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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Maria-Hilf-Kapelle an der Alb

Konradin-Kreutzer-Straße, Grünwinkel

Kapelle am ursprünglichen Standort, 1904

Kapelle am ursprünglichen Standort, 1904

Vor 1713 gab es in Grünwinkel keine Pfarrei und keine Zuordnung zu einer beste­hen­den Pfarrei. Die wenigen in Grünwinkel wohnenden Menschen gingen nach Ettlingen, nach Daxlanden oder in anderen Orten zur Kirche. Kurz vor dem Jahr 1715 ließ ein Jakob Müller in Grünwinkel eine kleine Kapelle aus Holz errichten. Weil niemand für ihre Unter­hal­tung sorgte und auch kein Fond für diesen Zweck existierte, verfiel dieses erste Gotteshaus in Grünwin­kel jedoch schon bis 1743.

1746 stellten Kirche und Verwaltung des Markgrafen die Geneh­mi­gung für einen Neubau in Aussicht, falls die Mittel zum Bau und zur Unter­hal­tung einer neuen Kapelle nachge­wie­sen werden können.

Die damals 24(!) Grünwink­ler Bürger sammel­ten! Verschie­dene Stiftungen von Privat­per­so­nen, ein Zuschuss des Markgrafen August Georg von Baden-Baden und eine Kollekte in der Markgraf­schaft führten zum Ziel. 1759 konnte der Dekan Joh. Adam Eckstein feststel­len, dass die Mittel vorhanden seien, eine Kapelle zu errichten. Auch habe die Gemeinde sich verpflich­tet, "die Kirche im Bau zu erhalten". Wer der Baumeister der Kapelle war, ist nicht bekannt.

Das Kirchlein wurde - wie es neben dem jetzt verputz­ten Kreuzi­gungs­re­lief über dem Eingang festge­hal­ten war - 1759 gebaut, mitten im Dorf an der Straße, oder eigent­lich halb auf der Straße, der Landstraße, die schon damals als wichtige Süd-Nord-Achse überört­li­che Bedeutung hatte. Als im Jahr 1890 die Kleinbahn von Karlsruhe nach Durmers­heim eröffnet wurde, die auch durch die Grün-winkler Haupt­straße fuhr, und zudem der überört­li­che und örtliche Verkehr immer mehr zunahmen, wurde das Kirchlein zunehmend zu einem Verkehrs­hin­der­nis.

Im Jahr 1913 entschloss man sich, das Kirchlein zu beseitigen, und der Braue­rei­be­sit­zer, der damalige Ge-heimrat Sinner, ließ es auf seine Kos-ten abbauen und an einer erhöhten Stelle bei einer Albschleife wieder errichten. Dort waren bis zur Mitte des 18. Jh. noch Reste einer Schanze aus den Franzo­sen­krie­gen erhalten. In der Umgebung der Kapelle, der Albsied­lung, wurden bei Baumaß-nahmen zwischen 1922 und 1927 römische Siedlungs­struk­tu­ren mit einem Gräberfeld des 1. - 3. Jh. n. Chr. entdeckt. Vermu­tun­gen, dass sich am Standort der Kapelle ein keltisches Heiligtum noch aus vorrö­mi­scher Zeit befunden haben soll, konnten bisher nicht bestätigt werden.

Sicher ist, dass die Kapelle dort am Hochge­stade der Alb einen würdigen Platz gefunden hat. Heute finden in der Kapelle gelegent­lich Andachten statt - besonders im Marien­mo­nat Mai - wie auch auf dem Platz vor der Kapelle.

Über die Innen­ein­rich­tung ist nur wenig bekannt. Man weiß, dass der Altar im Jahr 1760 der Unbefleck­ten Empfängnis Mariens geweiht wurde. Er ist im Wesent­li­chen bis heute erhalten. Nur das Altarbild wurde 1977 gestohlen. 1760 erhielt die Kapelle ein Glöcklein, das jedoch schon 1790 zersprang und durch das Geläute samt Uhr der ruinierten Glasschmelze zu Rotenfels ersetzt wurde. Das Kruzifix wurde 1792 gestiftet. An der Eingangs­seite sind innen 2 Gedenk­ta­feln angebracht. Sie erinnern an die Grünwink­ler Kriegs­op­fer des 2. Weltkriegs und wurden durch den langjäh­ri­gen Grünwink­ler Pfarrer Theodor Söhner initiiert.

Literatur:
Benedikt Schwarz: Grünwinkel und seine Umgebung. Ein Heimatbuch für Jung und Alt,
Karlsruhe 1925, S. 53 - 55.

Text: Bertold Kunz