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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Die Standorte der ehemaligen jüdischen Synagogen

Kronenstraße 15, Karl-Friedrich-Straße 16, Herrenstraße 14, Innenstadt

Synagoge von Weinbrenner, Stahlstich, nach 1810

Synagoge von Weinbrenner, Stahlstich, nach 1810

Synagoge in der Kronen­straße 15
Markgraf Karl Wilhelm richtete seine Einladung zur Bürger­schaft in der neu gegrün­de­ten Stadt Karlsruhe auch an wohlha­bende Juden. Von Beginn der Stadt­grün­dung an konnte sich somit eine jüdische Gemeinde entwickeln. Sie erwarb schon vor 1725 das Grundstück in der Kronen­straße 15 und erbaute dort eine erste Synagoge, wohl im Stil der Modell­häu­ser.

1798 erteilte Markgraf Karl Friedrich die Bauge­neh­mi­gung zu einer neuen Synagoge an Stelle des ersten Gottes­hau­ses. Architekt war der gerade ausge­bil­dete Bauin­spek­tor Friedrich Weinbren­ner. Der relativ große und reprä­sen­ta­tive Neubau lag jedoch – wie die spätere katho­li­sche Stadt­kir­che St. Stephan – nicht an zentraler Stelle in der Stadt. Dies war der zu der Zeit schon geplanten Haupt­kir­che des Landes Baden in eindrucks­vol­ler Gegen­über­stel­lung des Rathauses vorbe­hal­ten.

Weinbren­ners Synagoge, ein Baukomplex aus drei Teilen, war zwischen Wohnungs­bau­ten einge­bet­tet. Ein monumen­ta­ler Torbau kennzeich­net den Sakralbau an der Straßen­front. Mit Bauele­men­ten wie den beiden mächtigen Pylonen an den Flanken war die Karlsruher Synagoge die erste in Deutsch­land, für die ägypti­sie­rende Formen verwendet wurden. Eine dahin­ter­lie­gende offene Säulen­vor­halle mit dorischen Säulen ahmte ebenfalls den vermeint­li­chen Baustil des salomo­ni­schen Tempels in Jerusalem nach und schuf einen kleinen Platz vor dem eigent­li­chen Kultbau. Dieser selbst war geostet, d.h. mit dem Thoraschrein in einer Apside im Osten symbolisch auf den Tempel in Jerusalem hin ausge­rich­tet.

Synagoge von Durm

Synagoge von Durm


1800 fand der erste Gottes­dienst in dieser Synagoge statt, sechs Jahre später wurde sie feierlich und im Beisein des Großher­zogs Karl Friedrich eingeweiht. Nach einem Brand 1871 wurde sie abgerissen und zugunsten eines gründer­zeit­li­chen Baus 1873-1875 nach Entwürfen des Archi­tek­ten Prof. Josef Durm neu erbaut. Durms Synagoge war ganz in der Manier einer christ­li­chen Kirche konzipiert, stilis­tisch orientiert an der Renaissancear­chi­tek­tur toska­ni­scher Prägung, u.a. mit gestreif­ter Fassade in den Färbungen zweierlei Sandstein­ar­ten. Der frühere, im Synago­gen­kom­plex einge­schlos­sene, Innenhof fiel zugunsten eines größeren Kultraumes weg. Durm schuf dafür zur Straße hin einen kleinen Vorplatz. Die heutige Mauer mit den Denkmal­ta­feln greift diese Situation wieder auf. Die Einweihung fand wiederum in Anwesen­heit des Fürsten­paa­res statt. Einem Geschenk der damaligen israe­li­ti­schen Gemeinde an Großher­zog Friedrich I. anlässlich seines 40. Regent­schafts-jubiläums ist es zu verdanken, dass wir auch eine Fotografie des Innen­rau­mes besitzen.

