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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Kapelle auf dem Alten Friedhof

Waldhornstraße 61/Ecke Kapellenstraße - Oststadt

Bereits 1835 war der Plan für eine Fried­hofs­ka­pel­le fertig­ge­stellt, die das alte Bethaus ersetzen sollte. Die Kapelle sollte über 16 Grabgruf­ten errichtet werden. 1837 erbaute Baurat Friedrich Eisenlohr die um eine Apsis mit der 17. Gruft und ein Glock­en­türm­chen erweiterte Kapelle.

Die aus Rotsand­stein gemauerte Kapelle war in der Nähe des Hauptein­gangs an der Waldhorn­straße errichtet worden. Die Mittel zum Bau hatte die 1834 verstor­bene Hofmetz­gers-Witwe Regine Reuter gestiftet. Ihr Grabmal findet sich über der Gruft rechts neben dem Hauptein­gang der Kirche (hinter dem Schau­kas­ten). Geweiht wurde die Kapelle 1842. Nach der Leichen­ord­nung von 1848 war die Fried­hofs­ka­pelle "der Ort, wo die Beerdi­gun­gen, die Leichen­re­den, soweit sie statt­fin­den, gehalten werden." Da die Kirche Einwohnern von Klein-Karlsruhe (Dörfle) auch als Gottes­diens­traum diente, durften in die Kapelle keine Särge gebracht werden.

Unter der Kapelle befinden sich 17 Grüfte. Der Zugang zu den Grüften erfolgte von außen. Über den heute verschlos­se­nen Zugängen befinden sich die Grabplat­ten mit Namen und Todesjahr der Bestat­te­ten. Unter der Apsis liegt Staatsrat Winter bestattet. Sein Denkmal befindet sich beim Albtal­bahn­hof. Außerdem sind unter der Kapelle die Eltern Viktors von Scheffel und Weltzien bestattet.

Gruften­plan, Friedhofs- und Bestat­tungs­amt, Gruften­buch 1817-1876
Als der Friedhof geschlos­sen werden sollte, beantragte die evange­lisch-luthe­ri­sche Kirchen­ge­meinde Karlsruhe die Überlas­sung der Kapelle zur Abhaltung ihrer Gottes­dienste. Am 9. März 1882 überließ die Stadt der Gemeinde die Kirche mietfrei, mit der Auflage, sie nach Anweisung des Bauamtes zu unter­hal­ten und das Inventar zu stellen.
Am 24. April 1944 wurde die Kapelle bis auf die Umfas­sungs­mau­ern zerstört. Erst 1947 säuberte man die Kirche vom Schutt und vermauerte die Eingangs­tür. Am 10. Mai 1948 schlug die US-Besat­zungs­macht vor, die Kapelle zur Nutzung als US-Garni­si­ons­kir­che wieder aufzubauen. Das Material wollten die Amerikaner liefern, die Arbeits­kräfte sollte die Stadt Karlsruhe zur Verfügung stellen. So fand die Wieder­ein­wei­hung als US-Garni­si­ons­kir­che am 17. Oktober 1948 statt. Zu verein­bar­ten Zeiten durften auch die evange­lisch-luthe­ri­sche Gemeinde und die katho­li­sche Gemeinde, aber auch die evange­li­sche und katho­li­sche Studen­ten­ge­meinde ihre Gottes­dienste in der Kirche abhalten. Ab 8. März 1953 benötigten die Amerikaner die Kirche nicht mehr. Am 1. Juli 1953 übertrug die Stadt der evange­lisch-luthe­ri­schen Gemeinde das Nutzungs­recht der Kirche.

Die Gemeinde richtete sich die Kirche für ihre Zwecke her und ließ eine neue Orgel des Orgel­bau­ers Weissen­born aus Braun­schweig einbauen. 1964 wurde die Kirche noch einmal gründlich innen renoviert. Heizung, Fußboden und Wasser­ver­sor­gung wurden moder­ni­siert. Das neue Altar­kreuz von Prof. Emil Sutor wurde zum inhalt­li­chen Mittel­punkt des Gebäudes.

2006 kam es zu einer unvor­her­ge­se­he­nen großen Renovie­rung am Äußeren des Gebäudes. Im Zuge kleinerer Ausbes­se­rungs­ar­bei­ten zeigten sich immer neue Schäden. Anfang 2007 wurde das Türmchen restau­riert. Es folgte der Austausch vieler schad­haf­ter Sandstein­qua­der im Mauerwerk; zur Ausführung dieser Arbeiten musste der üppige Weinbe­wuchs der Kirche entfernt werden.

Kurz vor Abschluss der Arbeiten 2008 stellte sich heraus, dass der Dachstuhl des Gebäudes schadhaft ist, wodurch Risse im Gewölbe verursacht wurden. Sachver­stän­dige Denkmal­pfle­ger sind sich sicher, dass der Dachstuhl – trotz der erwähnten Kriegs­schä­den – noch weitgehend aus der Erbau­ungs­zeit stammt. Diese Tatsache stellt die Dachstuhl­sa­nie­rung vor immer neue Probleme, da der Dachstuhl erhalten und gleich­zei­tig ertüchtigt werden muss. Die Arbeiten werden hoffent­lich 2008 abgeschlos­sen.
Wenn das Dach dann in Ordnung und das Gewölbe rissfrei ist, möchte die Kirchen­ge­meinde mit der Innen­re­no­vie­rung beginnen. Dazu wurden Entwürfe des Restau­ra­tors Horst Leyen­de­cker aus Grötzingen eingeholt. Beim Innen­an­strich sollen gestal­te­ri­sche Elemente von Eisenlohr wieder mit aufge­nom­men werden. Probeweise wurde bereits Anfang Juli das dritte Apsis­fens­ter wieder geöffnet, das wohl im Zuge der Renovie­rungs­ar­bei­ten 1964 geschlos­sen worden war. Im Laufe des Jahres soll die Gemeinde nun Eindrücke von der verän­der­ten Licht­wir­kung in der Apsis in Zusam­men­hang mit Sutors Kruzifix sammeln.

Literatur:
Karl Zahn: Gräber, Grüfte, Trauer­stät­ten – Der Karls­ru­her Haupt­fried­hof, Karlsruhe 2001

Text: Pfarrer Christian Bereuther, Evange­lisch-Luthe­ri­sche Gemeinde Karlsruhe, www.lutherisch-karlsruhe.de

Postkarte von 1900 (Privatbesitz)

Postkarte von 1900 (Privatbesitz)

Gruftenplan, Friedhofs- und Bestattungsamt, Gruftenbuch 1817-1876

Gruftenplan, Friedhofs- und Bestattungsamt, Gruftenbuch 1817-1876

Postkarte von 1900 (Privatbesitz)

Postkarte von 1900 (Privatbesitz)

Altar mit Kruzifix von Prof. E. Sutor (Foto Privatbesitz)

Altar mit Kruzifix von Prof. E. Sutor (Foto Privatbesitz)