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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Evangelische Kirche Hohenwettersbach

Kirchplatz 2, Hohenwettersbach

Westfassade vor der Sanierung

Westfassade vor der Sanierung

Die evange­li­sche Kirche Hohen­wet­ters­bach wurde 1742 nach Plänen des Weinbren­ner-Schülers Johann Heinrich Arnold errichtet. Im baulich engen Kontext zur Kirche steht das Herrenhaus und das Hofgut der Freiherren Schilling von Canstatt sowie die Häuser der Taglöhner in der Reihen­straße. Alle Gebäude sind - wenn auch z.T. mit starken Verän­de­run­gen - bis heute erhalten.

Die kleine evange­li­sche Kirche zeugt von den einfachen Verhält­nis­sen zu jener Zeit; bezeich­nen­der­weise hieß der Ort bis 1706 „Dürren­wet­ters­bach“. Auf einem Keller mit rippen­lo­sem Kreuz­ge­wölbe entstand eine kleine Saalkirche mit dreiseitig geschlos­se­nem Chor. Die Westfassade ist von zwei Rundfens­tern und einem Portal mit Voluten­gie­bel gekenn­zeich­net.
Nach einem Brand im Jahr 1839 wurde die Kirche unter Verwendung der Außen­mau­ern neu errichtet. Zahlrei­che Umbauten – vor allem im 20. Jahrhun­dert – verän­der­ten die innere Ausge­stal­tung der Kirche nachhaltig. Insbe­son­dere der Anbau der Sakristei, die Vergrö­ße­rung der Empore und die Neuordnung der Altar­si­tua­tion in den 1960er Jahren sind hier zu nennen.

Im Jahr 1999 wurde das Innere der Kirche erneut nachhal­tig verändert: Auslöser für den Umbau war vor allem die schlechte Sicht­be­zie­hung zwischen der Empore und dem unteren Sitz- und Altar­be­reich. Mit einer verän­der­ten Form der Empore (U-Form) und einem trans­pa­ren­ten Geländer war es möglich, die Orgel wieder an ihren histo­ri­schen Ort an der Rückwand der Kirche zu rücken und den Altar­be­reich neu zu gliedern.

Kartierung, 1826

Kartierung, 1826

Zum Beginn des Umbaus waren im Kirchen­in­ne­ren kaum histo­ri­sche Spuren zu erkennen: der Fußboden war mit Teppich­bo­den belegt, die Decke mit Nut- und Feder­bret­tern verkleidet. Mit der Freilegung der alten Holzdecke konnte ein bislang unbekann­tes Decken­kreuz der Jahrhun­dert­wen­de entdeckt und restau­riert werden. Im rückwär­ti­gen Teil der Kirche ist die Führung des Glocken­seils und die Form der alten Decke, die in die Decke einschnitt, erkennbar. Die Sandstein­plat­ten des Fußbodens wurden teilweise neu verlegt. Ohne störende Beläge prägt er nun wieder wirkungs­voll die Atmosphäre des Raumes.

Ein neues Beleuch­tungs­kon­zept und die in Lasur­tech­nik bemalten Wände sollen zusammen mit den weißen Kirchen­bän­ken und den grau abgesetz­ten Holz- und Stahl­bau­tei­len eine stimmungs­volle Atmosphäre schaffen.

Aus einem Künst­ler­wett­be­werb ist Veronika Olma als Siegerin für das Altarbild hervor­ge­gan­gen. Ihr Werk in Eitempera versinn­bild­licht mit vier Handgesten die Notwen­dig­keit, durch Handeln den
Geist der christ­li­chen Nächs­ten­liebe umzusetzen. Als Pfingst­sym­bol findet sich darüber hinaus eine aufflie­gen­de Taube vor dem schat­ten­haf­ten Umriss eines sich vage abzeich­nen­den Kreuzes.

Im Jahr 2006 beschloss der Kirchen­ge­mein­de­rat, die Kirche außen neu zu streichen. Schnell zeigte sich, dass der Disper­si­ons­an­strich, den man in den 1960er Jahren aufge­tra­gen hatte, dazu geführt hatte, dass der Putz sich in weiten Teilen vom Untergrund gelöst hatte. Eine umfang­rei­che Sanierung der Außenhaut war damit unumgäng­lich. Eine zunächst beauf­tragte Befund­un­ter­su­chung zeigte auf, dass die Kirche nach der Errichtung zunächst in einer hellen Kalkfas­sung gehalten war. Später wurden die Wandflä­chen mehrfach in kräftigem Gelb gestrichen. Eine Kartierung, die wahrschein­lich im Jahr 1826 durch­ge­führt wurde, gibt - zumindest verbal - Auskunft über die damalige Farbge­stal­tung. Die Zeichnung zeigt darüber hinaus, dass Fenster­ge­wände, die im Mauerwerk nicht vorhanden sind, aufgemalt waren.

Bei der Sanierung kam ein Kalk-Trass-Putz zum Einsatz, der zusammen mit baupy­si­ka­lisch korrekter Mineral­farbe versucht, dem histo­ri­schen Erschei­nungs­bild möglichst nahe zu kommen. Der Einbau von neuen Schall­lä­den und ein neues Läutwerk komplet­tier­ten die Sanierung.

Text: Klaus Elliger, Architekt