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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Der Bundesgerichtshof, Ehemaliges Erbgroßherzogliches Palais

Herrenstraße 45 a, Innenstadt

Das erbgroß­her­zog­li­che Palais in Karlsruhe ist seit 1950 Dienst­ge­bäude des Präsi­den­ten des Bundes­ge­richt­hofs. Der Baudi­rek­tor des Großher­zog­tums Baden – Josef Durm – hatte das Gebäude als prunk­vol­les Palais entworfen. Nach seinen Plänen wurde es auf einem künstlich aufge­schüt­te­ten Hügel, einge­bet­tet in einen großen Park, zwischen 1891 und 1897 erbaut.

Das Gebäude wartet mit einer eindrucks­vol­len Fassade auf. Für die ornamen­tale Ausge­stal­tung der Stein­ar­bei­ten wurde der Bildhauer Fidel Binz (1850 – 1920) verpflich­tet. Professor Adolf Heer (1849 – 1898, ab 1881 Professor für Bildhaue­rei an der Kunst­ge­wer­be­schule in Karlsruhe) wurde mit der Ausführung der stein­bild­haue­ri­schen Arbeiten betraut.

Das Gebäude gliedert sich in zwei Vollge­schosse und ein Halbge­schoss in Dachhöhe. Insbe­son­dere das oberste Stockwerk sowie die Kuppel wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Rahmen des Wieder­auf­baus wurde das zerstörte Mansar­den­dach durch ein flach gedecktes Oberge­schoss ersetzt, was dem Palais viel von seiner ursprüng­li­chen Schönheit nimmt. Auf seiner östlichen Seite schließt sich – über einen Verbin­dungs­gang angebunden – das ehemalige Küchen­ge­bäu­de an.

Entwurfzeichnung des Palais von Josef Durm

Entwurfzeichnung des Palais von Josef Durm


Das Innere des Palais war ursprüng­lich im prächtigen Stil des Neo-Barock gestaltet. Zentrales Element war hierbei das eindrucks­volle Treppen­haus, das das sechs Meter hohe Erdge­schoss mit dem Oberge­schoss verbindet. Das Treppen­haus zeigt sich dem Besucher auch heute noch in seiner ursprüng­li­chen Form. Alle Räume der drei Stockwerke des Gebäudes gruppieren sich um das von der eindrucks­vol­len Glaskuppel überdeckte große Haupt­trep­pen­haus, das der archi­tek­to­ni­sche Höhepunkt der Gesamt­an­lage ist. Das Treppen­haus ist im Erdge­schoss rings von Säulen­hal­len umgeben. Tritt­stu­fen, Säulen, Balus­tra­den sowie Türum­ran­dun­gen waren, was die großen Säle, das Galatrep­pen­haus und die Gemächer des ehemaligen Großher­zogs angeht, in echtem Marmor ausgeführt. Decken und Wände waren durch reiche Hands­tuck­ar­bei­ten geschmückt.

Im Innern des Gebäudes erinnert heute nur noch wenig an die einst prächtige Ausge­stal­tung der Räumlich­kei­ten. Aufwän­di­ge Wandver­klei­dun­gen, Vergol­dun­gen, Spiegel oder die im früheren Tanz- bzw. Konzert­saal einge­rich­tete Musiker­tri­bü­ne wurden beim Wieder­auf­bau nach Kriegsende nicht mehr nachge­bil­det und sind aus dem Erschei­nungs­bild verschwun­den. Die ursprüng­li­chen Säle und Gemächer wurden zu Sitzungs­sä­len und Diensträu­men umgebaut und in schlichtem Stil möbliert. Der einstige Speisesaal dient als Plenarsaal heute dem Empfang auslän­di­scher Gäste.

Foto: Bundesgerichtshof

Foto: Bundesgerichtshof

Die Bauge­schichte des Gesamta­re­als begann jedoch nicht erst mit dem Bau des Erbgroß­her­zog­li­chen Palais. Bereits Anfang des 19. Jahrhun­derts plante der klassi­zis­ti­sche Baumeis­ter Friedrich Weinbren­ner für die Witwe des badischen Markgra­fen Friedrich, Christiane Louise von Nassau-Unsingen, ein Garten­sch­löss­chen am damaligen Rande der Stadt. Das älteste erhaltene Bauzeugnis aus dieser Zeit ist das 1822 fertig gestellte, als Gärtner­haus geplante, aber vom Oberhof­meis­ter bezogene Gebäude Weinbren­ners an der Herren­straße 45, dessen äußeres Erschei­nungs­bild nach schweren Kriegs­schä­den 1949 in deutlich verän­der­ter Form wieder aufgebaut wurde.

Auf der Nordseite des Palais, in Verlän­ge­rung zu dessen Hauptein­gang, fand der Brunnen der schönen Galatea im Jahre 1954 einen neuen Standort. Der Brunnen, der ursprüng­lich im "Sallen­wäld­chen" südlich des Ettlinger Tores aufge­stellt war, ist das einzige, auf der Liegen­schaft des Bundes­ge­richts­hofs vorhandene Kunstwerk, das nahezu aus der Erbau­ungs­zeit des Palais stammt.

1865 hatte das in Karlsruhe ansässige Unter­neh­men Dyckerhoff und Widmann, das sich auf die Herstel­lung von Zement­wa­ren spezia­li­siert hatte, der Stadt Karlsruhe ein Angebot über die Gestaltung und Fertigung eines großen, öffent­li­chen Brunnens unter­brei­tet. 1872 wurde der Brunnen mit seinem in Zement gegossenen Motiv aus der griechi­schen Mythologie fertig gestellt.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Bundes­ge­richts­hofs 2000 erhielt er einen weißen Anstrich. 2005 wurde er vollstän­dig restau­riert. In Abstimmung mit der Stadt Karlsruhe und dem Amt für Denkmal­schutz wurde hierbei auf den nachträg­lich angebrach­ten Anstrich verzichtet und der ursprüng­li­che Zustand des Brunnens wieder­her­ge­stellt.

In dem im Jahre 2003 bezogenen Erwei­te­rungs­bau des Bundes­ge­richts­hofs ist heute auch das Rechts­his­to­ri­sche Museum unter­ge­bracht. Träger des Museums ist der "Verein Rechts­his­to­ri­sches Museum e.V.".

Das Museum kann am Tag des offenen Denkmals während der angege­be­nen Öffnungs­zei­ten ebenfalls besich­tigt werden.

Text: Monika Hattemer, Karl-Heinz Pieper, Bundes­ge­richts­hof