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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Alter Friedhof

Kapellenstraße, Waldhornstraße, Ostendstraße - Oststadt

Der erste Karlsruher Friedhof lag südlich der Konkor­dien­kir­che, über deren Krypta heute die Pyramide am Marktplatz steht, also auf der Fläche des heutigen Markt­plat­zes. Zu diesem Friedhof der Lutheraner kamen später weitere konfes­sio­nelle Friedhöfe dazu, die sich über das ganze damalige Stadt­ge­biet verteilten. Weil diese Friedhöfe die Stadt­ent­wick­lung störten, wurde ab Juli 1781 der neue Friedhof im Gewann Lohfeld angelegt. 1784 wurde der neue Lohfeld-Friedhof "einge­macht" und mit einer Mauer umgeben. Die Verwaltung des neuen Friedhofs unterstand der fürst­li­chen Polizei­di­rek­tion, die kirchliche Betreuung geschah durch die luthe­ri­sche Kirchen­ge­meinde.

Durch die Schließung kleiner inner­städ­ti­scher Begräb­nisplätze stieg die Zahl der Bestat­tun­gen ständig. Bereits 1818 musste der Friedhof erweitert werden. Zur gleichen Zeit begann sich die Umgebung des Friedhofs durch die Umwandlung der Benedik­ti­ne­r­ab­tei Gottesaue zur Militär­ka­serne in ein Militär­quar­tier zu entwickeln. So musste durch die Vergrö­ße­rung des Friedhofs Mitte der 1840er Jahre sogar ein Artil­le­rie­übungs­platz verlegt werden. In diese Zeit fiel auch der Bau der Kapelle (1837) mit ihren 17 Grüften, die für die Aufnahme von je zwei Särgen ausgelegt waren, und der Bau der Gruften­halle (1841/42) mit weiteren 33 Grüften für jeweils bis zu drei Särgen. Die Gruften unter der Kapelle sind mit 1 bis 34 numeriert, die Gruften der Gruften­halle haben die Nummern 35 bis 63.
Während in den Grüften der Kapelle Persön­lich­kei­ten wie Staatsrat Winter, die Eltern Viktors von Scheffel, Weltzien oder die Stifterin der Kapelle, Regine Reuter, bestattet liegen, finden wir in den Gruften der Gruften­hal­le Persön­lich­kei­ten wie Geheimrat Karl Friedrich Nebenius, Staats- und Kabinett­mi­nis­ter Sigmund Freiherr von Reitzen­stein und "Hebels Vreneli" (Veronika Rohrer).

An die Opfer des verhee­ren­den Hofthea­ter­bran­des 1847 erinnert ein Denkmal von Franz Xaver Reich in der Nähe der Gruften­halle. Die Vanda­lis­mus zum Opfer gefallene linke Hand des marmornen Engels auf dem Sockel mit den Namen der Opfer wurde 2007 kunstvoll wieder ergänzt.

Rechts und links neben dem Eingang der Kapelle befinden sich Sandste­in­säu­len, die in den Grötzinger Stein­brü­chen gebrochen wurden. Die Säulen sind gekrönt von betenden Engels­fi­gu­ren. Ursprüng­lich standen die Säulen am Eingang des Friedhofs in der Waldhorn­straße. An dieser Stelle befindet sich heute die Einmündung der Waldhorn­straße in die Kapel­len­straße. Hinter der Kapelle befand sich bis 1965 das erste Grabmal Jung-Stillings.

