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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Katholische St. Nikolauskirche

Rastatter Straße 20, Rüppurr


Nikolauskirche


Die idyllisch an einer Biegung der Alb gelegene Nikolaus­kir­che, von den Rüppurrern auch "Kleines Kirchle" genannt, ist der einzige Sakralbau auf Karlsruher Gemarkung, der unter kunst­ge­schicht­li­chem Aspekt in die Zeit des ausge­hen­den Rokoko und begin­nen­den Klassi­zis­mus fällt. Ihr Architekt Johann Friedrich Weyhing (1716 - 1781), ein gebürtiger Stutt­gar­ter, hat in Dresden bei Gaetano Chiaveri gelernt und, wie anzuneh-men ist, am Bau der dortigen Hofkirche mitgewirkt. 1767 wechselte er vom württem­ber­gi­schen in den badischen Staats­dienst, wo er 1770 die Nachfolge des Baumeis­ters Friedrich Arnold antrat. In jenem Jahr wurde das nach seinen Plänen errichtete sog. Schwe­den­pa­lais in der Hans-Thoma-Straße fertig­ge­stellt.

Die Nikolaus­kir­che wurde 1774/1776 (das Jahr der Vollen­dung des Baus ist im Sturz des profi­lier­ten Turmpor­tals in Stein gemeißelt) anstelle eines seit vielen Jahrzehn­ten baufäl­li­gen Gottes­hau­ses errichtet. Dabei kam der nach der Straße hin vor die Breitseite des Kirchen­schiffs gestellte kraftvolle Turm auf Fundamente des Vorgän­ger­baus zu stehen. Dieser Turm, durch umlaufende Stein­bän­der über dem zweiten und vierten Stockwerk unterteilt, wächst in fünf Geschos­sen empor, die durch je ein Fenster auf jeder Seite betont sind, alle von gleicher Breite, jedoch von wechseln­der Höhe. Der mit weich gebro­che­ner Dachlinie ansetzende, nicht zu steile Dachhelm führt die Kanten­ab­schrä­gung weiter hinauf zur Weltkugel, über der sich das Kreuz erhebt.

Die einschif­fige Nikolaus­kir­che war ursprüng­lich mit drei Emporen ausge­stat­tet. Bei der Umgestal­tung 1946/47 wurden außer der alten Kanzel die Empore an der Turmseite und die an der westlichen Querseite entfernt, die dritte Empore fiel der Renovie­rung der Jahre 1971 bis 1976 zum Opfer. Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass heute leider so gut wie nichts mehr an die histo­ri­sche Raumge­stal­tung erinnert. Das Kirchlein birgt neben einem etwa 300 Jahre alten Taufstein das Herzgrab­mal des 1533 gestor­be­nen, aus dem ehema­li­gen Rüppurrer Adels­ge­schlecht stammenden Wormser Fürst­bi­schofs Reinhard II. Das Epitaph für den 1582 verstor­be­nen Philipp Jakob v. Rüppurr ist seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhun­derts an der Außenwand der Sakristei angebracht.

Altar, Ambo und Sakra­ments­häus­chen wurden von Gudrun Schreiner entworfen und aus dem Stein des schlichten Altars von 1946/47 herge­stellt. Von dieser Künstlerin stammt auch die aus Lindenholz geschnitzte Rosette im Rundbogen über dem Altar, deren innerer Blüten­kranz die Selig­prei­sun­gen der Bergpre­digt symbo­li­siert.

In der Nikolaus­kir­che hielt 1823 Aloys Henhöfer, ehemals katho­li­scher Priester und späterer Anführer der badischen Erweckungs­be­we­gung, in Anwesen­heit von Prälat Johann Peter Hebel und Großherzog Ludwig seine Probe­pre­digt. Zehn Jahre zuvor hatte Max von Schen­ken­dorf dem Gotteshaus mit dem Gedicht "Liebes Kirchlein an der Straßen" ein lyrisches Denkmal gesetzt. Das "Kleine Kirchle" war bis 1908 (Vollen­dung der Aufer­ste­hungs­kir­che) evange­li­sche Pfarr­kir­che. Sie befindet sich seither im Besitz der hiesigen Katholiken, denen sie bis 1936 (Weihe der Christ­kö­nigs­kir­che) als alleiniger Gottes­diens­traum diente.

Text: Ekkehard Schulz († ), Geschichts­werk­statt Rüppurr