Synagoge in der Karl-Friedrich-Straße 16

Ausein­an­der­set­zun­gen innerhalb der Gemeinde führten zur Abspaltung eines konser­va­ti­veren Teils, der sich gegen Reformen der Liturgie und gegen assimi­la­to­ri­sche Bestre­bun­gen wandte.
Die neu gegründete orthodoxe Gemeinde schuf sich ein eigenes Gotteshaus in der Karl-Friedrich-Straße. Die Synagoge, entworfen von Architekt Gustav Ziegler, wurde 1881 auf einem weniger anspruchs­vol­len Bauplatz als Hinter­haus errichtet und war etwas weniger schmucklos, doch der Durmschen Synagoge stilis­tisch nicht unähnlich. Gemein­de­zen­trum, jüdische Schule und Kinder­gar­ten wa-ren in Neben­ge­bäu­den unter­ge­bracht. Der Synago­gen­bau der ortho­do­xen Gemeinde ist im Gegensatz zur Synagoge der israe­li­ti­schen Gemeinde in der Kronen­straße nur auf wenigen Stadt­plä­nen verzeich­net.

Beide Synagogen wurden in der Pogrom­nacht des 9. November 1938 durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten zerstört, der vollstän­dige Abriss der Synagogen wurde den Gemeinden selbst aufge­bür­det. Während der Baugrund der Synagoge in der Kronen­straße heute im Andenken an die Gemeinde Synagoge von Ziegler freiliegt, ist das Grundstück in der Karl-Friedrich-Straße, welches nach dem Synago­gen­sturm von der Druckerei Braun zur Erwei­te­rung des Betriebs erworben wurde, durch eine Tiefgarage und ihre Einfahrt überformt. Allein eine unschein­bare Gedenk­ta­fel erinnert an die ehemalige Synagoge an diesem Ort.

Synagoge von Ziegler

Synagoge von Ziegler

So sei unsere ehemalige Regie­rungs­prä­si­den­tin Gerlinde Hämmerle zitiert: „So ist […] das fast völlige Verschwin­den der Synagogen aus unseren Städten ein Zeichen der Zerstö­rungs­wut von Menschen, die Macht innegehabt und missbraucht haben.“

Bis 1940 durfte ein Raum im Haus Herren­straße 14 ersatz­weise für Gottes­dienste genutzt werden. Zum Laubhüt­ten­fest 1940 ließ NSDAP-Funktionär Robert Wagner auch alle 945 noch in Karlsruhe wohnenden Jüdinnen und Juden in ein Zwischen­la­ger nach Gurs am Rande der Pyrenäen verschlep­pen. Damit war das jüdische Gemein­de­le­ben erloschen.

Haus Herren­straße 14
Das Haus Herren­straße 14, 1889 von den Archi­tek­ten Curjel und Moser für die israe­li­ti­sche Gemeinde entworfen, diente auch als Gemein­de­haus. 1946 richteten sich dort die nach dem Krieg zurück­ge­kehr­ten Jüdinnen und Juden, die sich im Dezember 1945 wieder zu einer Gemeinde zusam­men­ge­schlos­sen hatten, einen Betsaal ein, den der Rabbiner der US-Militär­re­gie­rung, Chaplain Dicker weihte. Am 26. Juli 1951 wurde der Saal im Rückge­bäude zur Synagoge geweiht.

Nachdem am 4. Juli 1971 die neue Synagoge in der Knielin­ger Allee 11 geweiht worden war, wurde der Gebäu­de­teil in der Herren­straße 14, in dem sich der Kultraum befand, 1979 zugunsten des Erschlie­ßungs­hofs „Zentral­hof“, einer Durchfahrt zwischen Herren- und Waldstraße, abgerissen. Der ehemalige Standort der dritten Karlsruher Synagoge ist weitgehend unbekannt.

Literatur:
Hahn, Joachim: „Synagogen in Baden-Württem­berg“. Hrsg. v. Innen­mi­nis­te­rium des Landes Baden-Württem­berg. Stuttgart: Theiss 1987.
Hammer-Schenk, Harold: „Synagogen in Deutsch­land. Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jh. (1780-1933)“. Hamburg: Christians 1981. (= Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden 8).
„Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Machter­grei­fung“, hrsg. v. Heinz Schmitt. Karlsruhe: Badenia Verlag 1990 (Veröf­fent­li­chun­gen des Karlsruher Stadt­ar­chivs 8).


Bildnach­weis: Stadt­ar­chiv Karlsruhe und Generallan­des­ar­chiv Karlsruhe

Text: Rebekka Bücheler, M. A., statt­rei­sen Karlsruhe e.V.