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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Evangelische Thomaskirche

Kopernikusstraße 2 - 4, Daxlanden

Kindergarten | Kirche | Nord-Ost-Ansicht | Bauplan 1958

Kindergarten | Kirche | Nord-Ost-Ansicht | Bauplan 1958

Sie ist die erste evange­li­sche Kirche im überwie­gend katho­li­schen Daxlanden außerhalb des alten Ortskernes in reizvoller Lage am Albgrün 1958-60 erbaut von dem aus Karlsruhe stammenden, haupt­säch­lich in Berlin und Heidelberg tätigen Otto Bartning (1883 - 1959), dem bedeu­tends­ten protes­tan­ti­schen Kirchen­bauer des 20. Jahrhun­derts in Deutsch­land.

Nach der Markus­kir­che und der 'Notkir­che' im Weiherfeld (Frie­dens­kir­che) ist sie die dritte Kirche des Archi­tek­ten in Karlsruhe, neben dem Brunnen­raum auf der Brüsseler Weltaus­stel­lung und der deutschen Schule in Lissabon eines der letzten Werke des Archi­tek­ten. Die ursprüng­li­chen Pläne stammen aus dem Jahr 1938, wurden jedoch wegen des Kriegs­aus­bruchs 1939 nur bis zur Keller­de­cke ausgeführt. Erst nach Bartnings Tod wurde sie (leicht verändert) fertig gestellt von seinem langjäh­ri­gen Mitar­bei­ter Otto Dörzbach. Der angeschlos­sene Kinder­gar­ten und das Pfarrhaus wurden Bartnings Konzeption entspre­chend errichtet von Hermann Zelt.

Die Thomas­kir­che ist ein dreischif­fi­ger, basili­ka­ler Bau mit komplexer Chorlösung. Der Turm steht als Campanile neben der Eingangs­front. Die besondere Stellung im Kirchenbau besteht darin, dass hier erstmals moderne Baustoffe wie Beton, Stahl und Glas im Wechsel mit Holz, Naturstein und Ziegel unver­klei­det verwendet wurden. Mit 600 Sitzplät­zen gehört sie zu den Großkir­chen in Karlsruhe. Sie wird vorwiegend für Gottes­dienste und Konzerte genutzt. Die Wagner- Orgel aus den Jahren 1961/65 besitzt drei Manuale mit 44 Registern und verfügt über ein heutzutage seltenes Auxiliär.

Das Bauwerk zeigt Bartnings Streben, nach einer beispiel­ge­ben­den 50jährigen Bautä­tig­keit auch dem evange­li­schen Kirchenbau der späten 1950er Jahre noch neue Impulse zu geben, die in Richtung auf eine symbol­hafte und metaphy­si­sche Akzen­tu­ie­rung zielen. So greift er einerseits mit dem schiffs­bug­ar­tig nach oben gezogenen Chorhaupt auf eine Idee seiner expres­sio­nis­ti­schen Phase der 1920er Jahre zurück (Wett­be­w­erb­s­ent­wurf für die Schwe­di­sche Kirche in Berlin 1923), anderer­seits versucht er mit dem das Innere beherr­schen­den Chorfens­ter (Farb­ver­gla­sung von Klaus Arnold, Karlsruhe) den spiri­tu­el­len Charakter des Gottes­diens­trau­mes zu betonen. Wie in einem Schiff oder wie Jona im Fisch soll die Gemeinde Gebor­gen­heit auch sinnlich erfahren.

Als Spätwerk Otto Bartnings und als wichtiges Zeugnis für den protes­tan­ti­schen Kirchenbau ist die Thomas­kir­che aus vornehm­lich künst­le­ri­schen und wissen­schaft­li­chen Gründen ein Kultur­denk­mal.

Text: Dr. Gerhard Kabierske, Südwest­deut­sches Archiv für Archi­tek­tur und Ingenieur­bau, Pfarrer Rolf Weiß

Beschreibung der Kirche