na­tiv zur Haupt­fried­hofs­ka­pelle vor.

Der Umbau erfolgte in den Jahren 2000 bis 2002 durch das Karlsruher Archi­tek­tur­büro Barbara Kollia-Crowell und Robert Crowell.

Die Umgestal­tung zum Zweck einer aktuellen Nutzung verlangte sowohl einen sensiblen, sachkun­di­gen Umgang mit dem histo­ri­schen Kontext des Gebäudes als auch mit der neuen Anfor­de­rung als Trauer­halle. Primäres Ziel dabei war es, das Gebäude in seiner histo­ri­schen Bausub­stanz zu erhalten sowie instand zu setzen und dabei den eigent­li­chen Kapellen-Innen­be­reich als konfes­si­ons­über­grei­fen­den Raum des letzten Abschieds zu präsen­tie­ren.

In einem eigen­stän­di­gen, kunstvoll-lebendigen Stil zeigt sich hingegen der neu geschaf­fene Raum zur Aufbahrung und persön­li­chen Abschied­nahme im ersten Unter­ge­schoss. Durch eine gezielte Licht­füh­rung sowie eine offene und flexible Gestaltung entstand eine helle, trans­pa­rente und freund­li­che Raumsi­tua­tion, die auch in der Trauer eine positive Kraft vermittelt.

(1) Bauten von August Stürzen­acker (1871-1943):
  • Hafen­di­rek­tion des städti­schen Rhein­ha­fens (zusammen mit Städti­schem Hochbauamt 1899-01)
  • Städti­scher Rheinhafen, Elektri­zi­täts­werk (zusammen mit Städti­schem Hochbauamt 1899-01)
  • Karlsruhe: Schil­ler­schule (1902-04), Krema­to­ri­um (1903-04), Haupt­bahn­hof (1913)
  • Kurhaus Baden-Baden (1912-16), Bäder­bau­ten Baden­wei­ler (1908-35)
  • Rat- u. Schulhaus Königs­feld/Schwarz­wald, Rathaus Amrig­schwan­d/St. Blasien

Große und kleine Stätten des letzten Abschieds - die Kapellen des Karlsruher Hauptfriedhofs

Verträumte Pfade in die Vergangenheit auf dem Hauptfriedhof

Der Karlsruher Hauptfriedhof