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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Der Evangelische Oberkirchenrat in Karlsruhe - Bischofssitz, Dienstleistungs- und Verwaltungszentrale

Blumenstraße 1, Innenstadt


Evangelischer Oberkirchenrat


Der Evange­li­sche Oberkir­chen­rat bezeichnet einen Teil der Kirchen­lei­tung der Evange­li­schen Landes­kir­che in Baden. Er umfasst die Mitglieder des Kollegiums, welche die acht Referate von Öffent­lich­keits­ar­beit über Personal und Bildung bis Liegen­schaf­ten leiten. Im Dienst­ge­bäude des Evange­li­schen Oberkir­chen­ra­tes sind Abtei­lun­gen und Referate unter­ge­bracht, die Dienst­leis­tun­gen und Verwaltung für die Gemeinden und Einrich­tun­gen der badischen Landes­kir­che erbringen. Zudem hat der Landes­bi­schof der Evange­li­schen Landes­kir­che in Baden im Gebäude in der Blumen­straße seinen Sitz. In dem 100 Jahre alten Gebäude befinden sich zudem die landes­kirch­li­che Bibliothek und das Archiv, das Religi­ons­päd­ago­gi­sche Institut und seine Mediathek sowie einige andere Einrich­tun­gen der Landes­kir­che.

1907 – 2007 Hundert Jahre Dienst­ge­bäu­de Oberkir­chen­rat

Im Jahre 1904 brachte der zu dieser Zeit in unter­schied­li­chen Gebäuden der Stadt Karlsruhe verteilte Evange­li­sche Oberkir­chen­rat den Wunsch beim badischen Großherzog zum Ausdruck, ein zentrales Dienst­ge­bäude in der Stadt errichten zu dürfen. Nach einigen Angeboten wurde dem jetzigen Grundstück neben dem Natur­kun­de­mu­seum der Zuschlag erteilt. Das 4.821 Quadrat­me­ter große Grundstück erwarb der Oberkir­chen­rat für 240.000 Mark. Am 14. Januar 1905 wurde der Kaufver­trag geschlos­sen, das Archi­tek­tur­büro Robert Curjel (1859 – 1925) und Karl Moser (1860 – 1936) erhielt den Auftrag. An markanten Stellen der Stadt Karlsruhe standen und stehen Bauten des Büros. Die Luther­kir­che am Gottesauer Platz ist ihr Werk, sie entwarfen die im Jahr 1900 erbaute Chris­tus­kir­che am Mühlburger Tor, außerdem planten sie eine Reihe von Geschäfts- und Wohnhäu­sern auf der Kaiser­straße und in der Weststadt von Karlsruhe. 1907 wurde das im Jugendstil errichtete Gebäude des Evange­li­schen Oberkir­chen­ra­tes nach drei Jahren Bauzeit fertig gestellt.

Evangelischer Oberkirchenrat


Behörde und Wohnhaus zugleich
Zu dieser Zeit war es noch selbst­ver­ständ­lich, dass im ersten Oberge­schoss Wohnräume der Mitglieder des Evange­li­schen Oberkir­chen­ra­tes bzw. des damaligen Präsi­den­ten des Oberkir­chen­ra­tes vorhanden waren. Dies ist heute noch am sicht­bars­ten im so genannten Kamin­zim­mer, das eine Vorhalle mit Kaminplatz war für die so genannte Präsi­den­ten­woh­nung. Erst Ende der 1960er Jahre zogen die letzten Bewohner des Evange­li­schen Oberkir­chen­ra­tes aus dem Gebäude aus. Heute bewohnt nur noch die Hausmeis­ter­fa­mi­lie eine Wohnung innerhalb des Gebäudes.

Reprä­sen­ta­tiv ist nicht nur das Äußere, sondern auch das Treppen­haus. Der Eingangs­teil war als Vestibül geplant und konnte für den Empfang besonderer Gäste genutzt werden. Auch die Hofein­fahrt von der heutigen Ritter­straße her war in einem sehr reprä­sen­ta­ti­ven Stil erbaut, insofern sich nämlich neben dem Gittertor ein Brunnen mit einer Blumen­halle befand, von dem heute nur noch Reste zu sehen sind. Ein sehr schöner Raum ist die Bibliothek, die von dem Karlsruher Möbel­fa­bri­kan­ten Himmel­he­ber ausge­führt wurde.

Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
1945 wurde das Dienst­ge­bäude ausführ­lich inspiziert. Lediglich das Dach war abgebrannt, fast alle anderen Teile des Gebäudes blieben von den Bomben­an­grif­fen verschont. Nur mühsam konnte der Wieder­auf­bau voran­kom­men, da Ziegel nach dem Krieg rar waren. Mit Hilfe einiger Pfarrer konnten dann Ziegel wieder beschafft werden. Beheizt werden konnte das Gebäude noch nicht, die Mitar­bei­ter brachten Holz aus ihren Dörfern mit, um tagsüber einiger­ma­ßen im Warmen arbeiten zu können. Ab 1947 war das Gebäude wieder bewohnbar und konnte in vollem Umfang als Dienst­ge­bäude genutzt werden.

Die Häuser Blumen­straße 3, 5 und 7 sind nach und nach dazuge­kom­men, und ein Neubau ist entstanden, um heute etwa 400 Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­tern Platz für ihre Arbeit zu geben.

Text: Marc Witzen­ba­cher, Evange­li­sche Landes­kir­che in Baden, www.ekiba.de.