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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Evangelische Auferstehungskirche

Lange Straße 28, Rüppurr


Evangelische Auferstehungskirche Rüppurr


Die evange­li­sche Kirche ist dem Alter nach der zweite von drei Kirchen­bau­ten in dem ehemals selbstän­di­gen Dorf. Gegen Ende des 19. Jahrhun­derts war die alte, 1774-76 errich­te­te Kirche am Ortsaus­gang in Richtung Karlsruhe zu klein geworden. Ein Neubau, möglichst zentral gelegen, sollte für die stark angewach­sene, haupt­säch­lich aus Arbeitern bestehende Gemeinde errichtet werden. Betreiber des Kirchen­neu­baus waren Dekan Philipp Roth und Pfarrer Lebrecht Mayer, die ihre Gläubigen in einem der ersten Schreiben an den Oberkir­chen­rat als "größ­ten­teils religiös indif­fe­rent und von sozial­de­mo­kra­ti­schem Geiste durch­drun­gen" bezeich­ne­ten – eine Einschät­zung, die sich auf die Gestaltung des Gebäudes nicht unerheb­lich auswirken würde.

1905 und 1906 datieren die drei Alter­na­ti­vent­würfe für den Kirchen­neu­bau, die von Baurat Rudolf Burckhardt (1851-1914), dem Vorstand der Evange­li­schen Kirchen­bau­in­spek­tion, stammen. Alle drei Entwürfe sind im Stil des Neobarock gehalten. Die beiden ersten sehen einen Zentralbau mit polygo­na­lem bzw. angenähert kreis­för­mi­gem Grundriss vor. Das dritte Projekt wurde ausgeführt. Sein Grundriss basiert auf einem gedrun­ge­nen Kreuz und ist mit seiner vergleichs­wei­se schmalen Turmfassade für den Bauplatz in der schmalen, klein­tei­lig bebauten Straße wohl besser geeignet, als die beiden breiter ausla­den­den Alter­na­ti­vent­würfe.

Im Juni 1907 erfolgt die Grund­stein­le­gung. Die monumen­ta­len Glasfens­ter wurden an die Karlsruher Werkstatt von Hans Drinneberg vergeben, eine inter­na­tio­nal tätige Firma, die in Karlsruhe die Fenster der Luther­kir­che geliefert hatte. Das Gemälde "Christi Himmel­fahrt" an der Chorwand stammt von dem Karlsruher Kunstmaler Bernhard Schneider, einem Schüler von Hans Thoma. Eine Diskussion über die Wahl der Themen dokumen­tie­ren die Akten nicht. Die großfor­ma­ti­gen Fenster über den Emporen haben die Refor­ma­tion zum Thema: "Luther auf dem Reichstag zu Worms" sowie "Luther und Melan­chthon erklären die Bibel". Szenen aus dem Leben Jesu an der Stirnseite der Kirche sowie Medail­lon­bil­der mit Einzeldar­stel­lun­gen an den Längs­sei­ten vervoll­stän­di­gen das Bildpro­gramm. Die Wahl der darge­stell­ten Persön­lich­kei­ten ist auf den ersten Blick ungewöhn­lich: Neben Figuren des alten und neuen Testaments, der Refor­ma­tion, der Rüppurrer und der badischen Geschichte finden sich drei Personen der neuesten Geschichte, nämlich Großherzog Friedrich I., Fürst Bismarck und Kaiser Wilhelm I. Sie mögen in ein theolo­gi­sches Bildpro­gramm, das in einer Kirche zu erwarten wäre, nicht so recht passen und sind tatsäch­lich auch politisch gemeint. Großherzog, Reichs­kanz­ler und Kaiser stehen für die konser­va­tive und deutsch-nationale Politik, die Verbindung von "Altar und Thron", die der sozial­de­mo­kra­tisch wählenden Rüppurrer Arbeiter­schaft eindrück­lich vor Augen geführt wurde.

Während das Äußere der Kirche nach zwei Renovie­run­gen etwa wieder dem ursprüng­li­chen Erschei­nungs­bild entspricht, musste das Innere größere Verluste hinnehmen: Die Dekora­ti­ons­ma­le­rei, der Kanzel­al­ter, Türen und Türrahmen im Chor sowie die kasset­tier­ten Emporen­brüs­tun­gen wurden entfernt, die Glocken mussten im ersten Weltkrieg abgegeben werden, die Orgel wurde durch einen Neubau ersetzt. Erhalten sind dagegen die Glasfens­ter, lediglich die an der Stirnseite wurden im Krieg zerstört und nach den alten Kartons origi­nal­ge­treu ersetzt. Glück­li­cher­weise hat sich das schöne Gestühl komplett erhalten. Anspre­chend ist die Farbgebung in warmen Grün- und Beigetönen, die aller­dings nicht dem ursprüng­li­chen Befund entspricht. Eine neuer­li­che Sanierung, die noch vor 2010 statt­fin­den soll, möge diesen Bestand bewahren.

Text: Dr. Ute Fahrbach, Referat 25 für Denkmal­pflege im Regie­rungs­prä­si­dium Karlsruhe