80 Meter südöstlich der Fried­hofs­ka­pelle im Durchgang zur Friedrich-List-Schule steht das Grabmal des ehema­li­gen Hofpre­di­gers Johann Leonard Walz, ein großer Kubus aus Rotsand­stein mit den Ausmaßen von 4,75 m Höhe und 3,10 m Breite und Tiefe. Walz war Hofdiakon, Stadt­pfar­rer, Hofpre­di­ger und Kirchenrat, ab 1800 Oberhof­pre­di­ger und Direktor der Kirchen­mis­sion. Ein Jahr nach seinem Tod 1817 errichtete Architekt Christoph Arnold dieses Grabmal.
In direkter Nachbar­schaft befanden sich zwei Sarkophage aus Rotsand­stein, von denen nur noch der von Christian Friedrich Walz vorhanden ist. Im zweiten Sarkophag lag Oberstadt­bau­di­rek­tor Friedrich Weinbren­ner, der am 1. März 1826 gestorben ist. Das Grabmal wurde beseitigt, als man den Leichnam Weinbren­ners 1958 in die Krypta der evange­li­schen Stadt­kir­che überführte.

1852 wurde das Preußen­denk­mal auf dem Friedhof errichtet, dessen Marmor­kreuz und Michaels­sta­tue 1959 wegen Einsturz­ge­fahr entfernt wurden. Das Denkmal wurde errichtet für die 137 preußi­schen Soldaten, die im Juni 1849 bei Karlsruhe-Durlach im Kampf gegen die Revolu­ti­ons­trup­pen gefallen sind. Es gibt aber keine Unterlagen darüber, dass diese 137 Soldaten tatsäch­lich auf dem Lohfeld­fried­hof beerdigt wurden. Das Denkmal ist vielmehr als eines für alle in diesem Krieg gefallenen preußi­schen Soldaten anzusehen.
Das Preußen­denk­mal wurde auf Veran­las­sung des preußi­schen Königs Friedrich Wilhelm IV. von Friedrich Eisenlohr geschaffen, der auch die Fried­hofs­ka­pelle, den alten Bahnhof in der Kriegs­straße und die Stadt­kir­che in Baden-Baden gebaut hat.

Im Herbst 1874 wurde der alte Friedhof geschlos­sen. Einzelne Bestat­tun­gen fanden noch bis 1882 statt. Nach Ablauf der gesetz­li­chen Ruhefrist für die Gräber erfolgte abschnitt­weise die Umgestal­tung zum Park. Teile des Fried­hofs­ge­län­des mussten Baupro­jek­ten weichen, wie der Schil­ler­schule oder dem klassi­zis­ti­schen NS-Arbeitsamt, in dem sich heute das Landes­ver­mes­sungs­amt befindet. Schließ­lich entstanden in den vergan­ge­nen Jahren die
Friedrich-List-Schule und der Neubau der Volksbank.

Die Kirche an der Kapel­len­stra­ße wirkt inzwischen wie ein Relikt aus vergan­ge­nen Zeiten.

Literatur:
Karl Zahn: Gräber, Grüfte, Trauer­stät­ten – Der Karls­ru­her Haupt­fried­hof, Karlsruhe 2001

Text: Pfarrer Christian Bereuther, Evange­lisch-Luthe­ri­sche Gemeinde Karlsruhe, www.lutherisch-karlsruhe.de

Der Kirchhof in Carlsruhe, Stahlstich, 2. Hälfte 19. Jh. (Stadt AK 8/PBS oXIVc 29)

Der Kirchhof in Carlsruhe, Stahlstich, 2. Hälfte 19. Jh. (Stadt AK 8/PBS oXIVc 29)

Theaterbrand – Denkmal 1847

Theaterbrand – Denkmal 1847

Gruftenhalle 1841/42, Foto 1959 (Stadt AK8/Alben4)

Gruftenhalle 1841/42, Foto 1959 (Stadt AK8/Alben4)

Grabmal J. L. Walz 1818,  Foto 1958 (StadtAK8/PBSoXIVb950)

Grabmal J. L. Walz 1818, Foto 1958 (StadtAK8/PBSoXIVb950)

Preußendenkmal 1852, Foto um 1910 (Stadt AK 8/PBS oXIVb 352)

Preußendenkmal 1852, Foto um 1910 (Stadt AK 8/PBS oXIVb 352)